Dienstag, 11. Mai 2021

Herausforderungen in der Pflege: Südtirol muss sich vorbereiten

Die Gesellschaft wird immer älter, die Herausforderungen in den Bereichen Soziales und Pflege größer – das hat nicht zuletzt die Pandemie gezeigt. Die Nachfrage nach Pflegefachkräften wird weiter ansteigen. Wie man der Herausforderung in Südtirol begegnen will, hat die zuständige Landesrätin Waltraud Deeg am Dienstag erklärt.

Soziallandesrätin Waltraud Deeg: „Wir sind dabei, ein wohnortnahes und abgestuftes Dienst- und Pflegeangebot zu erhalten, zu stärken und – wo nötig – auszubauen.“
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Soziallandesrätin Waltraud Deeg: „Wir sind dabei, ein wohnortnahes und abgestuftes Dienst- und Pflegeangebot zu erhalten, zu stärken und – wo nötig – auszubauen.“ - Foto: © LPA/Fabio Brucculeri
Um einen Überblick über bestehende und künftig nötige Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen zu haben, arbeitet das Sozialressort des Landes seit Herbst 2019 in enger Zusammenarbeit mit den Sozialdiensten der Bezirksgemeinschaften und der Stadt Bozen und den Südtiroler Seniorenwohnheimen an einer Südtiroler Betreuungs- und Pflegelandkarte. Diese wurde am Dienstag in der Landesregierung von Soziallandesrätin Waltraud Deeg vorgestellt und diskutiert.

Daraus geht unter anderem hervor, dass im Bereich der Seniorenwohnheime im Raum Bozen bis zum Jahr 2030 rund 750 Betten mehr nötig sind als derzeit verfügbar, während es im Burggrafenamt sogar einen leichten Bettenüberschuss von rund 100 Betten geben könnte.

„Es geht uns darum, für alle Formen der Betreuung eine gemeinden- und bezirksübergreifende Planung einzuführen. Damit sollen Doppelgleisigkeiten vermieden, Synergien gut genutzt und die zur Verfügung stehenden Ressourcen bestmöglich zum Wohl der älteren Generation eingesetzt werden – dies war und ist ein wichtiges Anliegen der Südtiroler Landesregierung“, betont die Landesrätin. Das Ziel der Betreuungs- und Pflegelandkarte sei es ein wohnortnahes und abgestuftes Dienst- und Pflegeangebot zu erhalten, zu stärken und – wo nötig – weiter auszubauen.

Die Überlegungen und Ergebnisse, die sich aus dieser Diskussion ergeben, werden auch in den neuen Landessozialplan einfließen. An diesem wird momentan intensiv gearbeitet. Auch für die Finanzierung der Pflege sei dies eine wichtige Basis, wolle man doch auch künftig diesen Bereich gut aufstellen, teilt die Landespresseagentur mit.

Bedarf an Pflegekräften wird voraussichtlich 15 bis 20 Prozent steigen

Sicher sei, dass der Bedarf an Pflegepersonal, aber auch an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in jenen Bereichen, die Dienste und Leistungen für pflegebedürftige, ältere Menschen erbringen, ansteigen wird. Berechnungen, die im Zusammenhang mit der Erarbeitung des neuen Landessozialplanes erstellt wurden, gehen davon aus, dass im Jahr 2030 der Bedarf an Pflegekräften um 15 bis 20 Prozent höher sein wird als im Jahr 2020.

Diese Nachfrage lasse sich aus der demographischen Entwicklung der vergangenen Jahre sowie der Prognosen der künftigen Jahre ablesen: „Der Anteil älterer Menschen steigt kontinuierlich an, auch Südtirols Gesellschaft wird immer älter. Es ist daher nur gut und richtig, wenn wir unser System darauf vorbereiten, unter anderem indem unterstützende, ambulante Leistungen, aber auch stationäre Einrichtungen ausgebaut werden“, sagt die Soziallandesrätin. Wenn man heute über Anpassungen und Verbesserungen im Bereich der Pflege nachdenke, heiße dies, dass man künftige Herausforderungen im Blick habe: „In den nächsten Jahren wird es immer mehr um Möglichkeiten für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gehen, parallel dazu müssen pflegende Familienangehörige Entlastungs- und Unterstützungsangebote vorfinden, damit sie diese Aufgabe gut meistern können. Dafür gilt es, nun die Rahmenbedingungen zu setzen und genau hinzuschauen, was es morgen und übermorgen braucht – immer zum Wohl der älteren Menschen in unserem Land“, betont Landesrätin Deeg.

Bereichsverträge für den Bereich der Sozialdienste und der Seniorenwohnheime

Im Sozialbereich gibt es viele unterschiedliche auch neue Berufsbilder, die bei Vertragsverhandlungen besondere Bedürfnisse vorbringen. „In einem eigenen Bereichsvertrag sollte künftig besser und berufsgruppenspezifisch darauf eingegangen werden“, hebt Deeg hervor. Sie wird daher der Landesregierung in einer der nächsten Sitzungen den Vorschlag unterbreiten, künftig eigene Bereichsverträge für den Bereich der Sozialdienste und der Seniorenwohnheime abzuschließen und damit den Vertrag aus dem bisherigen Bezugsabkommen für die Bediensteten der Gemeinden, der Bezirksgemeinschaften und der Öffentlichen Betriebe für Pflege und Betreuung auszuklammern.

„Dies ist ein erster Schritt, damit künftig über eine bessere Bezahlung der geleisteten Arbeit und über die Angleichung der Bezahlung in den Pflegeberufen diskutiert werden kann“, ist Deeg überzeugt. Bei künftigen Verhandlungen könnten neue Bedürfnisse und Anforderungen stärker berücksichtigt werden und damit zu einer allgemeinen Aufwertung der Berufe im Pflege- und Betreuungsspektrum führen könnten.

Dies sei man den Pflegekräften, nicht nur anlässlich des Internationalen Tages der Pflege am morgigen 12. Mai und ihrer großartigen Arbeit in Pandemiezeiten, sondern vor allem mit Blick auf die Zukunft mehr als schuldig.

lpa/stol