Den 30. Jahrestag der Ermordung der beiden weltweit bekannt gewordenen Mafiajäger aus Palermo will die Stiftung Falcone auf besondere Weise begehen – mit maßgeblicher Grödner Beteiligung.<BR /><BR /><BR />Es gebe ein Sprichwort in Sizilien, schreibt der Kurator des Erinnerungsprojektes, Alessandro De Lisi, in einer Beschreibung seines Konzepts „Spazi Capaci - Comunità Capaci“: „Stell Dich den Dingen nicht entgegen, es geht alles vorbei“. Es brauche aber anderes, fordert De Lisi: Man müsse sich aktiv gegen die Zustände auflehnen, und das unmittelbar und nicht nur gegen physische Gewalt: „Anmaßung und Versprechungen sind gleichermaßen schädlich wie Erpressung, Drohung oder Beschneidung der individuellen oder kollektiven Freiheit“, meint De Lisi.<h3> Weg von der gewohnten Gedenkveranstaltung</h3>Er hat letztes Jahr ein Kunstprojekt auf den Weg gebracht, an dem 4 Künstler beteiligt waren, mit Peter Demetz auch ein Grödner Bildhauer. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53010080_quote" /><BR /><BR /><BR />„Letztes Jahr waren die üblichen Aktivitäten der Falcone-Stiftung wegen der Pandemie nicht möglich“, schildert Peter Demetz. Daher habe De Lisi ein neues Konzept entwickelt, mit dem er die Erinnerung an Falcone und Borsellino im öffentlichen Raum neu auflegen wollte, „und zwar weg von dem üblichen Niederlegen eines Blumenkranzes, um danach zur Tagesordnung überzugehen, sondern für eine beständigere, zukunftsgerichtete Erinnerung“, erläutert Demetz. <BR />Dieses Projekt wurde auch nicht an den Orten der Attentate durchgeführt, sondern an jenen, wo die ermordeten Mafiajäger Erfolge gefeiert hatten, die bestehen bleiben: Am Gericht, in der Quästur etc. <h3> Niemand vergriff sich an der fragilen Skulptur</h3>„De Lisi hat mich eingeladen, und ich habe gleich ja gesagt: Die Sache ist zu wichtig“, schildert Peter Demetz. Er hatte nur 3 Monate Zeit für sein Kunstwerk, und den Ort, an dem seine Skulptur aufgestellt wurde, suchte der Kurator aus: Es war der Eingangsbereich vor Falcones einstiger Wohnung. Dort stand Demetz' Skulptur „L’ attesa“ 5 Monate lang, und obwohl der Künstler sein Werk als fragil beschreibt, blieb es unversehrt.<BR /> „Auf Wunsch und in Absprache mit dem Präsidenten des Gerichtes, Prof. Antonio Balsamo, wird die Skulptur in Kürze im Eingangsbereich des Gerichtsgebäudes in Palermo aufgestellt“, erläutert Demetz. Dies unterstreiche den Willen der Justiz und der Polizeikräfte, auf andersartige Weise an die Attentate zu erinnern und daran, dass der Kampf gegen die Mafia weitergeführt werden müsse. <BR />Peter Demetz wird auch bei der heurigen Auflage wieder dabei sein (die bis Ende 2023 andauern wird), dazu aber auch die Künstler Gerald Moroder, Gregor Prugger, Fabrizio „Biz“ Senoner, Willy und Christian Verginer (alle aus Gröden) sowie Gustav Willeit aus dem Gadertal, Hannes Egger aus Lana und weitere aus Italien wie Andrea Buglisi und Arcangelo Sassolino; andere sollen noch dazukommen.<h3> Gemeinde St. Ulrich ist Partnerin des Projekts</h3>Partner des Projekts ist auch die Gemeinde St. Ulrich; sie wird auch einen Beitrag geben und Kontakte knüpfen zu privaten Sponsoren und Partnern. Bürgermeister Tobia Moroder war vor einigen Tagen zusammen mit den Künstlern aus Südtirol in Palermo, um das weitere Vorgehen mit Stiftungspräsidentin Maria Falcone und Kurator De Lisi abzustecken. <BR /><BR />„Es ist ein Projekt von internationaler Bedeutung“, schildert Tobia Moroder. Gröden sei auch deshalb mit dabei, weil die Stiftung ganz Italien einbinden wolle, auch den Norden – denn er ist das Tor zu Österreich, Deutschland und Europa, und auch dort hat die Mafia ja schon längst Fuß gefasst. Auch mit der Gemeinde Brenner werden Gespräche geführt; ein Event in Südtirol im Rahmen des Projekts ist in Planung. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53010084_quote" /><BR /><BR /><BR />„Es geht nicht darum, eine Ausstellung zu machen“, betont auch Moroder: „Mit dem Projekt will man in den öffentlichen Raum gehen und mit der Kunst neue Akzente setzen.“<BR />Warum will St. Ulrich Partner dieser Initiative sein? „Ich habe einige Nächte darüber geschlafen, ehe mir klar war, dass wir das tun sollten“, sagt Tobia Moroder. „Es geht nicht nur um den Kampf gegen das Verbrechen, sondern um den Kampf gegen alles, was faul ist. Es geht um das Einmischen, Mitmachen, um die Geisteshaltung. Der Zivilgesellschaft muss bewusst werden, dass jeder einzelne achtsam sein muss und nicht nur nicht zuschauen, vielleicht die Ohren spitzen und meldet, was er hört“, sagt der Ulricher Bürgermeister und ist überzeugt: „Die Kunst kann einen Beitrag dazu leisten; das Thema ist sehr aktuell“. <BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53010089_listbox" /><BR /><BR /><BR /><embed id="dtext86-53010141_gallery" />