Und er warnte: „Das organisierte Verbrechen trägt heute Anzug und Krawatte, spricht mehrere Sprachen und kann sich großer Investitionen, eines Netzes von Freundschaftsbeziehungen und schließlich der Einschüchterung bedienen.“<BR /><BR /> Cafiero De Raho war auf Einladung der 5-Sterne-Bewegung bzw. des Landtagsabgeordneten Diego Nicolini nach Bozen gekommen. Der Ex-Staatsanwalt wies darauf hin, dass Südtirol und das Trentino aufgrund ihres Wohlstands ein interessantes Wirkungsfeld für das organisierte Verbrechen sind. <h3> Für Einrichtung einer Beobachtungsstelle</h3>Cafiero De Raho sprach sich für eine Beobachtungsstelle für organisierte Kriminalität aus, wofür sich die 5-Sterne-Bewegung bereits mehrfach stark gemacht hat. Eine derartige Beobachtungsstelle sei heute ein unverzichtbares Instrument zur Vorbeugung und Bekämpfung, unterstrich der frühere Mafia-Jäger. Und er warnte, dass sich das organisierte Verbrechen verschiedener Methoden bediene, um in die öffentliche Verwaltung und der Wirtschaft einzudringen, weshalb man ein besonderes Augenmerk auf diese Bereiche legen müsse. Die Methoden reichten vom Ausspionieren durch Amtsmissbrauch, von der Ersetzung des gesamten Systems der Finanzierung von Kleinunternehmen bis hin zu einer Art von Erpressung, die zwar keine Gewalt anwende, aber die Unternehmer dennoch unterjoche und deren Handlungsfreiheit aufhebe. <h3> Projekte gehen weit über Drogenhandel hinaus</h3>Zwar sei „der enorme Handel“ mit Rauschgift, darunter Kokain, Heroin und Haschisch beeindruckend. Die „Projekte“ des organisierten Verbrechens in Trentino-Südtirol würden aber weit über den Drogenhandel hinausgehen. Allein die Tatsache, dass man in Bozen und Trient von der 'Ndrangheta spricht, „bedeutet, dass sie das Gebiet bereits unterwandert hat“, zeigte sich Cafiero De Raho überzeugt. <BR /><BR />In Südtirol und im Trentino ließen sich die Spuren der 'Ndrangheta bereits ab den 60er Jahren finden, und niemand sei in der Lage gewesen, die tatsächliche Gefährlichkeit „bestimmter Präsenzen“ hierzulande zu erkennen. <BR /><BR />Die 'Ndrangheta sei in Südtirol und im Trentino „sicherlich während der Pandemie und der Zeit nach der Pandemie aktiv gewesen, als sie gegenüber Unternehmern in wirtschaftlichen Schwierigkeiten ihre großzügige Hand ausstreckte und bis dahin ehrliche Menschen zwang, sich mit dem Teufel zu arrangieren“, so Cafiero De Raho. <BR /><BR />Das organisierte Verbrechen habe sich selbst und seine Vorgehensweisen perfektioniert: „Heute trägt es Anzug und Krawatte, spricht mehrere Sprachen und kann sich großer Investitionen, eines Netzes von Freundschaftsbeziehungen und schließlich der Einschüchterung bedienen.“ Die Mitglieder kämen als Geschäftsleute, würden Geld in die Städte bringen und kämen dabei auch in Kontakt mit den lokalen Verwaltern. „Auf diese Weise fallen alle Sicherheiten, und die Gleichgültigkeit wird zur ersten Verbündeten der 'Ndrangheta“.