Dienstag, 15. März 2022

Auf „Feigenblatt-Interview“ folgt Rückwärtsgang

„Ich mache nicht das Feigenblatt der SVP: Wir sind eine Sammel- und keine Lobbypartei“: Mit seinem Interview mit „Alto Adige Innovazione“ hatte Landeshauptmann Arno Kompatscher für viel Unmut in der Partei gesorgt. Auf Druck der Parteileitung erfolgt jetzt in einem Schreiben an Ortsobleute und Bürgermeister der offizielle Rückwärtsgang.

Auf Druck der SVP-Leitung erfolgte jetzt eine Klarstellung nach einem Interview, das Landeshauptmann Arno Kompatscher einem italienischen Online-Portal gegeben hatte. - Foto: © DLife

In der SVP hing der Haussegen nach der Veröffentlichung des Kompatscher-Interviews schief. „Ich mache nicht das Feigenblatt der SVP: Wir sind eine Sammel- und keine Lobbypartei“, so Kompatscher. Die SVP laufe Gefahr, zu sehr als „jene der Bauern, Hoteliers und bestimmter Lobbys“ identifiziert zu werden. Aufmerksame Beobachter hätten längst verstanden, dass es Leute gebe, die unter dem Vorwand des Schutzes der Tradition eine Welt verteidigten, die nicht mehr existiere, um Lobbys zu wahren. Zudem sprach Kompatscher „von Problemen in der Parteispitze“.

Vergangene Woche gingen die Wogen in der SVP-Leitung hoch. Von einer „fatalen Botschaft“, die der ganzen Partei schade, war die Rede. Man verstehe nicht, was Kompatscher mit dieser Attacke erreichen wolle. Am Ende wurde eine Klarstellung vereinbart, die Obmann Philipp Achammer und Arno Kompatscher vornehmen sollten.

Und die nun – etliche Tage später – auch an alle Ortsobleute und Bürgermeister verschickt wurde. Von einem „Frontalangriff“ oder „Abrechnung“ Kompatschers mit der SVP, wie alle Medien kolportiert hatten, ist da aber keine Rede mehr.

Wörtlich heißt es in der Klarstellung, dass die Südtiroler Volkspartei – wie im Parteistatut festgelegt – einem ständigen Ausgleich der Interessen verpflichtet sei. Diesen Ausgleich zu erreichen, ist eine tägliche Herausforderung. „In diesem Sinne waren die im Interview getätigten Aussagen in keiner Weise eine Kritik an legitimer Interessensvertretung oder an der Parteiführung, im Gegenteil.“ Das Interview sollte „vielmehr ein Bekenntnis zum Proporz, zur Autonomie und zum Wesen der SVP als Sammelpartei, mit der entsprechend herausfordernden Aufgabe, alle Interessen ausgewogen zu vertreten, bilden.“ Wer das Original-Interview gelesen habe, könne dies so bestätigen.

Obwohl Kompatscher am Tag des Erscheinens des Interviews gegenüber Rai Südtirol bestätigt hatte, dass er zu seinen Aussagen stehe, fühlt sich der Landeshauptmann missverstanden. „Die weitere Berichterstattung und das, was einige Medien daraus gemacht haben, indem einige Passagen aus dem Kontext gerissen wurden, werden somit klargestellt. Darüber hinaus eint uns das Ziel, diesen Ausgleich der verschiedenen Interessen im Sinne der Sammelpartei und unter Wahrung des eigenen Verantwortungsbereiches zu sichern“, so Kompatscher und Achammer im Schreiben an die Parteibasis.

bv

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Hermann Santer
15. März 2022 09:17
Da hat "Einer" wohl übers Ziel hinausgeschossen... Profilierungssucht?