Freitag, 17. April 2020

Situation in Altersheimen – ASGB: „Es reicht!“

Alle Bewohner und Mitarbeiter in Altenheimen testen: Dies sei der zentrale Schwerpunkt der künftigen Teststrategie in Österreich. Tony Tschenett, Vorsitzender des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes (ASGB), fordert, die Strategie in Südtirol an Österreich anzupassen.

Die Lage in zahlreichen Südtiroler Altersheimen ist angespannt. (Symbolbild)
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Die Lage in zahlreichen Südtiroler Altersheimen ist angespannt. (Symbolbild) - Foto: © shutterstock
Es sei nicht mehr tolerierbar, mitansehen zu müssen, wie das Krisenmanagement in vielen Altersheimen völlig versagt, so der ASGB-Chef in einer Stellungnahme.

Man könne verstehen, dass am Anfang der Covid-19-Krise viele Strukturen von der außergewöhnlichen Situation überrascht wurden, man hätte aber rechtzeitig gegensteuern können. Was aktuell geschehe, sei vielfach komplettes Versagen vieler Führungskräfte in den Altenheimen in verwaltungstechnischer Hinsicht, aber auch in menschlicher Hinsicht.

„Mir reicht’s jetzt! Ich habe viele Gespräche mit Pflegern geführt. Die meisten kritisieren den fahrlässigen Umgang der Heimführungen mit Covid-19. Auch heute gilt in einigen Strukturen immer noch die Devise, beim Personal und der Ausstattung desselben zu sparen. Wohin das führt, sieht man. Ein Massensterben der Heimbewohner, ein sich vielfach in Quarantäne befindendes Pflegepersonal und dadurch ein personeller Notstand vielerorts,“ schreibt Tschenett.

„Dass durch den Mangel an Schutzausrüstung und nicht erfolgter Tests fahrlässig die Ausbreitung des Virus durch das Pflegepersonal in Kauf genommen wurde, ist nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Die anfängliche Weigerung, flächendeckende Tests in den Strukturen durchzuführen, hat uns in diese Situation gebracht. Auch wenn ich mich wiederhole: Diese Situation ist erst durch menschliches Versagen derart entartet“, so Tschenett weiter.

Man könne nur noch Kosmetik betreiben, und das heißt laut Tschenett: „Sofort Tests an allen Mitarbeitern und Heimbewohnern durchführen!“

„Nach der Krise müssen Konsequenzen folgen

Tschenett zeigt sich aber auch beunruhigt über mangelnde Empathie: „Man hat das Gefühl, dass erkrankte Bewohner teilweise nicht mehr als gleichwertige Menschen anerkannt werden. Für die Preise, die in den Altenheimen bezahlt werden, möchte man eigentlich meinen, dass anständige Schutzvorkehrungen und auch Behandlungen angeboten werden. Dabei ist in den letzten Jahren massiv beim Personal gespart worden. Die Zeit der Pfleger beim Patienten wurde begrenzt, während die Zeit der Führungskräfte bei den Akten keine Begrenzung erfahren hat. Der Ruf der Pflegestrukturen wird für lange Zeit unter diesem Missmanagement leiden.“

Jetzt gelte es die Ärmel hochzukrempeln und das Beste aus der Situation zu machen. Wenn sich die Situation aber beruhigt hat, dann müsse man sich Gedanken darübermachen, wie man die Verantwortlichen dieser Misere zur Verantwortung zieht.

„Diese traurigen Umstände müssen auch endlich Anlass dafür sein, dass unsere Forderungen nach einer anständigen Aufwertung der Pflegeberufe umgesetzt werden. Dabei sollen die Maßnahmen für die Aufwertung nicht auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden, sondern umgehend angegangen werden“, schließt Tschenett.

stol

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