Freitag, 19. Juni 2020

Nach tödlichem Übungsunfall: „Ein Restrisiko bleibt immer“

Der Schock sitzt noch tief nach dem tragischen Unfall bei einer Übung der Wasserrettung Eisacktal, bei dem der Wasserretter Claudio de Nigro sein Leben verloren hat. STOL hat mit Patrik König, Präsident der Wasserrettung Südtirol, über die Risiken bei Einsätzen und Übungen und die enorme psychische Belastung, wenn es den eigenen Kameraden trifft, gesprochen.

Patrick König erklärt: „Bei jeder Übung, ebenso wie bei jedem Einsatz, werden die Risiken auf ein Minimum reduziert.“
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Patrick König erklärt: „Bei jeder Übung, ebenso wie bei jedem Einsatz, werden die Risiken auf ein Minimum reduziert.“ - Foto: © landesfeuerwehrverband
STOL: Herr König, wie geht es den Kollegen der Wasserrettung und wie werden sie nach dem schrecklichem Unfall betreut?

König: Die Kameraden sind nach der Tragödie in der Rienzschlucht sehr stark getroffen. Die psychische Belastung bei einem Einsatz, bei dem jemanden aus der eigenen Gruppe etwas zustößt, ist enorm. Auf so einen Vorfall kann sich niemand wirklich vorbereiten. Unsere Freiwilligen wissen, dass bei jedem Einsatz ein gewisses Restrisiko bestehen bleibt, man geht aber immer davon aus, dass alles gut geht. Wir bedauern den Unfall zutiefst und sind alle bestürzt über den Tod unseres Kollegen. Die Begleitung durch die Seelsorge ist in dieser schwierigen Situation eine große Stütze und hier in Südtirol vorbildhaft. Es tut gut, wenn man in so einer Situation mit jemandem reden kann.



STOL: In den letzten 2 Wochen ist es zu 2 tödlichen Unfällen bei Übungseinsätzen in Südtirol gekommen. Wie viel Risiko können und müssen die Freiwilligen bei Übungen und Einsätzen eingehen?

König: Bei jeder Übung, ebenso wie bei jedem Einsatz, werden die Risiken auf ein Minimum reduziert. Ein Restrisiko bleibt aber leider immer bestehen. Wir bemühen uns stets, die maximale Sicherheit für alle unsere Einsatzkräfte zu garantieren, aber leider kann man nie zu 100 Prozent ausschließen, dass etwas schief geht. Wichtig ist anzumerken, dass die letzte Entscheidung immer bei dem Retter selbst liegt. Jeder muss Gefahrensituationen und seine Fähigkeiten selbst einschätzen und abwägen, welchem Risiko er sich aussetzt. Wer sich etwas nicht zutraut, tut es auch nicht. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass unseren Einsatzkräfte diese Abwägung sehr gut gelingt. Leider kann man aber trotzdem nie ausschließen, dass es zu einem Unfall kommen kann. Unsere Arbeit ist nicht riskant, aber ein Restrisiko bleibt.

STOL: Wie viele Übungen werden jährlich durchgeführt und zu wie vielen Unfällen kommt es dabei?

König: Im Jahr führen wir an die 100 Übungen durch, bei denen normalerweise bis auf eine Verstauchung nicht viel passiert. In 99 Prozent der Fälle geht alles gut. Dass es nun innerhalb so kurzer Zeit zu 2 tödlichen Unfällen gekommen ist, schmerzt uns alle sehr, ist aber sicher nicht die Regel.

pho

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