Donnerstag, 19. November 2020

Viele Tests: Normalität in Aussicht

Der Massentest am Freitag, Samstag und Sonntag ist die große Chance der Südtiroler, in realistischer Zeit ein relativ normales Leben zu führen. Beteiligen sich 50 Prozent, so kann die wichtige Zahl von 50 Infektionen je 100.000 Einwohner pro Woche erst am 11. Jänner erreicht werden. Sind es aber 70 Prozent, so gelingt dies schon am 7. Dezember. Vorausgesetzt, negativ Getestete werden nicht leichtsinnig.

Biostatistiker Markus Falk ist zuversichtlich, dass die Tests dabei helfen könnten, bald zur Normalität zurückzukehren.
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Biostatistiker Markus Falk ist zuversichtlich, dass die Tests dabei helfen könnten, bald zur Normalität zurückzukehren. - Foto: © shutterstock
Diese Simulationen hat Markus Falk, Biostatistiker an der Eurac, erarbeitet. Dass die Testreihe eine gute Sache ist, steht für ihn außer Frage. „Mit dem Massentest macht man vieles richtig. Egal, ob ein positives oder negatives Ergebnis herauskommt: Lasst euch testen“, appelliert Falk.

Denn: „Wenn wir nichts täten und mit dem Teil-Lockdown weitermachen, würde es ein langes Leiden“, so Falk. Aktuellen Berechnungen anhand des realen Infektionsgeschehens zufolge, würde es bis Ende Februar/Anfang März dauern, bis die Infektionszahlen unter den vom Robert-Koch-Institut als kritischen Schwellenwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in 7 Tagen sinken.

Dies schließt vorherige Lockerungen nicht aus, die gestern von der Landespolitik auch in Aussicht gestellt wurden. Allemal hängen die Möglichkeiten, diese zu beschließen, eng mit der Beteiligung der Bevölkerung am Screening, das am Freitag, Samstag und Sonntag landesweit kostenlos angeboten wird, zusammen. Auch Apotheken und viele Hausärzte nehmen Tests vor.

Auch bei negativem Ergebnis: Weiter an Schutzmaßnahmen halten

Biostatiker Falk hat errechnet, wie sich die Teilnahme der Bürger auf das weitere Infektionsgeschehen ausnimmt. Aufgerufen zum Screening sind 350.000 Menschen. Nimmt nur die Hälfte davon (175.000) teil, so dauert es laut Falk bis Mitte Jänner, „bis wir wieder mit halbwegs normalen Verhältnissen rechnen können“. Konkret würde der RKI-Schwellenwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner pro Woche am 11. Jänner erreicht. Schulen, Kindergärten und Kleinkindbetreuung gehen schon nächste Woche auf. Aber: Um die Wintersaison wäre es schlecht gestellt. Ein sorgloses Weihnachten mit geringen Einschränkungen sieht anders aus.



Beteiligen sich indes 70 Prozent der Bürger (245.000) am Test, wird der RKI-Schwellenwert laut Falk bereits am 7. Dezember erreicht.



„Dies gilt jedoch nur, wenn sich die Leute nicht nur am Test beteiligen, sondern auch wirklich mitmachen“, so Falk. In 99 Prozent der Fälle stimmt das Ergebnis des Antigen-Tests. „Bei einigen aber leider nicht“, so Falk. Antigen-Tests erkennen Infektiöse nach 4 bis 5 Tagen. Wer sich erst angesteckt hat, könnte negativ getestet werden, obwohl er infiziert ist. Bei einer Beteiligung von 70 Prozent am Test könnten es 2000 Leute sein.

„Man muss deshalb nicht nachtesten, aber es ist enorm wichtig, sich nächste Woche noch strikt an Schutzmaßnahmen wie Maske und Hygiene zu halten und mit einem negativen Test in der Hand nicht leichtsinnig zu werden“, betont Falk.

Die Eurac stellt die Simulationen am Donnerstag in einer Pressekonferenz vorgestellt. Es sind jene, die Landesrat Thomas Widmann seit 2 Tagen in die Kameras hält. Beim Verband für Kaufleute und Dienstleister zirkulierten sie schon gestern. „Diese Simulationen sagen mehr als 1000 Worte. Wenn sich viele Südtiroler testen lassen, haben wir eine realistische Chance, Anfang Dezember wieder arbeiten zu können“, ruft Präsident Philipp Moser zur Beteilung auf.

bv