Sonntag, 19. April 2020

Negatives INAIL-Gutachten zu Schutzausrüstungen eingetroffen

Im Rahmen einer außerordentlichen Validierung hat das gesamtstaatliche Versicherungsinstitut für Arbeitsunfälle INAIL die persönlichen Schutzausrüstungen, welche von der Firma Oberalp im Auftrag des Südtiroler Sanitätsbetriebs in China angekauft wurden, auf ihre gesetzliche Zulässigkeit überprüft. Das Urteil ist nun eingelangt: Ergebnis negativ.

Nachdem das INAIL eine reine Dokumentenprüfung vorgenommen hat, soll nun eine Materialprüfung der Schutzausrüstung vorgenommen werden.
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Nachdem das INAIL eine reine Dokumentenprüfung vorgenommen hat, soll nun eine Materialprüfung der Schutzausrüstung vorgenommen werden. - Foto: © APA (dpa-Zentralbild) / Sebastian Kahnert
Geprüft wurden laut einer Aussendung des Sanitätsbetriebes die Atemschutzmasken („dust mask“ KN-95), die Einwegschutzanzüge und die Schutzanzüge für den aseptischen Gebrauch.

Nicht Teil der Validierung waren hingegen die sogenannten „chirurgischen Masken“, da diese vom Gesetzgeber nicht als „Persönliche Schutzausrüstungen“ eingestuft werden und demnach nicht in den Kompetenzbereich des Versicherungsinstitutes fallen. Diesbezüglich wurde das Comitato Tecnico Scientifico, das beim italienischen Zivilschutz angesiedelt ist, um ein Gutachten angerufen, das ebenfalls am Samstag in Südtirol eingetroffen ist.

Die Bewertung des Versicherungsinstitutes INAIL, welches eine reine Dokumentenprüfung und keine Materialprüfung vorgenommen hat, fiel, wie bereits am 7. April, negativ aus; auf der Grundlage der eingereichten Unterlagen wurde im Wesentlichen festgestellt, dass diese nicht ausreichend sind, um die „Konformität“ mit den spezifischen technischen Bestimmungen zu überprüfen und weiters die Zertifikate nicht von akkreditierten Stellen stammen.

Ausrüstungen dürfen nicht mehr verwendet werden – Suche nach Ersatz läuft

Die Direktion des Südtiroler Sanitätsbetriebes hat deshalb am Sonntagmorgen sofort den Stopp der Verteilung und Verwendung dieser Schutzausstattungen verfügt und alle Verantwortlichen aufgefordert, die Materialien unter Verschluss zu halten.

Bereits in den vergangenen Tagen wurde derweil nach Ersatzmaterial gesucht. Für die nächsten Tage wurden verschiedenen Lieferungen in Aussicht gestellt. Zum einen hat der Sanitätsbetrieb Trient zugesagt, für nächste Woche 5000 Schutzanzüge leihweise zu liefern, zum anderen gibt es auch die Zusage des italienischen Zivilschutzes, ab Mittwoch nächster Woche Schutzanzüge zu stellen.

Nach diesem negativen Gutachten des INAIL strebt der Südtiroler Sanitätsbetrieb eine Materialprüfung durch ein unabhängiges akkreditiertes Institut an. Diesbezüglich bestehen bereits Kontakte mit dem italienischen Zivilschutz, der ebenfalls die Materialprüfung von chinesischen Atemschutzmasken anstrebt.


Gutachten für chirurgische Masken positiv

Der Generaldirektor des Sanitätsbetriebes, Florian Zerzer, äußerte sich betroffen über die neuerliche negative Rückmeldung des INAIL, „vor allem, weil ich weiß, dass diese Schutzausrüstungen andernorts problemlos verwendet werden und das Personal damit auch zufrieden ist und wir leider hier aus bürokratischen Gründen diese dringend benötigten Materialien im Magazin verschließen müssen.“

Eine positive Nachricht gibt es auf jeden Fall: die chirurgischen Masken, die vom „Comitato Tecnico Scientifico“ des italienischen Zivilschutzes geprüft wurden(immerhin 1 Mio. Stück), können in den dafür vorgesehenen Bereichen weiterhin verwendet werden.

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sabes/stol