Mittwoch, 29. Januar 2020

So alt werden die Südtiroler

Der Fortschritt in der medizinischen Versorgung, Hygiene, Ernährung und Wohnsituation sowie verbesserte Arbeitsbedingungen und der gestiegene materielle Wohlstand haben maßgeblich zum Anstieg der Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten beigetragen. Italienweit schlägt uns nur die Provinz Trient.

Der jährliche Zuwachs der Lebenserwartung schwächt sich allmählich ab.
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Der jährliche Zuwachs der Lebenserwartung schwächt sich allmählich ab. - Foto: © shutterstock

In der Region Trentino-Südtirol betrug zwischen 1978 und 2018 der Zuwachs der Lebenserwartung 12,9 Jahre bei den Männern und 8,9 Jahre bei den Frauen, wobei sich der jährliche Zuwachs allmählich abschwächt. Erst ab dem Jahr 1992 liegen die Berechnungen getrennt für die beiden Autonomen Provinzen Bozen und Trient vor.

Die einst beträchtlichen geschlechtsspezifischen Unterschiede verringern sich langsam: Im Jahr 1978 betrug die Differenz noch 8,2 Jahre, im Jahr 2018 nur mehr 4,2 Jahre. Dies ist vor allem auf die verhältnismäßig stärker gestiegene Lebenserwartung der Männer zurückzuführen.


In Südtirol kann ein im Jahr 2018 geborener Junge mit einer Lebenserwartung von 81,7 Jahren rechnen, ein neugeborenes Mädchen mit 86,1 Jahren. Die Lebenserwartung beider Geschlechter liegt damit über dem gesamtstaatlichen Werten von 80,9 Jahren für die Männer und 85,2 Jahren für die Frauen.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen Italiens sind beträchtlich: Die höchste Lebenserwartung weist die Provinz Trient auf (M: 82,0; F: 86,2), die niedrigste die Region Kampanien (für die Frauen) und die Region Aosta (für die Männer). Die regionalen Unterschiede betragen 2,7 Jahre bei den Männern und 2,5 Jahre bei den Frauen.

Im österreichischen Bundesland Tirol beträgt die Lebenserwartung 85,0 bei den Frauen und 80,4 bei den Männern und ist somit die niedrigste in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino.

Gesundheitserwartung: „Gesunde Lebensjahre“

Der Indikator „gesunde Lebensjahre“ (Healthy Life Years, HLY) wird vom Eurostat berechnet. Dieser statistische Indikator für die Gesundheitserwartung wird für Männer und Frauen bei der Geburt und im Alter von 50 und 65 Jahren getrennt berechnet. Gute gesundheitliche Verfassung wird als Abwesenheit von Funktionsbeschränkungen/Behinderungen definiert. Die Kennzahl „HLY“ ist also ein Indikator der Gesundheitserwartung, welcher Informationen zu Sterblichkeit und Krankheit miteinander verknüpft.

Der geschlechtsspezifische Unterschied bei den gesunden Lebensjahren ist deutlich geringer als bei der Lebenserwartung insgesamt: Auf EU-Ebene beträgt er 2017 (letzte verfügbare Daten) lediglich 0,5 Jahre zugunsten der Frauen.



Lebenserwartung anhand von Sterbetafeln berechnet

Die Berechnung der Lebenserwartung erfolgt anhand von Sterbetafeln. Diese weisen getrennt nach Geschlecht aus, wie viele Personen eines Ausgangsbestandes (von meist 100.000 Personen) aufgrund der aktuellen Sterbewahrscheinlichkeiten in den einzelnen Altersjahren überleben oder sterben werden.

Ausgehend von 100.000 fiktiven männlichen beziehungsweise weiblichen Lebendgeborenen, der sogenannten „Sterbetafelbevölkerung“, wird ermittelt, wie viele Personen des Ausgangsbestandes in einem bestimmten Alter unter den aktuellen Sterblichkeitsverhältnissen noch leben würden. Der Verlauf dieser Größe wird auch als Absterbeordnung bezeichnet.

Größere Lebenserwartungsgewinne für Männer

Aus dem Verlauf ist abzulesen, dass die Sterbewahrscheinlichkeiten der Männer über fast alle Altersjahre hinweg größer sind als die der Frauen, was als Übersterblichkeit der Männer bezeichnet wird. Die Säuglingssterblichkeit ist im Vergleich zu den nachfolgenden Lebensjahren relativ hoch. Nach dem ersten Lebensjahr vermindern sich die Sterbewahrscheinlichkeiten, wobei das Minimum zwischen 4 und 8 Jahren erreicht wird. Ab da steigt das Sterberisiko etwa bis zum Alter von 20 Jahren stärker an und erreicht um dieses Alter herum sein vorläufiges Maximum. Dieses ist bei den Männern stärker ausgeprägt als bei den Frauen, häufig aufgrund ihres riskanteren Verhaltens im Straßenverkehr, der sogenannte „Unfallhügel“. Bis zum Alter von etwa 50 Jahren steigt die Kurve nur langsam, ab 50 Jahren dann aber stärker an.

Anhand der Verläufe der Absterbeordnung der Jahre 1998, 2008 und 2018 wird deutlich, dass Männer im letzten Jahrzehnt größere Lebenserwartungsgewinne als Frauen verzeichnen - bei den Frauen ist der Abstand zwischen den Verläufen von 2008 und 2018 deutlich geringer.





stol