„Ans Aufhören habe ich aber noch nie gedacht. Seit 1730 ist der Hof im Besitz meiner Familie. Für mich ist es eine Verpflichtung, den Karren weiterzuziehen.“ Auf die 2023 verliehene Erbhof-Auszeichnung ist der 42-Jährige stolz. <b>von Florian Mair</b><BR /><BR />„Mein größter Respekt gilt meinen Vorfahren“, betont Lukas Piazzi, während er seinem rund 2 Wochen alten Grauvieh-Kalb „Gloria“ über den Kopf streichelt. Etwa 20 Rinder stehen am Oberurbanhof im Stall. Die produzierte Milch wird in der Molkerei in Castelfondo im Trentino verarbeitet – in erster Linie zur sogenannten Trentingrana. Dieser Käse ist die Nonsberger Antwort auf den Parmesan. „Wir unterliegen sehr strengen Kontrollen, aber das ist für mich kein Problem, weil ich großen Wert auf eine hohe Milchqualität lege“, erinnert Lukas Piazzi, der den jeweils rund 10 Hektar Wiesen und Wald umfassenden Oberurbanhof (ein Teil der Grundstücke liegt im Trentino) vor 12 Jahren übernommen hat. „Meine Ergebnisse bei den Kontrollen lagen bisher immer über dem Durchschnitt.“<h3> Neue Standbeine</h3>Weil die Milchpreise niedrig und die Kosten hoch sind, hat sich der gelernte Tischler in der jüngsten Vergangenheit neue Standbeine aufgebaut: Seit 2023 bringt die Familie Piazzi verschiedene hofeigene Produkte auf Märkten an den Mann und an die Frau, um finanziell besser über die Runden zu kommen. „Wir verkaufen beispielsweise unser Gemüse“, sagt Piazzi. „Heuer werden wir am Hof Roggen säen und dann auch unser Brot verkaufen.“ <BR /><BR />Zudem verkauft der Bauer handwerkliche Unikate aus seiner Werkstatt – wie unter anderem Körbe, Fleischbretter und Dekoartikel. Gerne würde er sich auch etwas Geld aus dem Verkauf von Holz aus dem hofeigenen Wald dazuverdienen. „Leider sind die Holzpreise aber im Keller“, sagt er. Piazzis Frau Michaela (34), die Ortsbäuerin ist, arbeitet in Teilzeit als Verkäuferin. „Das ist eine große Hilfe, um finanziell weiterzukommen“, betont Lukas Piazzi. „Und wenn es die Zeit zulässt, helfe ich beim einen oder anderen Bauer aus.“ Dankbar ist Lukas Piazzi seiner Mutter Annelies (70), die am Hof mithilft und damit die Familie unterstützt. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1008296_image" /></div> <BR /><BR />Außer Spesen nichts gewesen sei bei der Schafhaltung: „Jeder Mensch braucht aber auch ein Hobby. Und mit den Schafen habe ich eine Mordsfreude“, erzählt der Bauer. Lukas Piazzi hat auch schon Schafe an das Großraubwild verloren. „Wolf und Bär sind ein großes Problem“, klagt er. <BR /><BR />In die Zukunft blickt der 42-Jährige positiv, weil seine Töchter Sandra (12), Evi (10) und Katharina (7) Interesse an der Landwirtschaft haben. „Damit wir auf den Höfen aber eine Zukunft haben, sind die Politik und der Bauernbund gefordert, die Bergbauern, vor allem uns Milchbauern, endlich mehr zu unterstützen“, sagt Lukas Piazzi. „Zudem müssten die Landwirtschaft und der Tourismus besser zusammenarbeiten. Davon würden wirklich alle nur profitieren.“ <BR />