Dienstag, 14. April 2020

Filmpionier Mario Deghenghi ist tot

Er lebte sein Leben für den Film: Am Ostersonntag ist Filmpionier Mario Deghenghi im Alter von 96 Jahren an Herzschwäche gestorben.

Der Filmemacher wurde 96 Jahre alt.
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Der Filmemacher wurde 96 Jahre alt. - Foto: © privat
In Südtirol hat er Filmgeschichte geschrieben. Seine Leidenschaft war der Spielfilm, sein Herz schlug „für das Kino und nicht für das Fernsehen“, wie er selbst einmal präzisierte.

Begonnen hat er seine Karriere als Assistent bei der „Wien Film“ und bei Regisseur Georg Wilhelm Pabst. Sein erster eigenständiger Film zusammen mit dem Wiener Otto Pammer war eine Dokumentation über die zerbombte Stadt Wien. Als Spiel- und Dokumentarfilm- Kameramann arbeitete Deghenghi auch mit Stars wie James Mason, Sophia Loren, Johannes Heesters oder Hans Moser.

Nach Südtirol hat es ihn im Jahre 1944 verschlagen, nachdem das Haus der Familie im 6. Wiener Bezirk zerbombt worden war. Mit dem Kauf des Hotels „Schloss Hotel Astoria“ in Meran wollte der Vater dem filmbegeisterten Sohn Mario ein geregeltes Einkommen sichern.

Doch es kam anders, und es begann die große Zeit des Kulturfilms im Kino: Venedig, Ischia und schließlich auch ein Werk über die „moderne Türkei“ im ersten deutschen Cinemascope-Format, waren die ersten Arbeiten des Filmschaffenden. Im Auftrag der türkischen Regierung gelangen Mario Deghenghi zusammen mit dem Meraner Regisseur Karl Schedereit abenteuerliche Filmproduktionen. Ein weiterer Weggefährte und dritter in dieser Meraner Runde war Bruno Jori, der Ideen zu Spielfilmen und Dokumentarfilmen lieferte und auch Regie führte.
Fernsehen

Schließlich kam die Zeit des Fernsehens, und Deghenghi begann seine Arbeit im Bereich Dokumentarfilm für das Öffentlich-Rechtliche: Für den ORF hat er in Italien mit Redakteuren wie Klaus Gatterer, Hans Benedict (damals Nahostkorrespondent beim ORF) sowie in Deutschland für das deutsche Fernsehen mit Harry Valérien unzählige Filmprojekte realisiert.

Auch gab es eine intensive und längere Zusammenarbeit mit Regisseur Luis Trenker. Mit am Aufbau beteiligt war Mario Deghenghi auch an dem damals in Südtirol neu eingerichteten ORF-Studio Bozen und dem „Südtirol aktuell“-Fernsehmagazin sowie an der Entstehung des RAI Sender Bozen – und damit begann seine „lokale“ Pionierzeit. Für seine filmtechnischen wie auch künstlerisch profunden Kenntnisse bei der Herstellung eines Films oder einer TV-Sendung diente er nachkommenden Generationen als Vorbild und erntete große Anerkennung.

Doch seine ganze Leidenschaft galt dem Spielfilm. Große und aufwendige Produktionen in den 1960er Jahren wie etwa der Spielfilm „Die gläsernen Berge“ – im mythologischen Pantheon der Dolomiten angesiedelt – wurden sowohl in italienischer als auch in deutscher Sprache und erstmals ins Farbe herausgegeben. So blieb das Kino immer Schwerpunkt seiner beruflichen Tätigkeit: „Ein Fernsehbild ist im Gegensatz gefühllos und unpersönlich“, sagte Deghenghi einst.

Mario Deghenghi hat die Entwicklung des Filmschaffens in unserer Region maßgeblich geprägt. Er hinterlässt seine Frau und seinen Sohn Gottfried, der genauso begeistert vom Medium Film, in die Fußstapfen des Vaters getreten ist.






eva