Samstag, 24. Juli 2021

„Everyday for future“: Land stellt Nachhaltigkeits-Ziele vor

Den Kindern einen Planeten hinterlassen, auf dem es möglich ist, gut zu leben: Verantwortung dafür will auch das Land Südtirol Verantwortung übernehmen und so umschreibt es Landeshauptmann Arno Kompatscher im Strategiepapier „Everyday for future – Gemeinsam für die Nachhaltigkeit“, das die Landesregierung am Freitag Nachmittag am Sitz des Landesdenkmalamtes im Palais Rottenbuch in Bozen vorgestellt hat. Es enthält 7 prioritäre Handlungsfelder, die mittels 4 verschiedener Instrumente umgesetzt werden sollen.

Die Landesregierung stellte das Strategiepapier "Everyday for future" vor, das sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientiert.
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Die Landesregierung stellte das Strategiepapier "Everyday for future" vor, das sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientiert. - Foto: © LPA/Tiberio Sorvillo
Wie Landeshauptmann Arno Kompatscher erklärte, starte das Land Südtirol auf diesem Weg nicht bei Null: „Aber wir müssen noch viel mutiger und konsequenter handeln. Der Klimakrise zu begegnen, ihre Folgen zu bewältigen und die Herausforderungen möglichst in Chancen umzuwandeln, ist die größte und wichtigste Aufgabe dieser Legislaturperiode.“

Anpassungsprozess ist „nicht schmerzfrei“

Dass der nötige Anpassungsprozess schwierig sei und „nicht schmerzfrei“ über die Bühne gehen werde, sagte Professor Gottfried Tappeiner von der Universität Innsbruck. Er hat die Entscheidungsfindung der Landesverwaltung und Landesregierung wissenschaftlich begleitet. Er sprach vom „wahrscheinlich bedeutendsten Strukturwandel“ der letzten 100 Jahre. Südtirol befinde sich allerdings unter vielen Aspekten „in einer guten Ausgangsposition“, handle nur manchmal zu zögerlich und träge. „Eine gute Ausgangssituation ist kein Persilschein, sondern Verpflichtung“, mahnte Tappeiner.

Die Nachhaltigkeitsstrategie der Südtiroler Landesregierung bewege sich im Rahmen internationaler Bemühungen, besonders der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die „sustainable development goals“ (SDG’s). Sie definieren die Anforderungen der nachhaltigen Entwicklung an die Gesellschaft. Zu diesen SDG's hat sich die Landesregierung bereits zu Beginn der Amtsperiode in ihrem Regierungsprogramm 2018-2023 bekannt. Koordiniert vom Büro des Landeshauptmannes wurden zunächst intern die bereits bestehenden einzelnen Bemühungen in den verschiedenen Ressorts gesammelt und gebündelt, um sie danach gemeinsam neu auszurichten.

Gesamte Südtiroler Gesellschaft ist gefragt

Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeiten hat die Landesregierung nun einen wichtigen Meilenstein erreicht und tritt mit ihrem Vorschlag an die Interessensvertreter und Bevölkerung heran, sagte der Landeshauptmann: „Eine umfassende und ganzheitliche nachhaltige Entwicklung erreichen wir nur gemeinsam - als gesamte Südtiroler Gesellschaft. Gleichzeitig darf niemand zurückgelassen oder sozial benachteiligt werden. Das Konzept Everyday for future – Gemeinsam für die Nachhaltigkeit ist auch eine Einladung an alle, sich daran zu beteiligen.“

Sieben Handlungsfelder

Das Strategiepapier ist als Ziel- und Umsetzungsinstrument zu verstehen: Es umfasst also das Was und das Wie. Der erste Bereich enthält sieben prioritäre Handlungsfelder, die sich aus den internationalen Empfehlungen der Vereinten Nationen – angepasst an die Südtiroler Realität – ergeben: Reduktion der Treibhausgasemission, Wettbewerbsfähigkeit, Soziale Sicherheit und Chancengerechtigkeit, Erhaltung des Naturraumes und der Artenvielfalt, Veränderung von Konsumverhalten und Produktion, Transparenz und Gerechtigkeit sowie Hochwertige öffentliche Dienste. Soweit bereits machbar, sind diese Handlungsfelder mit Zielen, Maßnahmen und messbaren Indikatoren hinterlegt. Die Umsetzung erfolgt in den einzelnen Ressorts der Landesverwaltung mit den strategischen Maßnahmenplänen, beispielsweise dem Klimaplan, der aktuell in seiner dritten Fassung überarbeitet wird.

Vier Instrumente

Der zweite Bereich, dem Wie, sollen vier ganzheitliche, ressortübergreifende Instrumente für die Umsetzung sorgen. Erstens misst das Landesstatistikinstitut ASTAT laufend die Nachhaltigkeitsanstrengungen auf Grundlage der von den SDGs vorgegebenen Indikatoren. Zweitens unterstützen Südtirols Forschungseinrichtungen die Politik und Verwaltung laufend mit notwendigen Untersuchungen und Studien. Drittens sollen Interessensgruppierungen, aber auch die einzelnen Bürger und Bürgerinnen in einen kontinuierlichen Partizipationsprozess eingebunden werden. Viertens richtet das Land seine Förderungen, Investitionen und die gesamte Haushaltspolitik mit Hilfe von Untersuchungen zur finanziellen Auswirkung verstärkt auf eine nachhaltigen Entwicklung aus.

Wie die nachhaltige Entwicklung jetzt schon alle Politikfelder betrifft, zeigte sich im Gespräch mit den acht Landesrätinnen und Landesräten: Sie erklärten, welche Aufgaben ihre Ressorts auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit bewältigen müssen. Viele gute Beispiele zeigen aber auch, dass man sich bereits auf den Weg gemacht hat, und das bewegte Landeshauptmann Kompatscher am Ende der Pressekonferenz zu einem hoffnungsvollen Ausblick: „Wir wollen mutige Entscheidungen treffen. Wir sind zuversichtlich, dass unsere Gesellschaft sie mitträgt. Wenn das gelingt, können wir der Klimakrise begegnen und ihre Folgen bewältigen.“




lpa