Sofian Foughali* leitet in Bozen die „Gruppe junger Muslime“. Im Interview erzählt er über den Ramadan und wie gläubige Muslime in dieser Zeit versuchen, sich Gott in besonders inniger Weise zu nähern, nur Gutes zuzulassen und alles Böse fernzuhalten.<BR /><BR /><BR /><b>Herr Foughali, seit wann gibt es den Ramadan?</b><BR />Sofian Foughali: Eigentlich seit jeher, er zählt für uns Muslime zu den größten Festen des Jahres, bei dem wir uns sehr intensiv mit unserem Glauben, dem Gebet und der Enthaltsamkeit auseinandersetzen.<BR /><BR /><b>In diesem Jahr begann der Ramadan am 13. April. Erzählen Sie unser, was in diesen 30 Tagen, bis zum Ende am 12. Mai, vorgesehen ist.</b><BR />Foughali: Nun, wie gesagt, es ist der wichtigste religiöse Zeitabschnitt für uns, bei dem wir zwischen Sonnenaufgang und -untergang weder trinken oder essen noch rauchen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, beispielsweise für Kinder, Schwangere, Kranke oder Reisende, die den Fastenmonat eventuell auch nachholen können. Konkret ist es so, dass wir so gegen 4 Uhr morgens eine kleinere Mahlzeit zu uns nehmen, abends dann, nach Sonnenuntergang, wird im Kreise der Familie gespeist. Wir sind ja laut unseren Lehren angehalten, auch 5 Mal täglich zu bestimmten Zeiten zu beten, wobei wir uns in die Richtung unserer heiligen Stätte Mekka hinwenden. Das Wesentliche beim Ramadan ist aber, dass das Spirituelle an die erste Stelle rückt. Man soll sich intensiver als sonst mit dem Koran und den Lehren Mohammeds auseinandersetzen. Das Augenmerk liegt darauf, dass man ein besserer Moslem wird, vielleicht auch geläutert und demzufolge negative Tugenden ausschaltet. Es soll einem dabei aber auch nicht schlecht ergehen. Auch soll man nicht darunter leidet, denn man betet und fastet zum eigenen Wohlergehen und um weiter, eine Stufe höher, in die Nähe Gottes zu gelangen.<BR /><BR /><b>Welches sind die Schwierigkeiten, die größten Herausforderungen dabei?</b><BR />Foughali: Das Herausfordernde ist, vor allem für uns Jüngere, die wir in einer materialistischen Welt aufgewachsen sind, diese doch strengen Regeln möglichst genau einzuhalten. Ich stelle aber fest, dass, vielleicht auch durch Corona, ein hoher Grad an Spiritualität vorhanden ist, dem Glauben wieder mehr Gewicht beigemessen wird, materielle Dinge nicht mehr so wichtig genommen werden. Aber wir befinden uns erst am Anfang dieser Epoche. <BR /><BR /><b>Und was geschieht nach dem Ende des Ramadan?</b><BR />Foughali: Das ist für uns alle ein bedeutender Festtag. Wir beginnen am Morgen des 13. Mai mit dem Fest des Fastenbrechens, wie es genannt wird. Man begibt sich in die Moschee oder bei uns ins Gebetshaus, wo gebetet wird, wir danken unserem Gott für die Stärke, die er uns während der Fastenzeit gegeben hat und dann feiern alle zusammen, wobei Süßspeisen nicht fehlen dürfen. Kinder erhalten Geschenke, es wird gemeinsam gegessen und getrunken, es herrscht Freude und Zufriedenheit. Heuer werden wir wegen der Corona-Pandemie mit allem ein wenig vorsichtiger und zurückhaltender sein müssen. <BR /><BR /><BR /><BR />* <b>Sofian Foughali ist ein junger Moslem, der 1997 in Bozen geboren wurde. Nach den Pflichtschulen besuchte er die Hotelfachschule in Meran und arbeitete unter anderem für den Europäischen Sozialfonds und war vor einiger Zeit auch als Postler im Sarntal tätig. „Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte“, sagt Foughali. Zudem ist er Leiter des Vereins „Gruppe junger Muslime“, dem rund 50 Mitglieder angehören. Einen großen Wunsch möchte er sich noch erfüllen, nämlich nach Mekka zu pilgern.</b><BR /><BR />