Mittwoch, 25. November 2020

RIENZact: Hochwasserschutz und nachhaltige Entwicklung für die Rienz

Mit dem Flussraummanagementplan für die Rienz werden Hochwasserschutz und nachhaltige Entwicklung vorangetrieben: Beim 3. Flussraumforum „RIENZact“ wurden diese Maßnahmen vorgestellt.

RIENZact: Flussraummanagementplan für den Hochwasserschutz und die nachhaltige Gestaltung und Entwicklung des Flussraumes; im Bild mit Blick auf Percha und Bruneck.
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RIENZact: Flussraummanagementplan für den Hochwasserschutz und die nachhaltige Gestaltung und Entwicklung des Flussraumes; im Bild mit Blick auf Percha und Bruneck. - Foto: © Amt Wildbachverbauung Ost
Wie bei anderen Flüssen wird auch für die Rienz von der Quelle bis zur Einmündung in den Mühlbacher Stausee ein Flussraummanagementplan für den Hochwasserschutz und die nachhaltige Gestaltung und Entwicklung des Flussraumes erarbeitet: Das Projekt des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) „RIENZact“ war vor 2 Jahren vom Landesamt für Wildbach- und Lawinenverbauung Ost in der Agentur für Bevölkerungsschutz in die Wege geleitet worden.

Vor kurzem wurden beim 3. Flussraumforum via Videokonferenz erstmals auch die kalkulierten Wasserschäden durch Hochwasser beziffert: So belaufen sich diese im Falle eines Jahrhunderthochwassers auf über 92,2 Millionen Euro, die sich bis auf Rodeneck auf alle restlichen elf Gemeinden verteilen. Der größte Schadensanteil erstreckt sich auf die dicht besiedelten Orte Bruneck (20,5 Millionen Euro), Niederdorf (17,2 Millionen Euro), Kiens (16 Millionen Euro), St. Lorenzen (13,5 Millionen Euro) und Welsberg (11,2 Millionen Euro).

Deshalb enthält der Maßnahmenkatalog des Flussraummanagementplans vor allem Hochwasserschutzmaßnahmen. Es finden sich darin aber auch Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung und zur Schaffung von Natur- und Erholungsräumen sowie zur effizienten Nutzung der Ressource Wasser. Die Maßnahmen wurden in einem partizipativen Prozess fachübergreifend, dialogorientiert und im Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung definiert: Benachbarte Ufergemeinden sollten miteinander und füreinander zusammenwirken. Die definierten Maßnahmen wurden im Maßnahmenkatalog in einer Prioritätenliste zusammengefasst. Die Priorisierung nach Dringlichkeit erleichtert die Entscheidungen zur künftigen Umsetzung.

Katalog mit 47 Maßnahmen

Der Maßnahmenkatalog wurde vom Ingenieurbüro Mountain-eering aus Bozen erarbeitet und umfasst 47 Maßnahmen: Der Großteil zielt darauf ab, die Hochwassergefahren insbesondere in den bewohnten Gebieten und Gewerbezonen zu reduzieren.

Als Maßnahmen zur Reduzierung der Wassergefahren wurden benannt: die Aufweitung des Flussbettes, wann immer möglich (Niederdorf, Welsberg, Olang, Bruneck, St. Lorenzen, Kiens), die abschnittweise Erhöhung von Ufermauern (Toblach, Niederdorf, Welsberg, Olang, Bruneck, St. Lorenzen, Kiens), die Anpassung oder Beseitigung von störenden Bauquerwerken - zum Beispiel der Abbruch von tiefliegenden Brücken, die bei Hochwasser zum Nadelöhr werden könnten - und der Wiederaufbau höherer Brücken (Toblach, Rasen, Kiens, Vintl), die Beseitigung von sonstigen Querwerken und Dämmen ebenso wie der Ersatz des alten Wasserkraftwerkes in Niederdorf.

Revitalisierung von Auwäldern und Aufwertung von Biotopen

Gedacht wird auch an eine Zusammenlegung der vielen kleinen Wasserkraftwerke in Bruneck, um ein optimiertes Wassermanagement und eine bessere Abstimmung bei Hochwasser sicherzustellen. Auch die Revitalisierung von Auwäldern und die Aufwertung von Biotopen und Feuchtgebieten (Toblach, Niederdorf, Welsberg, Olang, Rasen, Percha, Bruneck, St. Lorenzen, Kiens, Vintl) sind für den Hochwasserschutz relevant, da diese neben ihrer ökologischen Funktion auch eine wichtige Pufferfunktion bei Hochwasser übernehmen, indem sie Hochwasser aufnehmen, speichern und zeitversetzt wieder in den Fluss abgeben.

Im gesamten Streckenverlauf sollen genügend Retentionsflächen bestimmt und vorgesehen werden, die bei Bedarf geflutet werden können, um überschüssiges Hochwasser abzuleiten (Toblach, Niederdorf, Olanger Stausee, Rasen, Percha, Bruneck, St. Lorenzen, Kiens, Vintl). So könnte die Nutzung einer großräumigen Retentionsfläche (65 Hektar) in Vintl erheblich dazu beitragen, die Hochwassergefahren in Brixen zu reduzieren. Beim Flussraumforum wurde außerdem eine Machbarkeitsstudie zur Nutzung eines bestehenden Tunnels in Niederdorf als Bypass im Falle von Hochwasser präsentiert.

Naturnahe Ufergestaltung und Fischtreppen

Mit den ökologischen Maßnahmen im Maßnahmenkatalog soll das Vegetations- und Flusskontinuum hergestellt und verbessert werden. Dazu zählen etwa die Erhaltung und Aufwertung der verschiedenen Biotope, die Revitalisierung der Auwälder und Feuchtgebiete sowie eine naturnahe Ufergestaltung, die gemeinsam einen Vegetationsgürtel bilden, der mit seinen wichtigen ökologischen Funktionen die Rienz begleitet.

Vorgesehen sind auch die Errichtung von Fischtreppen (Bruneck und Kniepass), um die Fischpassierbarkeit zu gewährleisten, sowie die punktuelle Errichtung von Geschiebe-Bypässen, die den wichtigen Sedimenttransport auch bei künstlichen Staubecken sicherstellen und das Sediment im Flusskontinuum weiterführen. Aus diesem Grund wird eine Machbarkeitsstudie für den Bau von Sediment-Geschiebe-Bypässen in Welsberg am Olanger See, an der Kniepass-Kreuzung (St. Lorenzen) und beim Mühlbacher Stausee vorgeschlagen.

Im Katalog finden sich zudem Maßnahmen, die den Fluss wieder verstärkt für die Menschen zugänglich machen sollen, etwa indem Fußgängerwege entlang der Rienz angelegt und Erholungsräume am Fluss geschaffen werden (Bruneck, St. Lorenzen, Kiens). Für den gesamten Flussverlauf gelten Empfehlungen wie die Errichtung von ausreichend Wildtierpassagen im Flusskorridor und die künftige Umsetzung einer ökologischen Schutzzone auf beiden Flussseiten.

Flussraumgestaltung als ständiger Prozess

Mit dem neuen Flussraummanagementplan für die Rienz geht das EFRE-Projekt „RIENZact“ in dieser Phase zwar dem Ende zu, es soll jedoch in den Umsetzungsprojekten Fortsetzung finden, erklärt Projektkoordinatorin Caterina Ghiraldo, stellvertretende Direktorin im Amt für Wildbach- und Lawinenverbauung Ost.

Ähnlich wie bei den Flussraumprojekten „Untere Ahr“ und „Pro Drau“ soll ein ständiger Prozess auch für die Rienz in Gang gesetzt werden. Dazu soll eine Plattform angelegt werden, wo Vorschläge eingebracht und Maßnahmen zur Diskussion gestellt und konkretisiert werden können.

lpa

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