Von Anfang Juni bis zum vergangenen Dienstag kletterte die Zahl der Fälle von 94 auf 144, teilte das Oberste Gesundheitsinstitut (ISS) gestern mit. In der vergangenen Woche sind 4 Menschen an der Infektion gestorben, womit sich die Gesamtzahl der Todesfälle heuer auf 11 erhöht hat. Alle wurden in Norditalien gemeldet: 6 Todesfälle gab es in Venetien, 2 im Piemont, 2 in der Lombardei und einen in der Emilia-Romagna. <BR /><BR />Der letzte Todesfall wurde gestern in Brescia bekanntgegeben. Das Opfer ist eine von 4 Personen, die zuletzt wegen des West-Nil-Virus im Krankenhaus der lombardischen Stadt lagen. <BR /><BR />Vor allem durch steigende Durchschnittstemperaturen ist das West-Nil-Virus in etwa seit der Jahrtausendwende auch in Europa angekommen. Übertragen wird es von Stechmücken – etwa der Asiatischen Buschmücke oder der Asiatischen Tigermücke; als Zwischenwirte wurden Wildvögel identifiziert. Vor allem in Südeuropa gibt es seit einigen Jahren Erkrankungen und auch Todesfälle durch das West-Nil-Virus. Einen Impfstoff für Menschen gibt es bisher nicht. <BR /><BR />Häufig verläuft eine Infektion ohne Symptome. Schwerwiegende Komplikationen gibt es bei einem Prozent der Fälle. Wenn Erkrankungen auftreten, sind diese oft mit grippeähnlichen Erscheinungen wie Kopfschmerzen, Schüttelfrost oder Erbrechen verbunden. „Wir müssen natürlich ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Überwachung aufrechterhalten, aber gleichzeitig muss auch gesagt werden, dass die Infektion mit dem West-Nil-Virus eine Krankheit ist, die in den allermeisten Fällen keine schweren Formen aufweist“, betonte Roberto Cauda, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten an der Unipoliklinik „Agostino Gemelli“ in Rom. Die Zahl der Fälle in Italien habe sich zuletzt fast verdoppelt. „Es muss jedoch klargestellt werden, dass es sich nicht um eine schwere Krankheit wie Covid-19 handelt. In diesem Fall besteht die erste Vorsichtsmaßnahme darin, sich vor Stechmücken zu schützen, die das West-Nil-Virus übertragen. Bei der Ausbreitung dieser und anderer 'exotischer' Krankheiten spielen zweifellos klimatische Schwankungen eine zentrale Rolle, durch die Viren und Krankheiten, die für andere Kontinente typisch sind, in den Westen gelangt sind“, berichtete der Experte. <BR /><BR />Die Virus-Erkrankung verläuft dem Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg zufolge beim Menschen in circa 80 Prozent der Fälle ohne Symptome. Bei knapp 20 Prozent sei der Verlauf mild. Schwerere und tödliche Verläufe seien sehr selten und träfen in der Regel ältere Menschen mit Vorerkrankungen, hieß es vom Robert-Koch-Institut.<BR />