Mittwoch, 10. Juni 2020

Offener Brief des Landesverbandes der Sozialberufe

Menschen, die Sozialberufe ausüben, waren und sind in der Coronakrise besonders gefordert und haben einen wichtigen Beitrag zur Krisenbewältigung geleistet. In einem offenen Brief mahnt der Landesverband der Sozialberufe nun: „Die Sozialberufe sind mehr wert, als ein Danke!“

„Sozialberufe sind mehr wert, als ein Danke.“
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„Sozialberufe sind mehr wert, als ein Danke.“ - Foto: © Landesverband der Sozialberufe
In dem Brief fordert der Landesverband der Sozialberufe unter anderem eine gerechte Entlohnung und eine gesellschaftliche Aufwertung der Sozialberufe. Die Coronakrise habe gezeigt, dass diese Berufsgruppe noch immer unter zahlreichen Missständen zu leiden habe, die es nun zu beheben gelte.

Hier der Brief im Wortlaut:

Die Covid-19-Pandemie zeigt auf, dass wir trotz eines gut entwickelten Sozialwesens und sozialer Dienstleitungen, nicht ausreichend auf eine Pandemie solchen Ausmaßes vorbereitet waren und sind.

Was haben wir als Landesverband der Sozialberufe wahrgenommen:

- Das Sozialwesen steht immer noch nicht gleichberechtigt zum Gesundheitswesen, obwohl es eng miteinander funktionieren muss.

-Während des Höhepunktes der Covid -19 Pandemie, gab es viele Solidaritätsbekundungen für die Gesundheits- und Sozialberufe, jetzt liegt der Schwerpunkt wieder bei Wirtschaft.

- Es gab auf der einen Seite eine Informationsflut und auf der anderen Seite ein Informations- und Kommunikationsdefizit und die unterschiedlichsten Vorgaben und Vorgangsweisen im Umgang mit der Pandemie.

- Die Mitarbeiterinnen hatten in dieser Zeit kaum eine Stimme und wenn, dann haben Sie sich anonym zu Wort gemeldet, bzw. die sozialbetreuerische und pflegerische Dimension, wurde zu wenig beachtet.

- Gesellschaftliche Ungleichheiten haben sich verschärft und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt weiterhin hauptsächlich eine Herausforderung der Mütter. Auch bei den Sozialberufen handelt es sich um Beschäftigungssegment, das als traditionelle Frauendomäne anzusehen ist, 85% der Beschäftigten sind weiblich.

- Die verschiedenen sozialen Dienstleistungen wurden nicht gleichberechtigt wahrgenommen. Alle anspruchsberechtigten Menschen, im ambulanten, teilstationären und stationären Bereich müssen unabhängig von Ihrem Alter gleichwertig berücksichtigt und wahrgenommen werden.

- Es ist verständlich, dass zu Beginn und am Höhepunkt der Pandemie, die Spitze der Landespolitik richtungsweisende Entscheidungen treffen musste, nach und nach wäre dann ein partizipativer Ansatz von Vorteil gewesen.

Die Sozialberufe sind mehr wert, als ein Danke!
Wir als Landesverband der Sozialberufe, weisen seit nunmehr fast zehn Jahren, kontinuierlich auf Umstände und Missstände hin, ohne dass wir nachhaltige Maßnahmen zur Optimierung der Rahmenbedingungen und Lohngerechtigkeit für die Sozialberufe mit Fach- und Berufsausbildung erreichen konnten.

Die Zunahme des öffentlichen Interesses an der Betreuung und Pflege war zu Beginn und am Höhepunkt derCovid-19-Pandemie spür- und erlebbar, es gab unzählige Danke auf Facebook und in Medienberichten, auch von Heldinnen war die Rede. Das zunehmende Interesse, welches sich auf diese Zeitspanne bezog, wird unterschiedlich wahrgenommen. Einige fühlen sich dadurch gestärkt und wahrgenommen, andere nehmen das Lob und den Beifall zwar wahr, erwarten sich jetzt aber konkrete Maßnahmen.

Was kommt nach den ganzen Solidaritätsbekundungen und Danke?
Wir als Landesverband stellen fest und fordern:

- Die Zeit der Ankündigungen und Vertröstungen muss jetzt vorbei sein, denn wenn nicht jetzt wann dann?

- Wir wollen keine Heldinnen sein, denn wir haben unseren Beruf nicht mit ausschließlich altruistischem Gedankengut gewählt, sondern fordern für die Arbeit, die wir leisten, eine gerechte Entlohnung, angemessene Rahmenbedingungen und eine entsprechende gesellschaftliche und politische Wahrnehmung des Sozialberufs.

- Und Lohngerechtigkeit bedeutet, die gesamte Lohnstruktur, das heißt die Funktionsebenen und die Zulagen für die Sozialberufe mit Fach- und Berufsausbildung, müssen neu definiert und gestaltet werden.

- Die Sozialberufe mit Fach- und Berufsausbildung müssen über ein Landesgesetz geschützt und geregelt werden, die Arbeiten zum Gesetzentwurf sind im Gange.

- Die Einbeziehung der Sozialberufe mit Fach- und Berufsausbildung in Entscheidungsprozesse.

- Der Landeszusatzvertrag für die Kleinkindbetreuerinnen muss jetzt umgesetzt werden, denn wie wichtig die Kleinkindbetreuung war und ist, hat uns die Coronazeit mehr als deutlich aufgezeigt.


Denn in einem Land wo die Wirtschaft, der Tourismus, der Bauernbund, der Handel und das Handwerk gut positioniert sind, muss verstanden werden, das die Arbeit der Beschäftigten in den Sozialberufen, viele im Alltag entlastet und für das Funktionieren einer Gesellschaft und der Wirtschaft unerlässlich ist und das nicht nur in Krisenzeiten.

Im Namen des Landesverbandes der Sozialberufe
die Vorsitzende und die Geschäftsführung
Kathrin Huebser und Marta von Wohlgemuth

stol

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