Wie kam es dazu, dass Gallego, der Sohn einer Bauernfamilie, vor 60 Jahren beschloss, sein Leben dem Bau eines Gotteshauses zu widmen?<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="711980_image" /></div> <BR /><BR />Bis zum letzten Atemzug schuftete der einsame Kathedralenbauer an seinem Wunderwerk. Seit 1961, als er auf einem vom Vater geerbten Olivenhain den Grundstein für sein Monument des Glaubens legte. Von morgens bis abends. 6 Tage die Woche. Nur sonntags gönnte er sich eine Pause. Getreu dem Bibelwort: „Sechs Tage sollst du arbeiten, am siebten Tag sollst du ruhen.“ Vor Kurzem, in der letzten Novemberwoche, starb der rastlose Gottesmann mit 97 Jahren. <BR /><BR /><BR />Kurz vor seinem Tod vermachte Gallego sein Bauwerk, das in dem Madrider Vorort Mejorada del Campo in den Himmel wuchs, der katholischen Hilfsorganisation „Mensajeros de la Paz“ (Botschafter des Friedens). Dieser Verein verpflichtete sich, den Kirchentraum Gallegos zu vollenden. Allerdings mit Hilfe von Architekten und einer regulären Baufirma. Das mit insgesamt 12 Türmen geschmückte Gewölbe soll einmal als überkonfessionelles Begegnungszentrum dienen. <BR /><BR /><b>Retter eines bizarren Baus</b><BR /><BR /><BR />„Die Kathedrale ist ein wahres Wunder“, sagt Ángel García, Chef und Gründer des Vereins „Mensajeros“. Der Geistliche, der in Spanien „Pater Ángel“ genannt wird, erwarb mit seinem Hilfswerk für Arme und Obdachlose nationalen Ruhm. Nun wird er mit seinem Plan, das unkonventionelle Kirchenschiff fertigzustellen, zum Retter des bizarren Baus, der mangels städtischer Baugenehmigung und Finanzierung immer wieder vom Abrissbagger bedroht war.<BR /><BR /><BR />„Kaum jemand glaubte an diesen Mann, der darauf beharrte, mit seinen eigenen Händen diesen Tempel zu errichten“, sagt Pater Ángel. Als Gallego am 12. Oktober 1961, dem Tag der spanischen Schutzheiligen Pilar, mit seinem Kirchenbau begann, hielten ihn viele Menschen in seinem Heimatort Mejorada del Campo für einen Spinner. „Die Leute dachten, ich bin verrückt“, erinnerte sich Gallego in einem Interview mit dieser Zeitung. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="711983_image" /></div> <BR /><BR />Heute sind die 24.000 Einwohner von Mejorada del Campo stolz auf ihren eigenwilligen Bauherrn. Kurz vor seinem Tod wurde er sogar vom Rathaus zum Ehrenbürger ernannt. Schließlich verdankt die eher ländliche Kleinstadt ihrem unbeirrbaren Konstrukteur ein Bauwerk, das über die Landesgrenzen hinaus berühmt wurde. Busse mit Touristen und Pilgern kommen. Und das New Yorker Museum of Modern Art widmete diesem kreativen Kirchenbau eine Fotoausstellung.<BR /><BR />Wie kam es dazu, dass Gallego, der Sohn einer Bauernfamilie, vor 60 Jahren beschloss, sein Leben dem Bau eines Gotteshauses zu widmen? Dies hatte vor allem mit einer einschneidenden Erfahrung zu tun: Als junger Mann war er ins Kloster eingetreten, wo er nach einigen Jahren an Tuberkulose erkrankte. Deswegen musste er wegen der Ansteckungsgefahr die Ordensgemeinschaft wieder verlassen. Ihm wurden damals wenig Überlebenschancen eingeräumt. Aber wider Erwarten erholte er sich von der lebensbedrohenden Lungenkrankheit. <BR /><BR /><b>Monument der Beharrlichkeit</b><BR /><BR />„Aus Dank für die Genesung beschloss ich, dem Herrn einen Tempel zu bauen“, berichtete Gallego. 60 Jahre nach Baubeginn ist die Kirche ziemlich fortgeschritten: Gut 50 Meter lang und 20 Meter breit erhebt sich das Kirchenschiff über den Dächern von Mejorada del Campo. Über allem thront in 36 Meter Höhe eine 22 Meter messende blaue Kuppel. Links und rechts des Portals ragen zwei nahezu 60 Meter hohe Türme auf, die noch nicht vollendet sind, aber dieses Monument der Beharrlichkeit weithin sichtbar machen. <BR /><BR />Im Inneren kann man bewundern, wie Gallego mit einfachsten Mitteln an seinem Traum arbeitete: Für Säulen und Stützpfeiler nutzte er alte Benzinfässer und Dosen, die er mit Zement füllte. Die Fensterbögen fabrizierte er mit ausgedienten Sprungfedern, die er mit Mörtel ausgoss. Die Wände zog er mit Steinresten von Ziegeleien hoch, die ihm Ausschussware und Bauabfall überließen. Aus einem alten Fahrrad konstruierte er einen Flaschenzug, um Steine und Zementeimer nach oben zu hieven. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="711986_image" /></div> <BR /><BR />„Ich bin weder Maurer noch Architekt“, bekannte Gallego im Gespräch mit dieser Zeitung, die den sonderbaren Kirchenbauer regelmäßig besucht hatte. „Aber ich habe viele Bücher über Burgen und Kathedralen gelesen.“ Und wenn er einmal nicht weiter wusste, dann habe er Gott um Rat gefragt. <BR /><BR />Übrigens: Eine Gruppe von Architekten und Statikern bescheinigte inzwischen, dass Gallegos „Kathedrale des Mülls“ entgegen mancher Befürchtung erstaunlich solide gebaut ist und keinerlei Einsturzgefahr besteht. Es scheint also ganz so, als ob dem Wunderbau die himmlische Hilfe gut bekommen ist. <BR /><embed id="dtext86-51839836_gallery" /><BR /><BR /><BR />