Freitag, 31. Juli 2020

Wölfe bedrohen Almwirtschaft und seltene Schafrasse

Welches Tier muss hier geschützt werden? In Europa gibt es rund 17.000 Wölfe – aber nur 100 Zuchttiere der Rasse Schwarzes Villnösser Brillenschaf.

In Europa gibt es nur 100 Zuchttiere der Rasse Schwarzes Villnösser Brillenschaf.
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In Europa gibt es nur 100 Zuchttiere der Rasse Schwarzes Villnösser Brillenschaf.
Trotz Herdenschutzzaun reißen Wölfe die seltenen Nutztiere. Engagierte Villnösser Bauern stehen vor dem Ende ihres Aufzuchtprojekts. Auch im benachbarten Belluno wüten die Raubtiere – schockierende Bilder zeigen, wie ein Esel zerfleischt wird.

Die Bestürzung bei den Villnösser Bauern ist groß. Erst kürzlich hat ein Wolf auf der Kofelalm in Villnöß 12 Brillenschafe gerissen.

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Am Freitag entscheiden die Züchter der Interessentschaft Schafweide Ochsengarten, ob sie die Tiere von der Kofelalm nehmen.

„Leider hat der Herdenschutzzaun in dem Gelände mit Gräben und Tälern nichts gebracht“, ist Günther Pernthaler enttäuscht. Die Züchter hatten zur Wiederbewirtschaftung der Kofel-Wiesen in den vergangenen 2 Jahren unter großem Aufwand mit Hilfe von Hubschraubern einen 7 Kilometer langen und 1,2 Meter hohen Herdenschutzzaun mit 5 Stromdrähten gebaut. Da der Wolf dennoch Schafe riss, entscheiden die Züchter heute gemeinsam, ob sie das Projekt aufgeben, die 1972 aufgegebene Kofelalm wieder mit Schafen zu beweiden.

Aussprache bei Landesrat


Vertreter der Züchter hatten diese Woche auch bei Landesrat Arnold Schuler und Luigi Spagnoli, Amtsdirektor für Jagd und Fischerei, um Hilfe gegen die Raubtiere vorgesprochen. „Es wurde uns zwar Hilfe bei der Bewirtschaftung angeboten, doch wir brauchen mehr. Allein heuer hatten wir im Villnößtal 51 Risse. Die vermissten Tiere zählen wir gar nicht dazu. Der Wolf ist seit Februar in Kasseril“, sagte Pernthaler.

Eine Lösung von Seiten der Politik gegen die Raubtiere fordert auch Bürgermeister Peter Pernthaler. „Auch der Goldschakal kommt inzwischen bis an den Dorfrand und hat bereits eine Person bedroht“, berichtet er. Einheimische und Touristen fühlen sich verunsichert. „Wie weit wollen wir es kommen lassen?“, fragt Pernthaler. Er verstehe, dass der Wolf vom Aussterben bedroht sei, das Villnösser Brillenschaf sei es aber auch (siehe eigenen Bericht).

Stark bedroht von den Raubtieren sieht Wirt und Züchter Oskar Messner auch das Projekt Furchetta. Seit 13 Jahren versucht er mit Villnösser Bauern, traditionelle Bewirtschaftung nachhaltig zu betreiben – auch die Zucht des Villnösser Brillenschafs lebt seitdem auf. Den Villnössern war es zwar zur Nazizeit gelungen, trotz Verbots die Tiere zu züchten. Danach hatte die Zahl der Tiere jedoch abgenommen. „Als wir vor 13 Jahren mit dem Projekt begannen, gab es 250 Muttertiere in Villnöß, heute sind es 700“, berichtet Messner.

Für Robert Messner, Altbürgermeister und Präsident des Führungsausschusses des Naturparks Puez Geisler, bedrohen die Raubtiere die Philosophie des gesamten Tales, das mit Projekten wie „Presidio Slow Food“ auf Nachhaltigkeit und Qualität setzt. Zudem könne es nicht sein, dass die Almen nicht mehr beweidet werden. „Im Naturschutzgebiet gibt es nicht nur Natur-, sondern auch Kulturland, das seit Jahrhunderten bewirtschaftet wird. Was passiert mit den Almen, wenn sie nicht mehr bearbeitet werden und die Raubtiere überhandnehmen?“, fragt sich Messner.

d

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