Samstag, 9. April 2022

Erster Martin-Rainer-Preis geht an Michael Fliri

Für das Jahr 2022 wurde erstmals von der Familie Rainer in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Künstlerbund der Martin-Rainer-Preis „Kunst und Raum“ ausgelobt – ein Preis, der sich als Zeichen der Anerkennung an Kunstschaffende richtet, in deren Arbeit sich Berührungspunkte und Übereinstimmungen zur Gestaltungsauffassung Martin Rainers finden.

v.l.: Monika Leitner, Alexander Zoeggeler, Paulus Rainer, Michael Fliri, Josef Rainer, Luigi Fassi, Lisa Trockner, Martin Kargruber, Lois Anvidalfarei bei der Preisverleihung. - Foto: © Leonhard Angerer

Unter den zahlreichen Einreichungen ging Michael Fliri als erster Preisträger hervor. Fliri wurde 1978 in Schlanders geboren, nach Stationen in Bergen, München, Bologna, New York und Paris lebt und arbeitet er wieder in Taufers i.M., der Schweiz und Österreich. Seine Arbeit bewegt sich an der Schwelle zwischen Performance, Bildhauerei, Fotografie und Video.

Dabei scheint das Antistatische, das Veränderbare und das sich Verändernde im Zentrum seines künstlerischen Interesses zu stehen. Seine Werke sind prozesshaft, die bildhaften Ergebnisse gleichsam „Reliquien“, die etwas zeitlich oder physisch Entferntes ausschnitthaft berühren und auf Kommendes oder Gewesenes verweisen. Fliris Kunst spielt mit Verschleierung und Offenlegung, behandelt die großen Themen und bleibt dabei immer leise, zart und tiefgründig.

In diesen Qualitäten findet sich eine starke Verwandtschaft zum Werk Martin Rainers, wie die Jury meint. In ihrer Begründung heißt es: Die Zwischentöne, die Martin Rainer – vor allem in seinen späten und freien Arbeiten – zum Hauptthema erhebt, thematisiert Fliri auf seine Weise.

Die Gegenüberstellung der Werke des Preisträgers Michael Fliri und Martin Rainer . - Foto: © Fotostudio Jürgen Eheim


Bei ihm durchdringen sich Innen- und Außenraum in unentwegter Wechselwirkung. Der Körper, die Landschaft, die Materie und das Leben selbst sind in seiner Kunst veränderliche Elemente, die dem Übergang und dem Wandel unterliegen. Es ist genau dieser Zustand der Vergänglichkeit, der in seinen Werken neue Einsichten schafft und ein Bild der menschlichen Identität als eine Form in ständiger Entwicklung ohne starre und geschlossene Grenzen vermittelt. In seiner Fähigkeit die Einzigartigkeit und Unersetzlichkeit des Daseins zu begreifen, findet sich eine erstaunliche Nähe zur Kunstauffassung Martin Rainers.

Ausstellung bis 23. April besuchbar


Die Jury beschloss außerdem, 2 lobende Erwähnungen auszusprechen. Die erste geht an Lois Anvidalfarei, dessen Werk von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Menschlichen bestimmt ist. Diese bringt es dem Spannungsverhältnis zwischen Diesseitigem und Jenseitigen in Martin Rainers Schaffen näher.

Die 2. lobende Erwähnung wurde an Martin Kargruber ausgesprochen. Seine Skulpturen lassen sich in ihrer Akzentuierung der Mensch-Umwelt-Beziehung und der Spannung zwischen Einsamkeit und Gemeinsamkeit mit der poetischen Kraft der Werke von Martin Rainer vergleichen.

Im Anschluss an die Preisverleihung wurde im Freskensaal der Stadtbibliothek Brixen, also unmittelbar gegenüber der ehemaligen Wohn- und Arbeitsstätte Martin Rainers, die Werkpräsentation „Dazwischen“ eröffnet. Dabei stehen sich je ein Werk Rainers und Fliris gegenüber, treten miteinander in Dialog und sollen beispielhaft die Analogien im Werk beider Künstler beleuchten. Die Gegenüberstellung wird bis 23. April zu sehen sein.

stol

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