Montag, 26. April 2021

Vom Regen in die Traufe: Analyse sieht Enel-Areal als beste neue Heimat für Ötzi

Eine vom Land in Auftrag gegebene Standortanalyse krönt das Enel-Areal neben dem Bozner Gefängnis nahe der Drususbrücke zum besten Standort für das Archäologiemuseum. Die Entscheidung liegt nun bei der Landesregierung.

Das Enel-Gebäude nahe dem Bozner Gefängnis ist laut einer Studie der beste Standort für das neue Ötzimuseum.
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Das Enel-Gebäude nahe dem Bozner Gefängnis ist laut einer Studie der beste Standort für das neue Ötzimuseum. - Foto: © LPA
1998 wurde das Südtiroler Archäologiemuseum in der Bozner Museumstraße eröffnet, seither zählte die Heimat von Ötzi, dem Mann aus dem Eis, jährlich 300.000 Besuchende aus aller Welt. Allerdings machten die begrenzten Räumlichkeiten ein Wachstum schwierig, schon die Dauerausstellung der Südtiroler Geschichte von der Alt- und Mittelsteinzeit bis zur Karolingerzeit findet keinen Platz mehr.

Zudem lässt es der Altbaubestand kaum zu, die technische Ausstattung auf internationale Standards zu heben. Aus diesem Grund hat das Land Südtirol eine Suche nach dem bestmöglichen Museumsstandort eingeleitet und das Unternehmen Sinloc gemeinsam mit dem Architekturbüro „Weber + Winterle“ beauftragt, eine Analyse durchzuführen.

Die Ergebnisse dieser beratenden Studie wurden am heutigen Montag in Bozen Landeshauptmann Arno Kompatscher, Bürgermeister Renzo Caramaschi und Vize-Bürgermeister Luis Walcher vorgestellt.


5 mögliche Standorte wurden analysiert

Unter die Lupe genommen wurden 10 Standorte, für einen Teil davon lagen auch Projektvorschläge oder Projektideen vor. 5 davon wurden als mögliche Standorte eingestuft, nämlich der ehemalige Enel-Sitz in der Dantestraße nahe der Drususbrücke, das Gefängnisareal in der Dantestraße, das ehemalige Ina-Gebäude an der Ecke Museum- und Rosministraße, der Virgl und der Sparkassen-Hauptsitz.

Die Standortanalyse reiht das ehemalige Enel-Gelände zwischen Dante- und Marconistraße mit 83,3 von 100 möglichen Punkten als ersten.



Sichtbarkeit, Erreichbarkeit, Lage und Entwicklungsmöglichkeiten seien die wichtigsten Faktoren, die diesen Standort auszeichnen, der auch wegen seiner Nähe zu anderen Museen, dem Auditorium, dem Theater und dem Sitz der Eurac punktet. Als wichtigen Pluspunkt werten die Standortprüfer die große Fläche des Grundstücks, die gestalterischen Freiraum biete.

Auf Platz 2 fiel das Gefängnisareal (77,7 Punkte), gegen das laut Studie der unsichere Zeitplan sprach, der vom Bau des neuen Gefängnisses abhängt.

Der Standort „Ex-Ina“ (69,7 Punkte) wurde als dritter gelistet, der Museumsstandort am Bozner Hausberg Virgl (68,6) fiel auf Platz 4, der Standort „Sparkasse“ (53,5) auf Platz 5.

Die Landesregierung entscheidet

Landeshauptmann und Museumslandesrat Arno Kompatscher wird die nun fertiggestellte Standortanalyse der Landesregierung vorlegen. Diese werde sich voraussichtlich schon Anfang Mai mit dem Thema befassen und nach nochmaliger Beratung mit den Vertretern der Gemeinde über die weiteren Verfahrensschritte befinden.

5 Hauptkriterien für die Bewertung

Für die Analyse wurden 5 Hauptkriterien festgelegt: Erreichbarkeit und Zugänglichkeit, städtebaulicher Mehrwert, Größe und Entwicklungsmöglichkeit des Standorts sowie die zeitliche Umsetzung.

Bei der Bewertung der Lage spielte die Nähe zur Altstadt und zu anderen Bildungs- und Kultureinrichtungen ebenso eine Rolle wie die stärkere Vernetzung von Stadtteilen. Was die Erreichbarkeit und Zugänglichkeit angeht, so wurden die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Nähe zum Bahnhof, zum Radwegenetz und zu Parkplätzen bewertet, die keine zusätzlichen Kosten mit sich bringen.

Kaufleute Bozen: Altstadt wird entwertet

Der durch die Analyse gewählte Standort überzeugt jedoch nicht alle. So gibt es im nahen Umkreis des Enel-Areals kaum unentgeltliche Parkplätze, die Parkhäuser sind einen Fußmarsch entfernt und führen durch die aus handelstechnischer Sicht wenig erschlossene Marconistraße.

Die Kaufleute Bozen sehen das Ergebnis kritisch: Durch die Aussiedelung des Archäologiemuseums und seines berühmten Bewohners aus der Altstadt ziehe man das Publikum weg vom Stadtkern in eine Zone, die derzeit noch nicht viel bietet. Dies könnte negative Folgen für die Bozner Lauben und auch für die Lauben in der Freiheitsstraße haben.

lpa/stol