„Diese Reitdisziplin aus Spanien ist geprägt von Lebendigkeit, Präzision und einer untrennbaren Einheit zwischen Reiter und Pferd“, erklärt die 24-jährige Sozialbetreuerin.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><b>Frau Gasser, was kann man sich als Laie unter der Reitdisziplin Doma Vaquera vorstellen?</b><BR />Michaela Gasser: Doma Vaquera ist eine Arbeitsreitweise von Rinderhirten, die vor vielen Jahren in Andalusien in Spanien entstanden ist, um mit den Stieren auf den Weiden zu arbeiten bzw. um sie zu hüten. Im Laufe der Zeit hat sich diese Reitweise dann zu einem eleganten Tanz mit dem Pferd entwickelt. Bei dieser Reittechnik muss das Pferd dem Reiter zu 100 Prozent gehorchen, denn hier geht es vielfach um Millimeterarbeit. Wenn ich beispielsweise mit meinem linken Fuß den Bauch meines Pferdes berühre, dann weiß es, dass es nun mit dem linken hinteren Fuß nach vorne und nach hinten gehen muss. Dank der Ausbildung, die mein Hispanoaraber Ojeda genossen hat, weiß er genau, was zu tun ist, wenn ich mit meinem Körper bestimmte Bewegungen mache: Er hebt dann zum Beispiel seinen Rücken an oder dreht seinen Hals nach links oder rechts.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="707990_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie sind Sie auf diese Reitweise gekommen?</b><BR /> Gasser: Mein Vater hatte früher Pferde, und deshalb bin ich überhaupt zum Reiten gekommen. Nachdem er sie verkauft hat, bin ich meinem Hobby in verschiedenen Reitställen nachgegangen. Dort habe ich Reitstunden genommen. Vor mittlerweile 5 Jahren hielt mein jetziger Reitlehrer Giulio Piombo auf dem Ritten einen Reitkurs ab. In dieser Zeit half ich dort Bekannten, Pferde auszubilden. Piombo hat uns dann von seinen Pferden erzählt sowie Videos und Fotos gezeigt. Ich beschloss dann, zu ihm nach Viterbo bei Rom zu fahren, um mir das Ganze anzuschauen. Piombo ließ mich dort seine Pferde reiten, und die Disziplin Doma Vaquera hat mir sofort zugesagt. Giulio Piombos super ausgebildete Pferde zu reiten, war eine große Herausforderung: Man ist der Meinung, dass man recht gut reitet, aber mit solchen Spitzenpferden kommt man nicht einmal geradeaus. Damals habe ich dann gesehen, dass ich noch viel lernen kann und muss. Ja, und seitdem fahre ich eigentlich immer, wenn ich Urlaub habe, nach Viterbo.<BR /><BR /><b>Ihr Wallach Ojeda befindet sich in Viterbo, nicht im Tisner Ortsteil Naraun...</b><BR />Gasser: Ja, richtig. Er ist dort untergestellt und wird dort gut versorgt. Mein Hispanoaraber ist mit einer Grundausbildung aus Spanien nach Italien gebracht worden. Eine Ärztin hatte ihn für ihre Freizeit gekauft. Mein Lehrer hat das Pferd dann öfters geritten und Ojedas Fähigkeiten verfeinert. Und es hat sich herausgestellt, dass mein Pferd in der Disziplin Doma Vaquera richtig gut ist und einen super Charakter hat, was für diese Reittechnik auch notwendig ist. Giulio Piombo hat mit Ojeda dann eine Italienmeisterschaft gewonnen und sich einmal Platz 2 geholt. Dann kam das Angebot, dass ich das Pferd kaufen kann, was ich heuer getan habe. Es gab mehrere Interessenten, Giulio Piombo überließ den Wallach aber mir, weil es ihm wichtig war, dass er weiß, wohin Ojeda kommt.<BR /><BR /><b>Zu welcher Musik tanzen Sie mir Ihrem Hispanoaraber?</b><BR />Gasser: Meistens wird eine Flamenco-Musik gespielt, weil es bei Doma Vaquera ja bekanntlich um die Kultur Spaniens geht. Logisch gibt es auch moderne Lieder, die sich eignen: Sie müssen aber immer in die spanische Richtung gehen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="707993_image" /></div> <BR /><BR /><b>Ihr Pferd ist in Viterbo und Sie sehen es nur in Ihrem Urlaub. Es war sicherlich deshalb nicht ganz einfach, den Italienmeistertitel zu holen?</b><BR />Gasser: Ja, es war eine Herausforderung, aber Ojeda ist fertig ausgebildet. Mein Pferd hat auf einer Wiese 24 Stunden Auslauf und wird ab und zu von meinem Lehrer geritten. Aber wenn ein Pferd ein solches Ausbildungsniveau erreicht hat wie Ojeda, muss man ihm nichts mehr beibringen, sondern nur mehr seine Muskeln trainieren. Deshalb ist auch ein ständiger Auslauf wichtig, den Ojeda rund um die Uhr hat. Natürlich steht meinem Wallach auf der Wiese auch eine kleine Hütte zur Verfügung.<BR /><BR /><b>Wie lange hat es gedauert, bis Sie und Ojeda ein Herz und eine Seele waren, so wie es für Doma Vaquera eben nötig ist?</b><BR />Gasser: Ich habe ihn erst heuer im Jänner gekauft. Vorher habe ich ihn nur 2-mal kurz geritten. Ojeda ist ein ganz besonderes Tier, wir haben uns auf Anhieb verstanden.<BR /><BR /><b>In Südtirol sind Sie die einzige Reiterin, welche die Disziplin Doma Vaquera beherrscht. Wie schaut es im restlichen Staatsgebiet aus?</b><BR />Michaela Gasser: Im restlichen Staatsgebiet ist diese Disziplin mehr verbreitet, besonders im Norden, in Bergamo und auch in Brescia. Zudem ist diese Reitweise in Mittelitalien beliebt. Im Süden und auf den Inseln ist das Interesse hingegen nicht so groß. Und in Spanien gibt es fast nur diese Reittechnik.<BR /><BR /><b>Ohne die richtige Bekleidung kein Doma Vaquera...</b><BR />Gasser: Ja, richtig, man nennt sie Traje. Diese Bekleidung besteht aus einem Sombrero bzw. einem Hut, einer weißen Bluse, einer Weste, einem Blazer, Hosenträgern, Hosen, die bis unterhalb der Knie reichen, einer speziellen Schleife, Gamaschen, weißen Socken und Stiefeletten. Aus einer seitlichen Tasche des Blazers muss zudem ein weißes Taschentuch herausschauen, und in der Brusttasche der Weste muss eine Uhr sein. Bei der Präsentationsrunde vor dem Wettbewerb wird die korrekte Bekleidung bewertet. Auch das Aussehen des Pferdes wird von Fachleuten begutachtet: Das Pferd muss entweder eine eingeflochtene Mähne haben, oder sie muss auf einer Länge von 3 Fingern abgeschnitten sein. Zudem muss der Schopf am Kopf wegrasiert sein. Und der Pferdeschweif muss entweder bei der Schwanzwurzel abgeschnitten oder hinaufgebunden werden. Zudem braucht es einen speziellen Vaquera-Sattel.<BR /><BR /><b>Welches große Ziel verfolgen Sie bzw. auf welches arbeiten Sie derzeit hin? Oder soll es bei diesem einen Italienmeistertitel bleiben?</b><BR />Gasser: Für mich war die Italienmeisterschaft der erste Wettbewerb in der Reitdisziplin Doma Vaquera. Es gibt die Kategorie Giovanissimi für die jungen Reiter und Iniziati für jene Reiter, die erst angefangen haben, oder deren Pferd unter 6 Jahre alt ist. In der Kategorie Intermedia konnte ich mir den Sieg holen. Und die Kategorie Domati ist die höchste. In dieser Kategorie will ich natürlich baldmöglichst an den Start gehen, wenn ich möchte, schon im nächsten Jahr. Und wer bei den Domati gewinnt, ist wirklich spitzenmäßig unterwegs.<BR /><BR /><BR />