Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen, bei denen eingebrochen wurde, haben danach länger andauernde Beschwerden, sagt der Brixner Primar. Dazu gehören verstärkte Ängste, aber auch Schlafstörungen und zum Beispiel Kopfschmerzen. Wie können sie diesem belastenden Kreislauf entkommen?<BR /><BR /><b>Wie beschreiben Sie den seelischen Schaden eines Einbruchs?</b><BR />Roger Pycha: Ein Einbruch ist ein Eingriff in die Intimsphäre und wird psychologisch sehr schwer gewertet. Es ist wie ein Kindheitserlebnis: Kinder haben im Alter von 2 bis 3 Jahren Angst vor dem Dunklen, im Alter von 5 bis 6 Jahren Angst vor fremden Menschen. Nach einem Einbruch fallen wir zurück in dieses Alter und somit in das Denken „Fremde Menschen tun mir Schlechtes an.“<BR /><BR /><b>Was sind Folgen davon?</b><BR />Pycha: Etwa 15 bis 20 Prozent aller Menschen, die Einbrüche erlebt haben, leiden unter längerfristigen Beschwerden. Dazu gehören vermehrte Ängste mit Kontrollbedürfnissen, Schlafstörungen, innere Unruhe und Nervosität. Manchmal treten auch psychosomatische Symptome auf, wie Kopf- und Herzschmerzen oder Schweißausbrüche. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="986311_image" /></div> <BR /><BR /><b>Die Angst, dass sich ein solcher Vorfall wiederholt, ist groß?</b><BR />Pycha: Ja. Viele Betroffene wollen den Ort wechseln, 10 Prozent ziehen tatsächlich um. Die Leute fühlen sich daheim nicht mehr sicher. Aber ein neuer Wohnort ist nicht sicherer, sondern nur fremder. Die Angst steigert sich.<BR /><BR /><b>Wann sollte man professionelle Hilfe aufsuchen?</b><BR />Pycha: Sind die Beschwerden nach einem Monat noch da, handelt es sich um eine posttraumatische Belastungsstörung. Dann sollte man Expertenhilfe in Anspruch nehmen.<BR /><BR /><b>Wie kann man die Angst nach einem Einbruch überwinden?</b><BR />Pycha: Durch soziale Kontakte und Vernetzung: Man erzählt Freunden, was passiert ist. Man ruft sie an, wenn man allein daheim ist. Man igelt sich nicht ein, sondern geht raus, hält sich an vielen verschiedenen Orten auf. Geht ins Café, nimmt an Veranstaltungen teil. Dadurch verlieren die eigenen 4 Wände an Bedeutung. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="986314_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><b>Hilft es auch, die Wohnung zur Festung zu machen?</b><BR />Pycha: Alarmanlagen, Kameras usw. tragen dazu bei, die Angst zu bekämpfen. Auch Haustiere verschaffen Sicherheit. Aber man sollte die Festung häufig verlassen, sonst macht es keinen Sinn, sie zu sichern. Die Gefahr droht, in eine depressive Rückzugssituation zu geraten. <BR /><BR /><b>Welche Tipps können Sie noch geben?</b><BR />Pycha: Sich ablenken, z. B. mit Sport. Nach einem Einbruch gibt es auch die Angst vor einer persönlichen Begegnung. Um das zu bewältigen, kann man sich Verteidigungswaffen zurechtlegen oder sich in einen Selbstverteidigungskurs einschreiben.<BR /><BR /><b>Wie kann man als Angehöriger oder Freund reagieren?</b><BR />Pycha: Anrufen oder für Besuche in der Wohnung vorbeikommen. Der Tatort verliert dadurch an Schrecken.