Freitag, 25. Oktober 2019

Über die Hälfte der Südtiroler trinken Alkohol einmal pro Woche oder öfter

57 Prozent der Südtiroler im Alter von 14 bis 85 Jahren konsumieren mindestens einmal pro Woche alkoholische Getränke. 93 Prozent von ihnen haben mindestens einmal im Leben Alkohol getrunken. Die Häufigkeit des Trinkens ist bei Männern und älteren Personen höher. Bei Mädchen sinkt das Alter des ersten Kontaktes mit Alkohol. Dies und viel mehr geht aus einer Umfrage des Landesstatistikinstitut ASTAT hervor.

Alkohol gehört für die meisten Südtiroler beim Feiern einfach dazu.
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Alkohol gehört für die meisten Südtiroler beim Feiern einfach dazu. - Foto: © dpa-tmn / Franziska Gabbert
Das Landesinstitut für Statistik ASTAT stellt in einer Aussendung vom Freitag die Ergebnisse der im Frühjahr 2019 durchgeführten Umfrage zu den Gewohnheiten und Meinungen der Südtirolerinnen und Südtiroler über den Konsum und problematischen Gebrauch von alkoholischen Getränken vor.

Ein Fünftel Nicht-Trinker oder Fast-Nicht-Trinker

21 Prozent der Südtiroler sind entweder Nicht-Trinker oder fast Nicht-Trinker, da sie in den letzten 3 Monaten keinen Alkohol getrunken haben. Ungefähr gleich viele (22%) trinken von Zeit zu Zeit (weniger als einmal pro Woche) Alkohol. 49 Prozent trinken Alkohol an einem oder mehreren Tagen in der Woche und 7 Prozent trinken ihn täglich oder fast täglich.



Das am weitesten verbreitete alkoholische Getränk ist Wein, der von 54 Prozent derjenigen, die Alkohol konsumieren, getrunken wird (etwa 90.000 Personen). Knapp dahinter folgt Bier, das von 45 Prozent (ungefähr 75.000 Personen) am Tag vor der Erhebung getrunken wurde. Etwa 30.000 Südtiroler (17 % der Konsumenten) trinken an einem durchschnittlichen Tag Aperitifs oder Cocktails und etwa 20.000 (11 %) andere Spirituosen.

Im letzten Jahr hatten 21 Prozent der Bevölkerung (46 % der 14- bis 34-Jährigen) mindestens einen Alkoholrausch und 3 Prozent (6 % der 20- bis 34-Jährigen) fuhren unter dem Einfluss von Alkohol. 15 Prozent der Bevölkerung halten es für akzeptabel, sich beim Ausgehen mit Freunden zu betrinken, 13 Prozent bei Festen und 10 Prozent mit Freunden zu Hause.

Für die Mehrheit gehört Alkohol beim Feiern einfach dazu

Für 64 Prozent gehört Alkohol bei Festen einfach dazu, bei den Alkoholkonsumenten steigt dieser Anteil auf 78 Prozent. Etwas häufiger wird diese Sichtweise bei Jüngeren (inklusive Schülern und Studenten), bei Personen mit höherem Bildungsabschluss und bei Bewohnern ländlicher Gemeinden (und somit bei den deutschsprachigen Südtirolern) vertreten. Im Vergleich zu Daten für 2006 und 2009 ist ein leichter Rückgang der „alkoholischen Festkultur“ zu verzeichnen.

Andererseits ist der Prozentsatz derjenigen, die einen gelegentlichen Alkoholrausch für vertretbar halten, gestiegen (42 %). Junge Menschen, Alkoholkonsumenten und Männer zeigen sich „nachsichtiger“.

Im Vergleich zu 2006 ist der Prozentsatz derjenigen, die es für angemessen halten, beim Mittagessen mit den Arbeitskollegen Alkohol zu trinken, gesunken (von 53 % auf 35 %). Hingegen ist der Prozentsatz derjenigen, die es für akzeptabel halten, sich beim Ausgehen mit Freunden zu betrinken, gestiegen (von 7 % auf 15 %).

Jugendliche haben zu einfachen Zugang zu Alkohol

84 Prozent sind besorgt, dass Jugendliche unter 18 Jahren leicht alkoholische Getränke erhalten können. Infolgedessen befürworten viele (83 %) strenge Kontrollen von Bars, Restaurants und Geschäften durch die Ordnungskräfte in Bezug auf Ausschank und Verkauf von alkoholischen Getränken an Minderjährige.

83 Prozent der Südtiroler Bevölkerung der Meinung, dass Kinder im Alter von 11 bis 18 Jahren den korrekten Umgang mit Alkohol in ihren Familien erlernen sollten. Nur 5 Prozent, das ist weniger als im Jahr 2006, sind der Ansicht, dass Kinder unter 11 Jahren alkoholische Getränke kosten dürfen, wenn sie danach fragen.

Bei den Männern scheint sich das Alter, in dem erstmals Alkohol getrunken wird, stabilisiert zu haben: Tatsächlich gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen den 16- bis 24-Jährigen und den 25- bis 44-
Jährigen. In beiden Fällen haben etwa 7 von 10 Personen im Alter von 16 Jahren bereits ihr erstes Glas Alkohol getrunken. Unter den 45- bis 64-Jährigen sind es etwa 5 von 10 und unter den 65- bis 85-Jährigen 4 von 10.

Erster Kontakt zu Alkohol bei Frauen immer früher

Die Daten zum weiblichen Geschlecht lassen hingegen darauf schließen, dass die frühere Übernahme des Erwachsenenverhaltens durch junge Frauen noch im Gange ist. 8 von 10 Mädchen im Alter von 16 bis 24 Jahren haben ihr erstes Glas Alkohol im Alter von 16 Jahren oder jünger getrunken. Unter den 25- bis 44-Jährigen sind es etwa 6 von 10, unter
den 45- bis 64-Jährigen 4 von 10 und unter den 65- bis 85-Jährigen 2 von 10.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Alkohol als Droge ein. Aber nur 3 Viertel der Südtiroler Bevölkerung (77 %), weniger als in den Jahren 2006 und 2009, stimmen dieser Klassifizierung zu.

„Kontrollierter Alkoholkonsum als Mainstream“

Peter Koler vom Forum Prävention kommentiert die Studie als großteils erfreulich: „Aus den vorliegenden Daten kann man schließen, dass der verantwortungsvolle, kontrollierte und gemäßigte Alkoholkonsum zum gesellschaftlichen Mainstream geworden ist. In diese Richtung weisen auch die Ergebnisse zur eigenen Einschätzung, bei der sich
9 von 10 zufrieden mit ihrem Alkoholkonsum zeigen und keinen Veränderungswunsch haben.“

ds

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