Donnerstag, 5. Mai 2022

So leben, lieben, heiraten und sterben die Südtiroler

Wer bleibt bei den Kindern? Wie stehen die Südtiroler zur Ehe? Wie hoch ist die Scheidungsrate, wie die Geburtenrate? Das Landesstatistikinstitut Astat hat eine umfangreiche Studie über die wichtigsten Bevölkerungsindikatoren in den vergangenen 30 Jahren erstellt. Die Ergebnisse im Überblick.

Das Familienmodell in Südtirol hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark verändert. - Foto: © Shutterstock

Einwohnerzahl und Durchschnittsalter

Die Südtiroler Bevölkerungszahl stieg im Zeitraum 1991 bis 2020 um 94.000 Personen bzw. um 21 Prozent auf 535.000 Einwohner. Im selben Zeitraum ist das Durchschnittsalter der Bevölkerung um 6 Jahre gestiegen: 1991 betrug es in Südtirol 37,2 Jahre, 2020 hingegen schon 43,2 Jahre.

Die Geburtenrate und die durchschnittliche Kinderzahl

Die Geburtenrate in Südtirol ist von 12 Kindern je 1000 Einwohner in den 1990er-Jahren auf 9,7 im Jahr 2020 gesunken.

Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau im gebärfähigen Alter (15-49 Jahre) unterschritt in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre den Wert, der für den Erhalt der Bevölkerung erforderlich ist (2,1 Kinder pro Frau), erreichte dann Mitte der 1990er-Jahre den geringsten Wert von 1,4 und pendelte sich schließlich in den vergangenen Jahren auf 1,7 ein.

Eheschließungen und Scheidungen

Die Eheschließungsrate (Verhältnis zwischen der im
Jahr geschlossenen Ehen und der durchschnittlichen
Bevölkerung multipliziert mit 1000) betrug zu Beginn der 1990er-Jahre 6 Ehen je 1000 Einwohner, belief sich dann ab 2000 auf etwa 4 Ehen und sank schließlich 2020 – dem Jahr, in dem die Corona-Pandemie ausbrach – auf den geringsten Wert von 3,2.

Die Scheidungsrate (Verhältnis zwischen der Anzahl
der Scheidungen in einem Jahr und der durchschnittlichen Bevölkerung multipliziert mit 1000) verzeichnet hingegen einen steigenden Verlauf.

Wurden in den 1990er-Jahren noch 0,6 Ehen je 1000 Einwohner geschieden, so wurden in den vergangenen Jahren im Schnitt doppelt so viele Scheidungen (1,3) verzeichnet.

Traditionelle Ehen, gleichgeschlechtliche Ehen

Im Vergleich zu 2016 steigt der prozentuelle Anteil der Personen, die nicht nur Familien im klassischen Sinn (Ehepaar mit Kindern), sondern auch andere Formen des Zusammenlebens als Familien ansehen.

Die stärkere Anerkennung nicht-traditioneller Formen des Zusammenlebens entspricht aber nicht einer geringeren Zustimmung zur Ehe: 64 Prozent der 18-64-jährigen Südtiroler sind der Auffassung, dass die Ehe als Form des Zusammenlebens nicht überholt ist (2016 waren es 59 Prozent), und 73 Prozent befürworten auch Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Personen.

Was für eine gute Partnerschaft wichtig ist

Wie 2016 stehen in der Rangliste der Aspekte, die für eine gute Partnerschaft als besonders wichtig eingestuft werden, gegenseitiger Respekt und Anerkennung an erster Stelle.

Das Schlusslicht bilden gemeinsame religiöse Überzeugungen, die gleiche soziale Herkunft und dieselben politischen Einstellungen. Die Rangordnung bleibt somit beinahe unverändert. Es gewinnt nur die gegenseitige Gewährung von Freiräumen an Bedeutung, während im Verhältnis weniger Personen behaupten, dass es für Paare sehr wichtig ist, Kinder zu haben.

Frauen an den Herd, Männer zur Arbeit?

Immer weniger Personen halten die traditionelle Rollenverteilung (der Mann erhält die Familie und die Frau kümmert sich um die Kinder und den Haushalt) für das richtige Lebensmodell. Fast alle stimmen der Aussage zu, dass sich beide Eltern um die Kinder und den Haushalt kümmern und zum Lebensunterhalt der Familie beitragen sollten.

Es steigt zudem der Prozentsatz der Personen, laut denen die Väter vermehrt die Vaterschaftszeit in Anspruch nehmen sollten (83 Prozent) und die Berufstätigkeit der Mütter nicht die Zuneigung zu den Kindern beeinträchtigt (80 Prozent).

Die Gleichstellung der Geschlechter wird vor allem von den Frauen, den jüngeren Menschen, von Personen, die zumindest ein Reifediplom haben, von italienischsprachigen Einwohnern und von Südtirolerinnen und Südtirolern mit italienischer Staatsbürgerschaft befürwortet.


stol

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