Mittwoch, 30. Oktober 2019

Nachrichten an einen Toten: Nach 4 Jahren kam plötzlich eine Antwort

Sie kannte ihn ihr ganzes Leben und nannte ihn liebevoll „Dad“. Als ihre Vaterfigur Jason Ligons 2015 starb, schrieb Chastity Patterson ihm jeden Tag auf seine alte Handynummer, erzählte ihm von ihren Sorgen, Träumen und Hoffnungen. Bis sie plötzlich eine Antwort erhielt.

4 Jahre lang schrieb Chastity Patterson ihrem toten „Vater“ über ihr Leben.
4 Jahre lang schrieb Chastity Patterson ihrem toten „Vater“ über ihr Leben. - Foto: © Facebook/Chastity Patterson

Das muss ein Schock für die 23-jährige Chastity Patterson gewesen sein: Wie jeden Tag schrieb sie auch am 25. Oktober eine lange Nachricht an jene Nummer, die bis zu seinem Tod im Jahr 2015 ihrem „Vater“ Jason Ligons gehörte.

4 Jahre lang hatte die junge Frau aus dem US-Bundesstaat Arkansas ihm täglich geschrieben, von der Schule, der Liebe und auch ihrer Krebserkrankung erzählt.

Auch wenn sie nie eine Antwort erhalten würde, half es ihr, den Verlust des Mannes, den sie als ihren Vater betrachtet hatte und liebevoll „Dad“ nannte, zu verkraften.

Von der Liebe und dem Leiden

Am 25. Oktober hatte sie gute Neuigkeiten: „Morgen wird wieder ein harter Tag. Vor 4 Jahren bist du von uns gegangen und ich vermisse dich immer noch jeden Tag. In dieser kurzen Zeit ist viel passiert, aber du weißt sowieso alles, weil ich dir jeden Tag schreibe. Ich habe den Krebs besiegt und er ist auch nicht wiedergekehrt, seit du weg bist, wie versprochen habe ich gut auf mich aufgepasst.“

Sie erzählte von ihrem Studienabschluss cum laudae, davon, dass sie sich verliebt hat und ihr Herz gebrochen wurde („Du hättest ihn umgebracht“), und davon, dass diese Erfahrung sie noch stärker gemacht habe.

Sie erzählte von einer neuen Liebe, ihrem Wunsch nach Kindern und davon, dass sie ihre Mutter noch immer in den Wahnsinn treibe.

Die Nachricht endete mit: „Ich wollte nur sagen, ich liebe dich und vermisse dich wahnsinnig.“

„Hallo Liebes, ich bin nicht dein Vater, aber...“

Was die 23-Jährige in diesem Moment noch nicht wusste: Ihre Nachrichten gingen nicht wie gedacht ins Leere. Im Gegenteil: Seit 4 Jahren las Brad jeden Tag die Nachrichten – bis er am 25. Oktober beschloss, zu antworten.

„Hallo Liebes, ich bin nicht dein Vater, aber ich habe deine Nachrichten seit 4 Jahren erhalten. Ich freue mich jeden Morgen auf deine Nachrichten und jeden Abend auf deine Updates. Ich heiße Brad und habe meine Tochter bei einem Autounfall im August 2014 verloren. (...) Ich wollte dir all die Jahre antworten, aber ich wollte dein Herz nicht brechen. Du bist eine außergewöhnliche Frau und ich wünsche mir, meine Tochter wäre so geworden wie du. (...) Es tut mir leid, dass du all das durchmachen musstest, aber wenn es dir irgendwie hilft, ich bin sehr stolz auf dich.“

Chastity Patterson veröffentlichte den Schriftwechsel auf Facebook mit den Worten: „Heute habe ich ein Zeichen erhalten, dass alles gut ist und ich meinen Vater ruhen lassen kann.“

I text my dad everyday to let him know how my day goes, for the past Four years! Today was my sign that everything is okay and I can let him rest! ❤️ Jason Ligons

Pubblicato da Chastity Patterson su Giovedì 24 ottobre 2019


Der Facebook-Post wurde mehr als 300.000 Mal geteilt und tausende Male kommentiert, nicht nur positiv, weshalb sich die junge Frau 18 Stunden später noch einmal meldete: „Ich möchte allen für ihre netten Worte danken, ich hätte mir nie so eine Resonanz erwartet.“

Und dann: „Jetzt weiß ich, dass nicht jeder alles wissen sollte und dass es grausame Menschen in dieser Welt gibt, aber an alle, die nett zu mir waren, möchte ich sagen, dass alles gut ist und dass nichts daran falsch ist, mit Trauer so umzugehen, wie ich es gemacht habe.“

I would like to thank everyone for the kind words and sharing my story, I never would have imagined the response it has...

Pubblicato da Chastity Patterson su Venerdì 25 ottobre 2019


In einem späteren Post erklärte die 23-Jährige ihre Beziehung zu Jason Ligons, der sie als Kind unter seine Fittiche nahm und sich über die Jahre hinweg zu einer Vaterfigur entwickelte. „Er ist nicht mein biologischer Vater, aber auch ohne Blutsverwandtschaft hätten wir uns nicht näher stehen können.“ Der biologische Vater ist noch am Leben.

liz