Dienstag, 22. Dezember 2020

Mordversuch: 8 Jahre Haft für 21-jährigen Bozner

12 Mal hatte Maicol Milani (21) aus Bozen im Juli vergangenen Jahres auf sein Opfer eingestochen. Einer der Stiche verfehlte nur knapp das Herz des damals 17-Jährigen, einer knapp die Halsschlagader. Gestern verurteilte Richterin Carla Scheidle den 21-Jährigen wegen versuchten Mordes zu einer Haftstrafe von 8 Jahren.

In einer Unterführung beim Bahnhof Kaiserau in Bozen hatte sich die Bluttat  ereignet.
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In einer Unterführung beim Bahnhof Kaiserau in Bozen hatte sich die Bluttat ereignet. - Foto: © d
Zugetragen hatte sich der blutige Zwischenfall am Abend des 5. Juli 2019 in einer Unterführung beim Bahnhof Kaiserau (STOL hat berichtet).

Milani war dort mit dem damals 17-Jährigen zusammengetroffen, um sich über einen Streit auszusprechen, den die beiden 2 Wochen zuvor vor einer Diskothek hatten. Anstelle der Aussöhnung gerieten die jungen Männer erneut in einen heftigen Streit. Und der sollte blutig enden. Im Zuge der Auseinandersetzung zückte Maicol Milani nämlich ein Klappmesser und stach auf sein Opfer ein. Als dieses blutüberströmt zusammenbrach, suchte der Angreifer das Weite.

Anrainer, die die Schreie des Opfers gehört hatten, schlugen Alarm. Das Opfer wurde ins Krankenhaus gebracht und einer Notoperation unterzogen. Der Angreifer hingegen konnte kurze Zeit später von der Polizei ausgeforscht werden. Milani sitzt seither in U-Haft – erst im Gefängnis, dann im Hausarrest.

Am Montag musste sich der heute 21-Jährige vor Richterin Carla Scheidle verantworten. Die Anklage lautete auf versuchten Mord. Wie der medizinische Gerichtssachverständige Sandro La Micela bestätigte, hatte der Angreifer 12 Mal zugestochen. 2 der Stiche hätten, jeder für sich genommen, beinahe tödlich sein können. Einer der Stiche hatte das Herz des Opfers nur um einen Zentimeter verfehlt. Ein zweiter Stich ging nur haarscharf an der Halsschlagader des Opfers vorbei. Damit bestand für die Anklage eindeutig Tötungsabsicht.

Tat sofort gestanden

Als erschwerenden Grund führte die Staatsanwaltschaft an, dass die Tat aus niedrigen Beweggründen begangen worden war. Der Gesetzgeber sieht für diesen erschwerenden Umstand im Falle von versuchtem Mord eine Mindeststrafe von 12 Jahren Haft vor. Dass der Angeklagte die Tat sofort gestanden und auch sein Bedauern über das Vorgefallene ausgedrückt hatte, wurde ihm gestern als mildernder Umstand anerkannt, der den erschwerenden Umstand der niederen Beweggründe aufwog – sehr zur Erleichterung von Milanis Anwälten Marco Ferretti und Nicola Nettis, die dahingehend argumentiert hatten. Schließlich verurteilte die Richterin den 21-Jährigen zu 8 Jahren Haft. Durch den gewählten Ritus des verkürzten Verfahrens reduziert sich die Strafe automatisch um ein Drittel.

Zudem muss Milani dem Opfer 50.000 Euro an Schadenersatz anzahlen. Die effektive Schadenshöhe wird in einem eigenen Zivilverfahren festgelegt. Im Raum stehen 300.000 Euro, die Anwalt Giancarlo Massari für das Opfer, das sich als Nebenkläger ins Strafverfahren eingelassen hatte, einfordert. Selbst ein plastischer Chirurg habe bestätigt, dass an seinem Mandanten die Narben ein Leben lang zu sehen seien, so Massari.

stol/d