Donnerstag, 01. April 2021

Vater des Inzests mit Minderjähriger angeklagt

Unfassbar, was ein 51-Jähriger seiner Tochter laut Anklage angetan haben soll: Er wird verdächtigt, die Minderjährige über einen Zeitraum von knapp 2 Jahren sexuell missbraucht zu haben – bis sie schwanger wurde.

Der Vater muss sich vor dem Bozner Gericht verantworten.
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Der Vater muss sich vor dem Bozner Gericht verantworten. - Foto: © Erika Gamper
Geht es nach der Bozner Staatsanwaltschaft, soll sich auch die Mutter vor Gericht verantworten.

Deren Antrag auf ein erweitertes verkürztes Verfahren, bei dem 2 Zeugen – ein Psychiater und eine Verwandte der Frau – angehört werden sollen, hat Richterin Carla Scheidle gestern im Rahmen der Vorverhandlung stattgegeben. Zu den Fallakten kam auch ein psychiatrisches Gutachten, in dem das Verhältnis der Beschuldigten zu ihrem Ehemann beleuchtet wird. Es wird sich weisen, ob aus der Expertise hervorgeht, weshalb die Frau – wie ihr zur Last gelegt wird – über die Vorfälle unter ihrem Dach Bescheid gewusst und sie nicht verhindert haben soll.

In dem Verfahren stehen die Vorwürfe der sexuellen Gewalt (Art. 609bis StGB) unter erschwerenden Umständen (Art. 609ter StGB) und des Inzests (Art. 564 StGB) im Raum. Dem 51-Jährigen wird vorgehalten, er habe seine Tochter mehrfach gezwungen, sexuelle Handlungen über sich ergehen zu lassen, begonnen habe das alles, als das Mädchen 14 Jahre alt gewesen sei.

Der Mutter wird zur Last gelegt, sie sei insofern an der strafbaren Handlung des Ehemanns beteiligt gewesen, als sie dazu beigetragen habe, seine kriminelle Absicht gegenüber der Tochter zu verstärken. Laut Anklage sei die Frau etliche Monate lang über die sexuellen Handlungen ihres Mannes mit dem Mädchen im Bilde gewesen. In diesem Zusammenhang klingt umso schrecklicher, wessen sie verdächtigt wird: Sie habe den Willen ihres Mannes, das Ehebett mit der Tochter zu teilen, erlaubt und sogar unterstützt.

Martyrium kam bei Schwangerschaft ans Licht

Das Martyrium der Tochter kam schließlich ans Licht, als sie von ihrem Vater schwanger wurde. Wenige Wochen später erfolgte die Abtreibung des durch den Missbrauch entstandenen Ungeborenen. Inzwischen war auch das Jugendgericht eingeschaltet worden, das dafür sorgte, dass das Mädchen an einen sicheren Ort kam.

Der 51-Jährige wurde festgenommen und kam in vorbeugende Verwahrungshaft im Bozner Gefängnis. In der Folge wurde die Sicherheitsverwahrung gelockert, der U-Richter belegte den Mann mit einem Annäherungs- und Kontaktverbot. Im Spätherbst des vorigen Jahres wurde die Vorbeugemaßnahme aber wieder in Form von U-Haft verschärft. Der Amtssachverständige Josef Schwitzer hatte den 51-Jährigen durchaus für einsichts- und willensfähig befunden, der Gutachter der Staatsanwaltschaft, Michele Piccolin, schloss sich dieser Ansicht an.

Am 13. April wird die Richterin die beiden von der Mutter benannten Zeugen anhören. Der Vater hat vorerst noch kein verkürztes Verfahren beantragt, hat dazu aber am selben Tag noch die Möglichkeit. Im verkürzten Verfahren wird über den jeweiligen Fall rein anhand der vorliegenden Aktenlage geurteilt. Im Fall eines Schuldspruchs kann der Angeklagte mit einer automatischen Reduzierung des Strafmaßes um ein Drittel rechnen.

rc

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