„Wer ist das denn?“, fragten sich so einige Teilnehmer am Bauernbund-Bezirkstag. Dabei hatte sich Anja Matscher Theiner zu Wort gemeldet. Sie wollte den EU-Abgeordneten Herbert Dorfmann mit seinen Äußerungen zu den neuen Gentechniken (NGT) konfrontieren, kam aber nicht mehr dazu, weil der Politiker die Versammlung vorzeitig verlassen hatte.<BR /><BR />Anja Matscher Theiner bewirtschaftet mit ihrem Mann Georg den Lechtlhof bei Muntetschinig oberhalb von Tartsch und hat 2 Kinder, Jakob (7) und Josef (9). Sie ist mit Leib und Seele Bäuerin, die wirtschaftlichen Standbeine sind 10 Milchkühe und Urlaub auf dem Bauernhof. <BR /><BR />Was hat das mit ihrem Auftritt im Kulturhaus von Schlanders zu tun? Die 42-jährige Bäuerin will nicht zusehen, wie mit dem Thema der NGT umgegangen wird. Die neuen Gentechniken – CRISPR/Cas ist z. B. mittlerweile weltweit bekannt – würden als Wundermittel dargestellt, da damit resistente Pflanzen hergestellt werden könnten. Das sei im Grunde so wie auch in der Natur, nur ginge es mit den neuen Gentechniken schneller – das seien zumindest Versprechen und Aussagen, die von den Befürwortern gemacht werden. Zudem sei Versorgungssicherheit nur damit möglich.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="989272_image" /></div> <BR /><BR />Anja Matscher Theiner aber sieht das Ganze ein wenig anders. Sie stammt eigentlich aus Prissian und hat Agrarwissenschaften in Wien studiert. Sie hat zudem an den Universitäten Bozen und Innsbruck, für das Land Tirol und die Provinz Bozen gearbeitet. Außerdem hat die Bäuerin und Mutter ein Praktikum bei der Brüsseler EU-Kommission gemacht und war Sennerin auf der Schleiser Alm. <BR /><BR />Sie kennt sich nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch aus in der bäuerlichen Welt. Und daher mahnt sie zur Vorsicht bei den neuen Gentechniken. Die EU-Kommission plane ein Gesetz, welches unausgereift sei. Sie sei nicht grundsätzlich gegen neue Technologien, aber hier müsse man überlegen, was man tue. Heilsversprechen solle man ohnehin nicht unüberlegt Glauben schenken, das sei auch hier der Fall. Sie glaubt nicht, dass Pflanzen gezüchtet werden, die alle Probleme mit Schädlingen auf einen Schlag lösten. Vielmehr passe sich die Natur immer an, das werde auch hier so sein. Auch seien die Konsumenten nicht für Gentechnik, das hätten Studien gezeigt. Warum sollte die Landwirtschaft also für etwas sein, was ihre Kunden nicht wollen? Zudem wirft Anja Matscher Theiner ein Problem auf, auf welches ihr bislang noch niemand eine schlüssige Antwort liefern konnte: jenes der Patente. Sie glaubt, dass eine per z. B. CRISPR/Cas hergestellte „neue“ Pflanze patentiert werden kann. Damit könne sie nicht frei verwendet werden, sondern es gehe um viel Geld. <BR /><BR />„Über all das wird meiner Meinung nach zu wenig geredet“, sagt die Lechtlhof-Bäuerin und ergänzt, dass sie eigentlich gar nicht gern den Weg in die Öffentlichkeit gesucht habe. „Eigentlich wäre es mir lieber, wenn ich mich auf Hof und Familie konzentrieren könnte“.<BR /><BR />Die 42-Jährige ist aber davon überzeugt, dass die neuen Gentechniken genauer überprüft werden müssen. Sie befürchtet, dass sie den großen Agrarindustrie- und Saatgutkonzernen in Europa dienten, aber nicht der kleinstrukturierten Landwirtschaft in Südtirol. Diese könnte in neue Abhängigkeiten geraten, erklärt sie ihre Sorge. „Dabei könnten wir in Südtirol doch eigentlich mit gentechnik-freier Landwirtschaft unsere große Chance haben“, betont sie. <BR /><BR />Die Zeit dränge jetzt, sagt Anja Matscher Theiner. Anfang Februar soll in Brüssel eine Abstimmung über den Entwurf angesetzt sein, das gehe zu schnell. Daher will sie alles versuchen, um dazu beizutragen, das Ruder noch herumzureißen. Es gebe auch eine Petition (www.ig-saatgut.de), welche sie unterstütze. <BR /><BR />Bei der SBB-Bezirksversammlung konnte sie mit Herbert Dorfmann nicht direkt reden, sie hat im Anschluss jedoch die beiden Landtagsabgeordneten Arnold Schuler und Luis Walcher auf das Thema angesprochen. Das werde aber wohl nicht reichen, befürchtet Anja Matscher Theiner.