Die Wirtschaft in Südtirol wächst aber erfreulicherweise trotzdem. Das Bruttoinlandsprodukt ist um 4 Prozent angestiegen. Die Exporte liefen noch nie so gut. Made in Südtirol ist weltweit gefragt. Der Tourismus kann die beste Sommersaison aller Zeiten verzeichnen. Das Covid-Tief ist mehr als ausgebügelt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57603094_quote" /><BR /><BR /> Die Kauf- und Feierlust kennt anscheinend bei den Südtirolerinnen und Südtiroler keine Einschränkungen, wie die Weihnachtstage und die letzten Wochen im Jahr zeigen. In den Geschäften drängen sich die Kunden, die Gasthöfe und Restaurants sind voll besetzt, die Skipisten belebt und in den Straßen wälzt sich dichter Verkehr.<BR /><BR /> Ist aber wirklich ganz Südtirol ein Wohlstandsland? Der Eindruck trügt. Es gibt viel versteckte Armut. Diese Armut sieht man nicht, weil sie Männer und vor allem Frauen trifft, die sich schämen, am Monatsende den Lebensmitteleinkauf streichen zu müssen, weil sie nicht sicher sind, ob das Geld für die Strom- und Gasrechnung reichen wird. Dabei belasten nicht nur die steigenden Energiekosten den Haushalt. Auch die gestiegenen Lebensmittelpreise drücken schwer auf die ohnehin karg gefüllte Brieftasche.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57603096_quote" /><BR /><BR /> Am meisten betroffen sind die vielen Pensionisten, die mit weniger als 600 Euro im Monat ihr Auskommen finden müssen. Dieses soziale Problem muss die Politik in den Griff bekommen, weil es eine große Ungerechtigkeit ist, die fast 14.000 Mindestrentner betrifft. Die ältere Generation, die mitgearbeitet hat, um den heutigen Wohlstand zu erreichen, darf nicht vergessen werden. <BR /><BR />Unseren Armen hilft keine Nachhaltigkeitsdiskussion, wenn am Monatsende das Geld ausgeht. Unseren Armen hilft nur, wenn vom Südtiroler Haushalt in Höhe von 6,69 Milliarden ein gerechter Teil umverteilt wird. Das ist das große Problem in Südtirol, das die Landesregierung endlich aufgreifen und versuchen muss zu lösen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57603097_quote" /><BR /><BR /> Im nächsten Herbst wird der Landtag neu gewählt. Es ist zu erwarten, dass in den politischen Programmen der wahlwerbenden Parteien auch dieses Thema aufscheinen wird. Nur nützen die Versprechungen wie im Landtagswahlkampf 2018 nichts, wenn dann keine Maßnahmen gesetzt werden.<BR /><BR /> Vor allem die SVP muss verstehen, dass dieses Thema ihre Stammwählerschaft betrifft. Fast 14.000 Mindestrentner sind ein starkes Stimmenpotential.<BR /><BR />Die SVP-Stammwählerschaft betrifft auch das Thema Wolf. Wenn sich die Landesregierung weiterhin auf bürokratische Hürden hinausredet, anstatt konkrete Maßnahmen zur Eindämmung der Wolfsplage zu ergreifen, werden der SVP bei den bäuerlichen Stammwählern sichere Stimmen wegbrechen. Offiziell wurden im heurigen Jahr 500 Schafe gerissen, die Dunkelziffer ist aber viel höher. <BR /><BR />Die Bergbauern sind enttäuscht. Bisher haben sie zahm protestiert – ohne Erfolg. Der starke Protest dürfte aber nicht ausbleiben. Spätestens in der Wahlkabine wird sich die zögerliche Haltung der Landesregierung rächen. <BR /><BR />toni.ebner@athesia.it