Montag, 18. Mai 2020

Staunen an der Medienfassade des Museion

Schnelle Bewegungen zwischen einem einzelnen Punkt und einer Masse aus bunten Linien illuminieren die Medienfassade des Museion.

Die Medienfassade des Museion leuchtet wieder.
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Die Medienfassade des Museion leuchtet wieder. - Foto: © LUCA GUADAGNINI / LINEEMATICHE
Das Museum in Bozen zeigt erneut den 1960 von Cioni Carpi (Mailand 1923 – 2011) realisierten Film „Point and Counterpoint“ (Punkt und Kontrapunkt) – dieses Mal als Projektion auf seiner Medienfassade im Rahmenprogramm der Ausstellung „Intermedia. Archivio di Nuova Scrittura“. Das Haus setzt damit ein erstes Zeichen für seine physische Präsenz im urbanen Raum. In diesem Sinn wird die transparente Oberfläche des Museion zu einer suggestiven Schnittstelle zwischen der Stadt und dem Museum, das damit, durch das Licht, ein starkes und nicht greifbares Signal aussendet.
Der Künstler

„Point and Counterpoint“ ist der erste 16-mm-Film, in dem der Künstler Cioni Carpi direkt auf Zelluloid interveniert. Der abstrakte Film zeigt mit großer Geschwindigkeit die Bewegung eines Einzelnen (ein Punkt) und einer Masse aus Linien, was man auch als Beziehung zwischen einem Individuum und einer Gemeinschaft oder Gesellschaft interpretieren könnte. Cioni Carpi – der Sohn des Mailänder Malers Aldo Carpi und der Bruder des Musikers und Schriftstellers Fiorenzo Carpi – arbeitet für das französische Fernsehen und beginnt sich in Kanada für das Kino zu interessieren. Die Animation, mit der sich bis Mitte der 1960er Jahre beschäftigt, ist der natürlichste Weg von der Malerei, die ihm vom Vater vermittelt wird, zum Kino. Diese Periode und der Aufenthalt in Kanada werden vom Einfluss des schottischen Regisseurs Norman McLaren geprägt, der die kanadische Staatsangehörigkeit angenommen hatte. McLaren war ein wichtiger Vertreter des Animationsfilms.
Das Museion verfügt – im Archivio di Nuova Scrittura – über mehrere Arbeiten von Cioni Carpi aus der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Es handelt sich dabei um Gemälde und grafische Werke, in denen der Künstler Texte, die häufig aus der Literatur stammen, sowie Fotografien von Landschaften, die er besucht hat, einsetzt. Indem er über den Raum der Leinwand oder des Papiers hinaus zu gehen scheint, stellt er eine neue Verbindung zwischen Individuum und Landschaft her.
Gespräche über den Film

Die Cineteca in Mailand hat Carpis Filme aufwändig restauriert und ist für deren Verleih zuständig. Über Carpis Arbeitsweise, seine Produktionen und seine Verbindung zum Kino spricht der Direktor der Cineteca, Matteo Pavesi am kommenden Mittwoch (20/05) um 18 Uhr im Dialog mit Frida Carazzato. Das Gespräch wird über die Plattform Zoom im Internet übertragen. Die Cineteca präsentiert auch einen kurzen Zusammenschnitt von mehreren Filmen von Cioni Carpi, um die Vielseitigkeit von dessen Arbeiten zu dokumentieren.
Wir danken der Fondazione Cineteca di Milano

Projektionen:
Montag, 18. Mai, 20.30-21 Uhr
Dienstag, 19. Mai, 20.30-21 Uhr
Mittwoch, 20. Mai, 20.30-21 Uhr
Donnerstag, 21. Mai, 22-23 Uhr





eva