Mittwoch, 05. Januar 2022

„Tätowierfarbe für die Tonne“ – Tätowierer sehen jetzt schwarz

Die neue EU-Verordnung, die am 4. Jänner in Kraft getreten ist, schränkt Tätowierer ein, da sie ihre bunten Farben nicht mehr verwenden dürfen. Trotzdem bleiben Südtirols Tätowierer optimistisch. Der Leiter des Labors für Lebensmittelanalysen in Bozen Luca D'Ambrosio erklärt warum diese Regelung gut ist und warum es keine gute Idee war, wenn man sich im Ausland eine Tätowierung stechen gelassen hat.

Wer sich ein Farbtattoo stechen möchte, muss warten, bis geeignete Farben auf den Markt kommen.
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Wer sich ein Farbtattoo stechen möchte, muss warten, bis geeignete Farben auf den Markt kommen. - Foto: © APA/dpa / Marcus Brandt
Schon seit etlichen Jahren wird über eine strengere Reglementierung von Tätowierfarben diskutiert. Auch der Leiter des Labors für Lebensmittelanalyse in Bozen Luca D'Ambrosio warnt schon seit Jahren vor den Risiken bunter Tattoos. „Die Farben enthalten oft aromatische Amine, die krebsfördernd sind“, sagt D'Ambrosio.

Die neue EU-Verordnung reglementiert über tausend Substanzen, unter anderem auch Zusatzstoffe wie Methanol, Schwermetalle und aromatische Amine, die krebserregend sind und sich in Tätowierfarben befinden. Die Farbstoffe, die verwendet werden, wurden nie für die Haut entwickelt, sonder dazu verwendet, Kleidung oder Spielzeug zu färben. Deswegen weisen sie auch eine hohe Verunreinigung auf.

Am 4. Jänner ist die EU-Verordnung in Kraft getreten. 2023 könnte es weitere Einschränkungen geben.

Farben in Südtirol wurden immer schon streng kontrolliert

„Das Labor für Lebensmittelanalysen der Umweltagentur in Bozen ist zusammen mit dem Labor der Umweltagentur von Piemont in den letzten 12 Jahren sehr fleißig gewesen. Deswegen sind die Farben in Südtirol schon immer kontrollierter gewesen, als in anderen EU-Staaten. Trotzdem enthielten Farben auch in Südtirol schädliche Inhaltsstoffe“, sagt der Experte.



Wer sich also in Südtirol in einem offiziellen Tätowierstudio tätowieren ließ, muss sich weniger Sorgen machen. Anders sei das für Tattoos,die privat oder im Ausland gestochen wurden. „Wer sich außerhalb der EU tätowieren ließ und dabei vielleicht auch noch betrunken war und sich nicht mehr gut daran erinnern kann, der sollte sich Sorgen machen und sich fragen, was für Stoffe in den eigenen Körper gelangt sind“, sagt D'Ambrosio.

Unsicherheit bei vielen Tätowierern

Die neue EU-Verordnung hat bei vielen Tätowierern in Südtirol für Unsicherheit gesorgt. Die Verordnung sei nicht eindeutig und im Internet kursiere viel Falschinformation. Man wisse nicht genau, welche Farben man noch verwenden dürfe, da die Qualitätsstandards in Südtirol schon immer weit über dem europäischen Durchschnitt gelegen hätten. In den nächsten Wochen würden Schulungen organisiert, wo Tätowierern die Verordnung erklärt würde.

Tätowierer sehen schwarz

Andere Tätowierer in Südtirol sehen schwarz, zumindest solange bis die Hersteller EU-konforme Farben entwickeln. „Wer sich ein farbiges Tattoo stechen möchte, muss warten, bis geeignete Farben auf den Markt kommen“, sagt Thomas Clara von Bodyworkers Tattoo und Piercing in Brixen, „ich tätowiere bis dahin nur mit schwarz.“

Ähnlich macht das auch Gerd Müller von Rock'n dot in Brixen: „Es gibt nur ein Schwarz eines Herstellers, das man verwenden darf. Bis die neuen Farbe nicht auf den Markt sind, tätowiere ich nur noch schwarz. Die anderen Farben sind jetzt alle für die Tonne. Es wäre hilfreich gewesen, hätte die EU eine Übergangszeit gewährt, wo die alten Farben hätten aufgebraucht werden können. Diese Farben wurden in Südtirol ja immer streng kontrolliert. Noch besser wäre gewesen, hätte man gewartet, bis geeignete Farben auf den Markt kommen.“

Termine nicht abgesagt

Trotz der neuen Verordnung und der Unsicherheit in der Tätowierbranche bleiben die Südtiroler Tätowierer zuversichtlich. Ihre Studios seien trotz allem gut gebucht. Nur bei denjenigen, die unbedingt ein Farbtattoo möchten, wurde der Termin aufgeschoben. Wie lange es dauern wird, bis die neuen Farben auf dem Markt sind, ist noch unklar. Man munkelt, es könnte mehrere Monate, wenn nicht gar Jahre dauern. Die Hersteller müssen sich jetzt auf die Hinterbeine stellen.

teo