Wir sprachen mit ihm über die Herausforderungen in der Coronazeit, seinen Lieblings-Cocktail, seinen Titel als Gastgeber des Jahres von Falstaff und die gut vernetzten Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). <BR /><BR /><BR />Für den vom Sarntal in die Schweiz ausgewanderten Barchef Christian Heiss ist das gekonnte Mischen von Spirituosen mit originellen Namen zum Lebensinhalt geworden. Er bezeichnet die Bar in der luxuriösen Kronenhalle in Zürich als sein kreatives Zuhause. <BR /><BR /><b>Sie sind Chef de Bar in einem der legendärsten Lokale Europas – der Kronenhalle in Zürich. Wie haben Sie es als Sarner Barkeeper in das bekannte Lokal geschafft?</b><BR /> Christian Heiss: Ich habe mich 2003 in der Kronenhalle als Barkeeper beworben. Mit viel Geduld und Courage konnte ich am 1. Dezember 2004 in der Kronenhalle-Bar in Zürich beginnen. Über 10 Jahre war ich die rechte Hand von der Barlegende Peter Roth, den ich 2017 ablösen durfte. Geschichtlich gesehen bin ich der dritte Chef de Bar in der Kronenhalle Bar, die 1965 die Tür eröffnete. Der Weg nach Zürich war einfacher, als Gastgeber des Jahres von Mixology und Falstaff zu werden. Zu dem noch als erster Sarner, zum zweiten als erster Südtiroler und zum dritten die Auszeichnungen das erste mal in die Schweiz zu bringen. <BR /><BR /><b>Wie wirkt sich die Coronazeit auf das Bargeschäft aus, müssen die Tagesgäste und Nachtschwärmer einen grünen Pass haben, wenn Sie einen Cocktail von Ihnen genießen möchten?</b><BR /> Heiss: Seit dem 13. September, bis zum 24. Januar 2022 ist in der Gastronomie ein Zertifikat mit Ausweisdokument Voraussetzung für die Bewirtung. Um ein Covid-Zertifikat zu bekommen braucht es einen negativen Antigen-Schnelltest, einen PCR-Test oder von Corona genesen oder geimpft zu sein. Am 1. Juni haben wir die Türen der Kronenhalle wieder aufgesperrt, erst war der Betrieb etwas verhalten. Nach einigen Wochen waren wir wieder voll dabei. Wir verfügen über keine Terrasse und sind sehr wetterbedingt. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir je einen Juli oder August hatten, wo so viel zu tun war. <BR /><b><BR />Sie sind bekannt dafür, dass Ihre Cocktails exotische Namen wie Dürrenmatt tragen und auch deshalb so beliebt sind. Beschreiben Sie bitte kurz, wie ihr persönlicher Lieblingscocktail heißt und wie er gemixt wird, sofern es kein Berufsgeheimnis ist.</b><BR /> Heiss: Ich kreierte diesen Cocktail Dürrenmatt als Hommage an den Schweizer Dramatiker und Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, der ein Stammgast in unserem Hause war. Den Auftrag habe ich vom Diogenes-Verlag bekommen, zur Jubiläumsfeier von Dürrenmatt am 5. Januar 2021 wäre Friedrich Dürrenmatt 100 Jahre alt geworden. <BR />Einen weiteren Cocktail kreierte ich für Martin Suter, einen der erfolgreichste Schweizer Schriftsteller. Für Herr Suter durfte ich den „Allmen“-Cocktail kreieren zum gleichnamigen Bestseller. <BR />Bestimmte Kreationen wie „Dürrenmatt“ oder „Aurora“ sind wegen ihres Bekanntheitsgrades bereits fix und fertig in Flaschen zu erwerben. Was unter anderem ein weiteres Projekt von mir sein wird, sind personalisierte Drinks in Form von Flaschenabfüllungen zu Kreieren, maßgeschneidert auf den Kunden. <BR /><BR />Mein Lieblingscocktail ändert sich von Stunde zu Stunde von Tag zu Tag. Meine Lieblingscocktails sind sehr stimmungs- und zeitabhängig. Wichtig ist aber der Ort und die Bar wo ich mich befinde und noch Wichtiger ist die Person hinter der Bar. <BR /><BR />Ich bin nicht anspruchsvoll, aber wenn ich Cocktails trinke, dann müssen Sie auf dem Punkt sein. Um ein paar Cocktails zu benennen die Ich zur Zeit bei meinen Kollegen gerne trinke sind. Mai Tai in der Bar 63, Paper Plane von meinem Arbeitskollegen David Marxer nach der Arbeit und der French 75 in der Old Crow Bar.<BR /><BR /><b>Wodurch unterscheidet sich die Schweiz am meisten von Südtirol? Warum ist die Schweiz anders als Österreich und Deutschland vielen Südtirolern so fremd?</b><BR />Heiss: Ich finde, Südtirol unterscheidet sich von der Schweiz in weniger, aber sehr essentiellen Punkten. Die Schweiz hat traumhafte Seen, 48 Viertausender-Berge und die Natur ist unbefleckt. Außerdem liebe ich die Schweizer Bundesbahn, die pünktlich und super vernetzt ist, die Lebensqualität in Zürich ist sehr groß, was natürlich seinen Preis mit sich bringt. Wo die Südtiroler sicherlich am meisten punkten und sich unterscheiden, ist die Gastfreundschaft, Offenheit und der kulinarische Bereich. Ansonsten sehe ich keine wesentlichen Unterschiede. <BR /><BR />Die Schweizer schätzen die Südtiroler und umgekehrt sehr. <BR />Ich beobachte, dass immer mehr Landsleute in die Schweiz ziehen, sei es in die Gastrobranche oder im Gesundheitswesen. Es scheint, dass immer mehr Südtiroler die Schweiz für sich entdecken. <BR /><BR /><b>Die Schweiz ist wunderschön, blitzsauber, hat liberale, sympathische Menschen, wunderschöne Sehenswürdigkeiten, aber ist leider so teuer. Was raten Sie uns für einen erschwinglichen Schweiz-Urlaub?</b><BR />Heiss: Leider habe ich auf diese Frage keine allgemeine Antwort. <BR />Was ich bei den Asiaten oft beobachte. Sie kommen einmal im Leben in die Schweiz, aber dann richtig. Von den besten Fünf- Sterne-Hotels bis zu den schönsten Plätzen und Sehenswürdigkeiten in der Schweiz. Wo sich die Preise stark verändern können, ist, wenn man nicht direkt in den Metropolen oder Städten schläft. Kaum ist man außerhalb von Zürich, Luzern oder Genf, gehen die Preise rapide nach unten. <BR /><BR />Dank der SBB sind die Verbindungen zwischen Dörfern und Städten sehr gut gewährleistet. Mit dem ½-Abo bei der SBB oder speziellen Tageskarten kann man mit wenig Geld mit dem Zug, Schiff oder Bus sehr viel Reisen und Sehenswürdigkeiten anschauen. Wenn ich die Schweiz mit etwas verbinden dann ist es Schokolade, Matterhorn und teuer. Ja, es ist teuer und das letztere schafft eine bestimmte Spaltung. <BR />