Mittwoch, 07. Juli 2021

Mordfall Barbara Rauch: Oberhauser will Schadensersatz leisten

Lukas Oberhauser möchte den Hinterbliebenen von Barbara Rauch Schadenersatz leisten: Beim gestrigen Prozessauftakt legten seine Verteidiger die Bestätigung seiner Bank vor, wonach sie seinen Kreditantrag prüfe.

Das Bozner Schwurgericht  vertagte sich gestern auf den 10. September:  Bis dahin sollte klar sein, ob   es zur  Schadenersatzzahlung an die Hinterbliebenen von Barbara Rauch kommt, was sich strafmildernd auswirken kann.
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Das Bozner Schwurgericht vertagte sich gestern auf den 10. September: Bis dahin sollte klar sein, ob es zur Schadenersatzzahlung an die Hinterbliebenen von Barbara Rauch kommt, was sich strafmildernd auswirken kann. - Foto: © DLife
Die Verteidigung setzt indessen alles daran, das Damoklesschwert „lebenslange Haft“ schon im Vorfeld abzuwenden.Diese droht ihrem Mandanten zumindest im Sinne der Anklage: Oberhauser wird vorgeworfen, am 9. März 2020 im „Bordeauxkeller“ in Eppan Barbara Rauch (28) ermordet und sie zuvor über einen längeren Zeitraum gestalkt zu haben.




Wie berichtet, hatten die Rechtsanwälte von Barbara Rauchs Familie, Flavio Moccia und Angelo Polo, eine Million Euro Schadenersatz gefordert. Mit dem Schreiben der Bank setzte die Verteidigung ein Zeichen, dass es ihrem Mandanten mit seinen Bemühungen um eine Entschädigung ernst ist. Bis zum nächsten Verhandlungstag am 10. September sollte klar sein, ob die Bank für das Darlehen grünes Licht gibt. Sollte die Schadenersatzzahlung zustande kommen, kann sie als mildernder Umstand gewertet werden.

Ebenfalls im September wird das Schwurgericht (Vorsitz Richter Carlo Busato, Beisitzer Richter Stefan Tappeiner) über die Einwände entscheiden, die Oberhausers Verteidiger Karl Pfeifer und Alessandro Tonon vorgebracht haben. Seit April 2019 bleibt Angeklagten ein verkürztes Verfahren verwehrt, wenn sie eines Vergehens bezichtigt werden, für das lebenslange Haft droht. Für Mord sieht der Gesetzgeber eine Haftstrafe nicht unter 21 Jahren vor. Erst durch gewisse erschwerende Umstände – in Oberhausers Fall sind es Vorbedacht und Stalking – droht Lebenslang.

Nach Ansicht der Verteidigung dürfe man bei der Zulassung zum verkürzten Verfahren aber nur von der Grundstrafe für Mord ausgehen. Ein verkürztes Verfahren würde eine automatische Reduzierung des Strafmaßes um ein Drittel vorsehen. Auch warf die Verteidigung die Frage der Verfassungsmäßigkeit zur Einführung von Stalking als Straftatbestand über ein Gesetzesdekret sowie zur lebenslangen Haft an sich auf: Letztere sei eine fixe Strafe und lasse dem Richter keinen Spielraum zwischen einem Mindest- und einem Höchstmaß. Das Schwurgericht muss prüfen, ob es das Verfassungsgericht damit befassen wird.

rc