Mittwoch, 27. Januar 2021

„Nie wieder!“: Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit. Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust und an den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen der internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust eingeführt, der seitdem jedes Jahr am 27. Januar begangen wird. In Bozen fand die offizielle Gedenkfeier an der Mauer des ehemaligen NS-Durchgangslagers in der Reschenstraße statt.

Die Gedenkveranstaltung fand an der Mauer des ehemaligen NS-Durchgangslagers in der Reschenstraße statt.
Badge Local
Die Gedenkveranstaltung fand an der Mauer des ehemaligen NS-Durchgangslagers in der Reschenstraße statt. - Foto: © Gemeinde Bozen
Dort erfolgte auch die Kranzniederlegung zum Gedenken an die Deportierten und an die Verfolgung der Sinti und von Homosexuellen durch die Nationalsozialisten. In diesem Jahr konnten pandemiebedingt nur wenige Gäste an der Gedenkfeier teilnehmen, darunter neben Bürgermeister Caramaschi auch Landeshauptmann Arno Kompatscher, Regierungskommissär Vito Cusumano, die Präsidentin der jüdischen Gemeinde Meran Elisabetta Rossi Innerhofer und der Präsident des ANPI Guido Margheri.

Bürgermeister Renzo Caramaschi betonte in seiner Ansprache, dass es unsere vorrangige Aufgabe sei, das Gedenken an den Holocaust aufrecht zu erhalten und gegen das Vergessen einzutreten. „An diesem Jahrestag hier zu stehen ist immer wieder ergreifend und bewegend. Hinter dieser Mauer wurde im Namen einer vermeintlichen Überlegenheit unschuldigen Menschen so viel Leid zugefügt und, ja, das Leben genommen. Diese Mauer steht sinnbildlich für das Gewissen unserer Stadt, die auch Schuld auf sich geladen hat. Menschen, die dieser Stadt viel zu geben hatten, wurde mit roher Gewalt das Recht auf Leben abgesprochen. Als Bürgermeister dieser Stadt bitte ich all jene, die in diesem Lager so schreckliches Leid erfahren haben, im Namen aller Mitbürgerinnen und Mitbürger um Vergebung.“

Landeshauptmann Arno Kompatscher, der im vergangenen Jahr selbst mit einer Gruppe von Jugendlichen aus Südtirol und aus dem Trentino die Konzentrationslager Auschwitz und Birkenau besucht hat, sprach von den bleibenden Eindrücken, die der Besuch an dem Ort, an dem Kinder, Frauen, Männer, Juden, Sinti, Homosexuelle oder einfach Andersdenkende erniedrigt, gefoltert, getötet und ihrer menschlichen Würde beraubt worden sind, hinterlassen habe. Wenngleich die Singularität des Holocaust natürlich unbestritten sei, denn etwas Ähnliches habe es niemals zuvor und niemals danach mehr gegeben, müsse man auch weiterhin wachsam sein, betonte der Landeshauptmann, denn: „Muster wiederholen sich, Ähnliches kann immer wieder geschehen. Und gerade in Situationen der Krise wie wir sie jetzt erleben, in denen Menschen verunsichert sind, den Glauben in die Institutionen und an die Demokratie verlieren, ist die Gefahr immer vorhanden, dass wieder Schuldige gefunden und Verschwörungstheorien geflochten werden, dass alte Vorurteile, alte Ressentiments wieder hervorkommen. Wir erleben dies in ganz Europa, und deshalb gilt es wachsam zu sein.“

Abschließend übergab Regierungskommissär Vito Cusumano eine Ehrenmedaille an Ezio Baraldo, dessen Vater Remigio vom 9. September 1943 bis zum 8. Mai 1945 in einem Konzentrationslager in der Nähe von Hamburg interniert war.

stol

Schlagwörter: