Sie ist keine Frau der vielen Worte, dafür sprechen ihre Gesichtszüge Bände. Hildas breites Grinsen verrät, wie wohl sie sich in der Rikscha des Senioren-E-Bikes fühlt. <BR /><BR /><BR />Auf der Terrasse des Jesuheims in Girlan weht ein leichter Morgenwind, nach einer gewittrigen Nacht hat es etwas abgekühlt. Deshalb trägt Hilda auch ein langes T-Shirt mit Kragen, ideal für eine E-Bike-Tour heute. Vor dem Start fixiert Marcela Corcodel noch die Sicherheitsgurte an den Schultern der 71-Jährigen. „Schließlich soll sich Hilda nicht nur wohl, sondern auch sicher fühlen“, meint die Altenbetreuerin, während sie sich auf den Fahrersitz des E-Bikes schwingt. Gleich wird Hilda den Wind auf ihrer Haut spüren.<h3> „Senioren-E-Bike ermöglicht aktive Teilnahme am Leben“</h3>Vor einem Jahr brachte die Stiftung St. Elisabeth die Senioren-E-Bikes nach Südtirol. „Für unsere drei Altenheime in Meran, Bozen und Girlan haben wir jeweils ein Senioren-E-Bike angekauft – mit Unterstützung vom Land und von Sponsoren, die unsere Seniorenwohnheime seit Jahren begleiten“, berichtet Christian Januth, Verwaltungsleiter des Jesuheims. <BR />Er weiß um die Bedeutsamkeit solcher Initiativen: „Es werden Berührungspunkte geschaffen, ganz besonders zwischen den Senioren, den Fahrern und dem gesellschaftlichen Leben außerhalb des Jesuheims. Wir sind bemüht darin, unseren Bewohnern ein würdevolles und aktives Leben zu ermöglichen und sie ins Dorfleben zu integrieren.“ <BR /><BR />Gelenkt werden die Senioren-Bikes von Mitarbeitern und Freiwilligen Helfern, die vorab allerdings eine kurze Bike-Einschulung durchlaufen müssen, denn „ein klein wenig Übung braucht es schon“, lacht Januth, der sich immer wieder erfreut zeigt, wenn sich neue, freiwillige „Seniorentaxifahrer“ melden. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="786860_image" /></div> <h3> Wenn während der Fahrt Erinnerungen wach werden</h3>Marcela Corcodel hält die Lenkstange der Rikscha fest in ihren Händen. Heute dreht sie mit ihrer Passagierin nur eine kleine Runde im Hauspark des Jesuheims. Hilda blickt nach vorne, dorthin, wo sich Girlans Weinberge über den hügeligen Überetscher Landschaftskern erstrecken. <BR />Ab und an klatscht die 71-Jährige in die Hände, besonders dann, wenn Marcela Corcodel etwas fester in die Pedale tritt. Ansonsten scheint Hilda still in ihrer eigenen Welt zurückgezogen, Natur und Land beobachtend. Seit ihrem 20. Lebensjahr lebt sie nun schon im Jesuheim. Mittlerweile ist es zu ihrem Zuhause geworden. Ein Zuhause, das ihr das Recht auf Momente der Freiheit nicht nehmen will. <BR /><BR />Auch Signor Graziano, so wird der 89-jährige Bozner hier im Jesuheim von allen genannt, weiß um den Zauber des Senioren-E-Bikes. Er selbst ist seit einiger Zeit auf einen Rollstuhl angewiesen, eine Spritztour mit dem Bike-Gefährt lässt er sich allerdings nicht entgehen. Die bewegliche Fußrampe ermöglicht dem Rentner und seinen Betreuern einen leichten Wechsel vom Rollstuhl auf die Rikscha und sorgt für einen angenehmen Sitzkomfort. Heute steht seine erste kleine Fahrradtour an, hin zu einem Ort, den er noch von früher kennt.<h3> Raus aus dem Rollstuhl – rein in die Rikscha!</h3>„Früher“, beginnt der Bozner kurz nach dem Start zu erzählen, „bin ich mit dem Fahrrad tagtäglich von meiner Wohnung in Bozen aus zur Industriezone geradelt. Dort habe ich im Stahlwerk gearbeitet. Nach der Arbeit ging es dann mit Freunden zum Montiggler See.“ <BR /><BR />Signor Graziano schwelgt in alten Erinnerungen. Bike-Lenker Georg hört ihm gespannt zu. Die beiden radeln heute vom Jesuheim bis zum Montiggler See und wieder zurück. Eine Route, die viel Zeit für gute Gespräche verspricht. „Eigentlich ist Signor Graziano ein zurückhaltender Mann. Aber gerade lächelt er mit unserem Freiwilligen Helfer und Fahrer Georg um die Wette“, beobachtet Benedikta Fischnaller, die Koordinatorin der Alltagsgestaltung. <BR /><BR />Wegen der besonderen Bauart der Rikschas (Fahrgäste vorne, Fahrer hinten) sei eine Kommunikation während der Fahrt jederzeit problemlos möglich. „Dadurch verlieren auch die Fahrer Berührungsängste mit der Generation der älteren Menschen und den Menschen mit Beeinträchtigung und lernen einen ungezwungenen und entspannten Umgang mit ihnen“, erklärt sie. Dies wirke sich wiederum positiv auf die Senioren aus.<BR /><BR />Hilda und Signor Graziano jedenfalls zehren noch Stunden nach dieser besonderen Tour von dem Gefühl, ein kleines Stück Freiheit zurückgewonnen zu haben – mit Wind in den Haaren und Erinnerungen, die bleiben werden. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />