Dennoch: Es ist nur ein schwacher Trost – ganz besonders für ein Gebiet, in dem „die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserreserven am meisten zu spüren sein“ werden. <BR /><BR />Nach dem feuchten und milden Winterhalbjahr führen Bäche und Flüsse in Südtirol derzeit mehr Wasser als im langjährigen Mittel, informiert Dinale. „Bis Mitte Februar war das Schneewasseräquivalent (SWE) im Bereich der sehr trockenen Jahre 2022 und 2023“, berichtet der Amtsdirektor. „Aufgrund der Schneefälle der letzten 14 Tage konnte sich dieser Wert erholen – derzeit liegt der SWE nur knapp unter dem langjährigen Mittel“, heißt es weiter (siehe Grafik). <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1002280_image" /></div> <h3> Langfristig negative Folgen</h3>Den positiven Schluss, den Dinale daraus zieht: „Die Vorhersagen bis Ende Mai zeigen einen weiterhin hohen Basisabfluss und eine Schneeschmelze in der Norm, sodass dieses Jahr im Frühling und zu Sommerbeginn keine Wasserknappheit zu erwarten ist.“ Allerdings wurden im Laufe des abklingenden Winters auch Entwicklungen beobachtet, die langfristig negative Folgen haben könnten. Denn so ein milder und niederschlagsreicher Winter „wird in Zukunft klimawandelbedingt die Regel sein“. <BR /><BR />Zwar hätten die Gewässer in Südtirol von den hohen Schmelzraten der Gletscher in den letzten Jahren profitiert. Allerdings folge auf einen milden Winter wie denjenigen, der nun ausklingt, ein trockener Sommer. Klimawandelbedingt seien Sommer immer länger, so auch die Trockenperioden, was „zu Wasserknappheit führen könnte“, so Dinale.<h3> Bis zu über 30 Prozent des Wassers aus Gletscherschmelze</h3>Hinzu komme der Gletscherschwund und eine stärkere Verdunstung wegen der hohen Temperaturen. „Der Wasserhaushalt hängt in Südtirol in erster Linie von den Niederschlägen ab. Diese fallen zu 60 Prozent in Form von Schnee und zu 40 Prozent als Regen.“<BR /><BR />Schnee werde aber in tieferen Lagen immer seltener. Gebietsweise gebe es jedoch Unterschiede sowohl in der Gesamtsumme als auch in den Anteilen an festem und flüssigem Niederschlag. „Die Gletscherschmelze spielt in diesem Zusammenhang nur im Vinschgau noch eine bedeutende Rolle“, weiß Dinale. Dort liege der Eisschmelzanteil im Jahresmittel zwischen 10 und 15 Prozent – wobei die Gletscherschmelze „in den Hochsommermonaten über 30 Prozent des Gesamtabflusses“ im Vinschgau ausmache, erklärt der Experte. „Im Wassersektor wird in Zukunft gerade in dieser Region der Klimawandel am meisten zu spüren sein.“<BR /><BR />Indes werden die Gletscher immer kleiner, weshalb es Dinale zufolge in 20 bis 30 Jahren keinen bedeutenden Schmelzwasseranteil im Wasserkreislauf im Vinschgau geben werde. Was bedeuten würde, dass die Vinschger im Sommer zeitweise mit fast einem Drittel weniger Wasser rechnen müssen als bisher. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1002283_image" /></div> <BR /><BR />Welche Schritte gesetzt werden, um den Klimawandel-bedingten Veränderungen – auch in der Wasserversorgung – entgegenzutreten, erklärte Dinale in einem kurzen Interview. <BR /><BR /><b>Klimawandel-bedingte Wasserknappheit: Wie schützen wir uns davor?</b><BR /><KeinAbsatz></KeinAbsatz>Roberto Dinale: Durch Anpassungsansätze wie u. a. Mehrzwecknutzung der großen Stauanlagen, Vernetzung von Wasserversorgungsanlagen, aber auch Gewässerschutz. Hilfreich ist auch die Implementierung von Prognosesystemen und Notfallplänen im Wassermanagement. <BR /><BR /><b>Prognosesysteme wie jene Ihres Amtes?</b><BR />Dinale: Unsere genauen hydrologischen Prognosen ermöglichen es, rechtzeitig zu reagieren. Sie sind Bestandteil der Klimaanpassungsstrategie Südtirols und werden als solche auch von der Landesregierung gefördert. <BR /><BR /><b>Wird es immer mehr Speicherbecken brauchen – etwa im Vinschgau?</b><BR />Dinale: In Südtirol kommen derzeit jedes Jahr einige neue Speicher dazu, sowohl im Vinschgau als auch in anderen Landesteilen. Ein künftiger exponentieller Anstieg solcher Infrastrukturen hängt davon ab, ob der Klimaschutz weltweit mehr oder weniger greifen wird und somit der Klimawandel mehr oder weniger stark ausfallen wird. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR />