Dienstag, 27. Oktober 2020

Symptomfrei? Ab jetzt testlos in Quarantäne

In Sachen Contact-Tracing ist nun auch Südtirol an seine Grenzen gestoßen. Um die Nachverfolgung möglicher Infizierter auch weiterhin aufrecht zu erhalten, stellt man nun massiv um.

Die Kontaktverfolgung wird in Südtirol immer mehr zur Herausforderung.
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Die Kontaktverfolgung wird in Südtirol immer mehr zur Herausforderung. - Foto: © shutterstock
Künftig werden enge Kontakte von Infizierten nur mehr dann getestet, wenn sie Symptome aufweisen. Für alle anderen heißt es 10 Tage Isolation und erst dann zum Corona-Test. „Anders schaffen wir es nicht mehr“, sagt Gesundheitslandesrat Thomas Widmann.

In Vorarlberg wurde das so genannte Contact-Tracing nur mehr auf Hochrisikogruppen beschränkt, auch im Bundesland Tirol stößt man an die Grenzen, und andernorts in Italien wurde die Kontaktnachverfolgung bereits aufgegeben.

„Wir sind beinahe die letzten, die noch Kontaktnachverfolgung betreiben“, sagt Gesundheitslandesrat Thomas Widmann. „In der Schweiz werden alle Verdachtsfälle für 14 Tage in Quarantäne gesteckt und bekommen eine Telefonnummer, bei der sie sich melden können, wenn Symptome auftreten.“

Auch Südtirol an Grenze angelangt

Aufgrund massiv steigender Zahlen ist nun aber auch Südtirol an seine Grenzen gestoßen. „Wir sind einfach zu langsam, und teilweise stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit“, gibt Widmann zu bedenken.

„Bei den derzeit täglich über 300 Neuinfizierten und einem Schnitt von jeweils 20 bis 30 engen Kontakten sind das bis zu 10.000 Telefonate, die allein für die Infizierten eines Tages zu machen sind. Das ist ganz einfach nicht mehr zu schaffen.“ Derzeit werden nämlich alle engen Kontakte eines Neuinfizierten kontaktiert und zum Corona-Test gerufen. Fällt der positiv aus, geht die Nachverfolgung weiter.

Kontaktverfolgung nur mehr bei positivem Test

Das wird sich nun ändern. Um die Zahl der Nachverfolgungen zu senken, werden enge Kontakte nur mehr dann getestet, wenn sie Symptome aufweisen. Bei einem positiven Test geht die Kontaktverfolgung weiter.

Alle asymptomatischen engen Kontakte eines Neuinfizierten werden hingegen nur mehr kontaktiert, unter Quarantäne gestellt und erst am Ende derselben getestet. „Immerhin sind 70 bis 80 Prozent der engen Kontakte von Neuinfizierten asymptomatisch“, sagt Widmann. Demnach würde sich damit die Zahl der Nachverfolgungen schlagartig auf rund 3000 pro Tag senken. „Und die schaffen wir schon“, sagt er.

Anzahl der Verdachtsfälle reduzieren

Mit dieser Maßnahme wird auch gleichzeitig die Zahl der zu testenden Verdachtsfälle deutlich reduziert, ein unbedingtes Muss, zumal derzeit Menschen teilweise sogar bis zu 2 Wochen auf ihren Corona-Test warten.

„Mit der neuen Regelung werden Kapazitäten frei, etwa für jene, die nach 10 Tagen Quarantäne einen negativen Test brauchen, um wieder raus zu dürfen“, sagt Widmann und bittet aber gleichzeitig um Geduld. Er habe zwar Verständnis, wenn sich jemand ärgere, wenn er nach 10 Tagen Quarantäne weitere 2 Tage auf einen Test warten müsse. „Aber es ist nach wie vor wichtiger, eine Infektionskette am Anfang zu unterbrechen“, so Widmann.

Erhöhung der Testkapazitäten

Zusätzlich soll die Testkapazität im Land weiter erhöht werden. Dabei will man, wie berichtet, auch Apotheken und Hausärzte einbeziehen. 130 Basisärzte hätten laut Widmann ihre Bereitschaft bekundet, Antigen-Schnelltests durchzuführen. Und auch in den Apotheken könnte man bald schon damit starten – vorausgesetzt, die Tests werden auch rechtzeitig angeliefert.

em

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