Mittwoch, 30. März 2022

Nachhaltigkeit: Landschaft und Verkehr Themen in Innichen

Beim gestrigen Informationsabend in Innichen wurde angeregt über nachhaltige Raumentwicklung diskutiert. Über 70 Fragen kamen aus dem Publikum, vor allem zum Verkehr.

In Innichen wurde beim Informationsabend am 29. März angeregt über nachhaltige Raumentwicklung und Verkehr diskutiert. - Foto: © LPA/Tiberio Sorvillo

Die fünfte Etappe der Nachhaltigkeits-Tour der Landesregierung ging am gestrigen Dienstagabend im Josef-Resch-Haus in Innichen über die Bühne. Landeshauptmann Arno Kompatscher und die Landesrätin für Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege Maria Hochgruber Kuenzer diskutierten mit 130 Teilnehmenden darüber, wie die Zukunft nachhaltig gestaltet, aber auch wie anstehende Probleme gelöst werden können. Mit dabei waren Innichens Bürgermeister Klaus Rainer und Robert Alexander Steger, Präsident der Bezirksgemeinschaft Pustertal. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Journalistin Sabina Drescher.

Der Präsident von Eurac Research, Roland Psenner, gab eingangs einen Überblick über die 17 von den Vereinten Nationen festgelegten Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals SDG) und zeigte anhand von Studienergebnissen vier verschiedene Zukunftsszenarien und die entsprechenden Herausforderungen - von regional über hochtechnologisch bis zu global – auf. Eine ausgewogene wirtschaftliche Entwicklung werde immer irgendwo dazwischen liegen, so Psenner.

Für „mehr Aufmerksamkeit für Raum, Landschaft und Denkmalpflege im Sinne der Nachhaltigkeit“ plädierte Landesrätin Hochgruber Kuenzer: „Wir wollen Raumentwicklung, Landschaft und Denkmalpflege in die Mitte der Gesellschaft rücken und einen Ausgleich von unterschiedlichen Interessen suchen“, unterstrich sie. Es sei an der Zeit, neue Modelle für die Gestaltung der Lebensräume zu entwickeln. „Dank unserer Autonomie hat das Landesgesetz Raum und Landschaft die rechtlichen Grundlagen dafür geschaffen“, so die Landesrätin. „Es geht vor allem darum, im Hinblick auf die nachfolgenden Generationen Ressourcen zu schonen. Das ist Nachhaltigkeit.“

Kompatscher: „Ziel ist Klimaneutralität bis 2050 oder früher“


Die über 70 Fragen der Bürgerinnen und Bürger drehten sich vor allem um den Verkehr, der an der Spitze der Prioritätenliste bei den als vordringlich wahrgenommenen Themen stand. Landeshauptmann Arno Kompatscher ging auf den Klimawandel und den Ressourcenverbrauch ein und stellte das Monitoring für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele vor, das vom Landesinstitut für Statistik ASTAT durchgeführt wird: „Dieses Instrument erlaubt es uns, konkret die Auswirkungen der politischen Entscheidungen zu messen und diese gegebenenfalls anzupassen“, so Kompatscher.

In punkto Verkehr informierte der Landeshauptmann über die Erhebungen zum Transitverkehr im Pustertal, „dessen Prozentsatz am allgemeinen Verkehrsaufkommen weit weniger ausmacht, als man denken würde.“ Der Großteil des Verkehrs im Pustertal sei bedingt durch die wirtschaftliche Stärke des Bezirks.

„Das Gebot der Stunde ist daher vermeiden – verlagern – verbessern“, unterstrich Kompatscher. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2026 werde viel in nachhaltige Mobilitätsformen und den Ausbau des Bahnverkehrs im Pustertal investiert. Auch zu Projekten im Zusammenhang mit der Neuvergabe der Konzession der Brennerautobahn A22 – wie etwa Umweltmaut oder „buchbare“ Autobahn – gab der Landeshauptmann Auskunft.

Kuenzer: „Raumplanung ist unsere Nachhaltigkeitsstrategie“

In der Diskussion um eine „Zuvielisation“ (zu viel Tourismus, zu viel Gebautes, zu viel Apfelanbau etc.) nannte Landesrätin Maria Hochgruber Kuenzer das Landesgesetz Raum und Landschaft als konkrete Antwort auf dieses Problem. „Mit dem Landesgesetz Raum und Landschaft hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden“, sagte Hochgruber Kuenzer. „Die Gemeinden ziehen die Siedlungsgrenzen und legen die Entwicklung für mindestens 10 Jahre fest. Diese Neuausrichtung ermöglicht, Verantwortung für den eigenen Lebensraum zu übernehmen und neue Wege zu gehen. Zugleich sind die Bürgerinnen und Bürger aktiv an diesem Prozess beteiligt.“ Das Gemeindeentwicklungsprogramm sei derzeit das konkreteste Nachhaltigkeitsprogramm für das Land.

Die Landesrätin betonte auch die große Bedeutung des Denkmalschutzes mit 5031 unter Schutz gestellten Baudenkmälern (davon 1539 Bauernhäusern) in Südtirol: „Denkmalpflege ist identitätsstiftend. Zugleich leistet der Denkmalschutz durch Sanierung und Anpassung eines Gebäudes einen wesentlichen Beitrag zur Senkung von Emissionen und damit zum Klimaschutz.“

Was die Landschaft betrifft, bestehe die Herausforderung der Gegenwart vor allem darin, ein neues Bewusstsein für mehr Raum der Natur im täglichen Leben zu schaffen. „Wir müssen uns vom Gedanken verabschieden, dass Landschaft nur landschaftliche Besonderheiten und geschützte Gebiete sind“, betonte die Landesrätin. „Landschaft im Sinne der Europäischen Landschaftskonvention betrifft jeden, bedeutet Lebensqualität und ist unsere Lebensgrundlage.“ Es gelte, in diese Landschaft - von alpin bis intensiv genutzt - im Sinne der künftigen Generationen zu investieren. Daran werde aktuell auch im Landesstrategieplan und im Landschaftsleitbild gearbeitet.

Am heutigen Mittwoch Nachmittag gibt es im Josef-Resch-Haus in Innichen von 15 bis 19 Uhr eine moderierte Zukunftswerkstatt. Dabei können Interessierte an der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes mitarbeiten und die Themen des Informationsabends vertiefen. Die nächste Veranstaltung der Reihe „Wir gestalten Zukunft. Gemeinsam“ wird am Donnerstag, 31. März, in Brixen stattfinden.

lpa

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