<b>Jetzt hat sich die Band Frei.Wild, 4 Musiker aus der Provinz, mit weiteren Unterstützern aus der deutschen Musikszene, in die Antisemitismus- Debatte gestürzt. War das notwendig?</b><BR />Philipp Burger: Absolut, wir sehen offen ausgetragen Judenhass auf deutschen Straßen, wissen um beschmierte jüdische Einrichtungen, hören von Lehrern und Schülern, die Angst haben in die Schulen zu gehen. Wir kennen Menschen, die sich ihres Glaubens wegen sogar auf ihrer Arbeit unsicher fühlen. Und wir merken zweifelsohne eine neue und nie dagewesene Israelfeindlichkeit, die noch vor Jahren undenkbar schien. Jetzt und heute, letzten Endes auch durch hunderttausendfachen importierten Anti-Israel-Spirit, war es Zeit für diesen Song. Und: Für diese Botschaft nutzen wir gerne unsere Reichweite.<BR /><BR /><BR /><b>Im Lied geht es um die jüdischen Kinder Mathilda und Yossi, die „Fackeln, Hass und Wut“ erleben und sehen, wie „der blaue Stern brennt und am Boden liegt“. Darf oder soll ein Deutschrocker derart klar Position beziehen?</b><BR />Burger: Naja, „darf oder soll“ sind für viele Themen zu schwache Worte. Wenn man sich wie wir als Band sieht, die dafür steht, auch dann den Mund aufzumachen, wenn es Gegenwind zu erwarten gibt, sollte das „muss“ gelten. Lustigerweise habe ich das Gefühl, mittlerweile zu den Allerwenigsten zu gehören, in ihren Liedern heikle Themen anzugehen. Kein Sch..., ich glaube wirklich, dass sich heute die allergrößten Teile der Kunstschaffenden, zumindest in der Musik, zwar als „Maulaufmacher“ verkaufen, am Ende aber doch lieber auf sicheren, vom Großteil der Medien garantiert beklatschten sicheren Straßen reisen. Das finde ich schade. <BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/nie-wieder-freiwild-singt-gegen-judenhass" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier geht's zum Musikvideo zu „Nie wieder“ von Frei.Wild.</a><BR /><BR /><BR /><b>Die „Bild“ hat „Nie wieder“ als „Wichtigsten Song des Jahres“ bezeichnet. Sehen das die Frei.Wild-Fans auch so?</b><BR />Burger: Es gibt nicht <i>die</i> Frei.Wild-Fans. Bei Hunderttausenden Anhängern gibt es, wie immer in der Gesellschaft, viele, viele Meinungen. Das betrifft nicht nur die Songs und Videos, sondern auch die Inhalte, die Grafiken, die Meinungen, naja alles eben. Im Falle von „Nie wieder“ war die Unterstützung der Fans aber von überwältigender Mehrheit für den Song. Lustigerweise bekamen wir auch unzählige positive Zuschriften von Bands, Bookern und Medienleuten, lustigerweise uns bisher persönlich unbekannten Personen.<BR /><BR /><b>Wäre Philipp Burger als Teenie nur Pfadfinder statt Skinhead (nachzulesen in der Biografie „Freiheit mit Narben“) gewesen, würde man ihm trotzdem zuhören?</b><BR />Burger: Ich denke, unser Manager <b>Stefan Harder</b> bringt es in der aktuellen Rai-Doku gut auf den Punkt: Auf lange Strecke lebt kein erfolgreicher Künstler, keine erfolgreiche Band nur von Skandalen. Sie können kurzfristig Reichweite bringen. Am Ende sind aber allein die Lieder, die die Herzen erobern und Fans zu Fans machen. <BR /><BR /><b>Hat sich seit der Veröffentlichung von „Freiheit mit Narben“ der Wind gegenüber Philipp Burger gedreht? Sind die Kritiker milder geworden oder gar verstummt?</b><BR />Burger: Sagen wir es so: Es wurden mir in puncto Medien sicher Türen geöffnet, die ich bis zur Buch-Veröffentlichung für immer verschlossen sah. Und ich bekam durchaus auch Kooperations- und Gesprächsangebote, die ohne das Buch nicht möglich gewesen wären. Aber hey, dafür schrieb ich das Buch nicht, ich wollte all die in der Luft schwebenden Fragen und Behauptungen aus der Welt haben, indem ich die Hosen runter ließ und mein Leben wahrheitsgemäß wiedergab. Und genau das wird honoriert.<h3> „Grenzland“-Tour endet in Brixen</h3><b>Themenwechsel. Warum schaffte es Ihr Solo-Album „Grenzland“ nur auf Platz 3 der Deutschen Album-Charts? Normalerweise wird alles zu Gold, was Philipp Burger anfasst.</b><BR />Burger: Naja, Gold würde ich nicht sagen, dafür sind die Tonträgerverkäufe über den ganzen Erdball verteilt, einfach ein zu sterbendes Auslaufprodukt, bei allen Künstlern. Heute in einem Land einen Album-Gold-Award zu bekommen, ist daher schier unmöglich geworden, auch weil die zu erreichenden Einheitsgrenze von 100.000 Alben allein in Deutschland, auch für Weltstars Raritätsstatus hat. Für Platz 1 hat es diesmal nicht gereicht, aber Westernhagen und die Ärzte zu schlagen, war auch nicht schlecht, wobei ich es wirklich allen von Herzen gönne. <BR /><BR /><b>Wann sind die Songs aus „Grenzland“ in Südtirol zu hören?</b><BR />Burger: Am 17. Februar findet in Brixen der Grenzland-Tourabschluss statt, einige Restkarten gibt es noch im „Rookies and Kings“-Store. Und ja, ich freue mich sehr, auch viele Südtiroler begrüßen zu dürfen, denn daheim ist eben daheim. <BR /><BR />