Freitag, 09. Juli 2021

Tante getötet: 10 Jahre Haft für Lorys Daniel Caciula

10 Jahre Haft wegen des Mordes an seiner Tante Nicoleta (46): Dieses Urteil hat Vorverhandlungsrichterin Carla Scheidle am Freitag im verkürzten Verfahren über Lorys Daniel Caciula gefällt. Für die Richterin war der 25-Jährige zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig. Die Verteidigung hat Berufung angekündigt. Die Urteilsbegründung soll in 90 Tagen vorliegen.

In einer Wohnung dieses Mehrfamilienhauses starb Nicoleta Caciula.
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In einer Wohnung dieses Mehrfamilienhauses starb Nicoleta Caciula.
Wie berichtet, hatte die Verteidigung darauf plädiert, die Straftat als fahrlässige Tötung einzustufen. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre und 2 Monate Haft für Mord gefordert. Im Sinne des angelasteten Straftatbestandes ist die Richterin dem Antrag der Anklage gefolgt.

Lorys Daniel Caciula wurde für schuldig befunden, seine Tante Nicoleta am 17. Juli 2018 in ihrer Brunecker Wohnung ermordet zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte Caciula in ihrem Antrag eine teilweise Unzurechnungsfähigkeit mildernd angerechnet. Im ersten Strafverfahren gegen Caciula, das mit einem Vergleich zu Ende gegangen war, war der Amtssachverständige Luciano Magotti zum Schluss gekommen, dass Caciulas Einsichts- und Willensfähigkeit zum Tatzeitpunkt eingeschränkt war.

Gutachten sind zwar eine wichtige Entscheidungshilfe, sie sind aber nicht bindend. Letztendlich zieht das Gericht aus der Zusammenschau aller Beweise seine Schlüsse, die durchaus von jenen eines Gutachters abweichen können. So war es in diesem Fall: Richterin Scheidle befand Lorys Daniel Caciula für zurechnungsfähig im Moment der Tat. Ausgehend von 21 Jahren Haft für Mord bewertete sie die allgemein mildernden Umstände als gewichtiger als den erschwerenden Umstand, dass die Tat unter Ausnutzung der Gastfreundschaft des Opfers begangen wurde. Zuzüglich der Haftstrafe für falsche Anschuldigungen gegen seinen Vater ergaben sich 15 Jahre Haft, und dieses Strafmaß wurde aufgrund des verkürzten Verfahrens um ein Drittel auf 10 Jahre gesenkt.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Lorys Daniel Caciula bleibt auf freiem Fuß. Seine Verteidiger Angelo Polo und Andreas Stacul werden gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen. Sie sind weiterhin überzeugt, dass ihr Mandant seine Tante nicht töten wollte. Lorys Daniel Caciula selbst hatte ausgesagt, dass ihm seine Tante Avancen gemacht habe. Um sie auf Distanz zu halten, habe er einen Selbstverteidigungsgriff angewandt und sie am Hals gepackt – was fatal war.

Wie die Autopsie ergeben hatte, war Nicoleta Caciula aber nicht erdrosselt worden, sondern einem Herzversagen erlegen. Nicht zuletzt deshalb war die Tat des 25-Jährigen im ersten Strafverfahren als Körperverletzung mit Todesfolge („omicidio preterintenzionale“) eingestuft worden. Über den 25-Jährigen wurde ein Vergleich über 4 Jahre und 10 Monate Haft abgesegnet. Doch die Generalanwaltschaft hatte dagegen Beschwerde eingelegt. Das Kassationsgericht hatte dieser stattgegeben und den Fall rückverwiesen, womit er neu aufgerollt werden musste.

rc

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