Donnerstag, 19. November 2020

Ein Jahr nach dem Kinderlandtag – Was konnte er bewirken?

Ein Jahr nach dem 4. Südtiroler Kinderlandtag, der im November 2019 stattfand, haben Jugendliche bei den Landtagsabgeordneten nachgefragt: Welche ihrer Forderungen wurden bereits umgesetzt? Welche Themen sind den Abgeordneten besonders in Erinnerung geblieben? Die Katholische Jungschar Südtirols nutzt bewusst den internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November für die Veröffentlichung der Interviews.

Vor einem Jahr erarbeiteten rund 300 Kinder und Jugendliche in 4Tagen ihre Vorschläge und Forderungen zu 7 Kinderrechten.
Vor einem Jahr fand der 4. Südtiroler Kinderlandtag statt. Diese Initiative wurde von der Katholischen Jungschar Südtirols in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Landtag organisiert. Während der Kinderlandtag vom 19. bis 21. November 2019 tagte, feierte die UN-Kinderrechtskonvention am 20. November 2019 ihr 30-jähriges Jubiläum.

Rund 300 Kinder und Jugendliche erarbeiteten in vier Tagen ihre Vorschläge und Forderungen zu sieben Kinderrechten. Anfang Oktober 2020 haben Chiara Sophia Schneider, Paula Gebhard und Riccardo Curró Dossi, stellvertretend für alle, die am Kinderlandtag 2019 teilgenommen haben, bei den Abgeordneten im Landtag nachgefragt:

Welche ihrer Forderungen wurden bereits umgesetzt? Welche Themen sind den Abgeordneten besonders in Erinnerung geblieben? Woran wird weitergearbeitet?

Die Interviews wurden von einem Kamerateam eingefangen und die wichtigsten Aussagen nun in einem Video zusammengefasst. Julia Leimstädtner, 1. Vorsitzende der Jungschar weist darauf hin, dass die Interviews nicht nur Einblicke geben, was der Kinderlandtag bewirken kann, sondern sie erinnern die Abgeordneten, dass die Forderungen der Kinder und Jugendlichen auch umzusetzen und bei Entscheidungen zu berücksichtigen sind.

„Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Partizipation und ein Recht darauf, gehört zu werden. Der Kinderlandtag zeigt, dass sie etwas zu sagen haben und mitentscheiden wollen. Wir alle sind zu jeder Zeit dafür verantwortlich, die Rechte und Bedürfnisse der Kinder zu achten – gerade auch in Krisenzeiten wie diesen“, so Leimstädtner.

Abgeordnete schätzen die Meinung der Kinder und Jugendlichen

Insgesamt 15 Abgeordnete des Südtiroler Landtages haben sich den Fragen der Jugendlichen gestellt. Landtagspräsident Josef Noggler findet es sehr beeindruckend, dass Kinder Themen ansprechen, die im Landtag auch vorher schon Thema waren und immer noch sind. Demnach wurde zum Teil bereits an den Vorschlägen der Kinder weitergearbeitet. Landeshauptmann Arno Kompatscher erinnert sich noch sehr gut an das Engagement und an die Ernsthaftigkeit, mit denen die Kinder und Jugendlichen am Kinderlandtag teilgenommen haben. „Der Kinderlandtag wird ernst genommen und hat Bedeutung“, fügt er hinzu.

Die Landtagsvizepräsidentin Rita Mattei betont die Arbeitsweise der Kinder, für die sie ihnen Komplimente macht. Landtagsabgeordnete Brigitte Foppa wünscht sich, dass Kinder mehr mitreden dürfen: „Kinder und Jugendliche werden noch nicht zur Genüge miteinbezogen. Wir sollten dies aber kontinuierlich machen. Sie haben eine wichtige Stimme, auf die wir hören sollen.“ Der Landtagsabgeordnete Diego Nicolini teilt diese Meinung. Laut ihm sind Kinder und Jugendliche ein sehr wichtiger Teil der Gesellschaft und werden leider nur selten nach ihrer Meinung gefragt. „Gerade deshalb braucht es solche Initiativen wie den Kinderlandtag“, ist er sich sicher.

Ein paar Punkte wurden bereits diskutiert

Die drei Jugendlichen haben die Abgeordneten auch gefragt, ob sie denn schon konkret an Forderungen des Kinderlandtages weitergearbeitet haben. Landesrat Daniel Alfreider berichtet, dass zum Beispiel im Bereich der Mobilität der Wunsch nach einer Informationsplattform über die öffentlichen Verkehrsmittel dieses Jahr erfüllt wurde. „Auch im Bereich der Bildung, also Kinderrecht 28, gibt es Änderungen. So zu Beispiel wurde vor einigen Monaten entschieden, in den Grundschulen die Ziffernnoten abzuschaffen“, merkt Landesrat Philipp Achammer an und weist darauf hin, dass sich der Kinderlandtag weniger Leistungsdruck in den Schulen wünscht. Öfters erwähnt wurden jene Ideen und Wünsche, die den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit betreffen, sie wurden bereits in verschiedenen Sitzungen diskutiert.

Der Landtagsabgeordnete Josef Unterholzner hat zu diesen Maßnahmen gemeinsam mit einer Schulklasse eine Aktion umgesetzt. Auch Landtagsabgeordneter Riccardo Dello Sbarba hat bereits einige Punkte, die auch im Kinderlandtag zum Thema gemacht wurden, im Landtag vorgebracht. Außerdem sind Maßnahmen gegen Diskriminierung, für die Gleichberechtigung der Geschlechter, Armutsbekämpfung und für ein besseres Gesundheitssystem den Politikerinnen und Politikern besonders in Erinnerung geblieben.

Auf Meinungen der Kinder und Jugendlichen auch außerhalb des Kinderlandtages achten

Chiara Sophia Schneider, Paula Gebhard und Riccardo Curró Dossi sind sich einig: „Der Kinderlandtag ist nicht nur da, um die Meinungen der Kinder und Jugendlichen den Politikerinnen und Politikern zu präsentieren, sondern unsere Forderungen und Wünsche sollten auch bestmöglich umgesetzt und berücksichtigt werden. Zu einem Teil ist dies geschehen, zum anderen ist noch Luft nach oben.“ Dass nicht alle Maßnahmen umgesetzt werden können, das ist den Jugendlichen bewusst. Es geht ihnen aber auch darum, nicht vergessen zu werden: „Durch das Nachfragen haben wir gezeigt, dass wir weiterhin am Politikgeschehen interessiert sind. Wir wünschen uns, dass unsere Meinungen auch außerhalb vom Kinderlandtag eingeholt und gehört werden.“

stol