Montag, 07. Dezember 2020

Zum Tod von Lidia Menapace: „Südtirol verliert eine Kämpferin“

Der Tod von Lidia Menapace hat für Trauer und Bestürzung in Südtirol und darüber hinaus gesorgt.

„Nie war sie sich zu alt für eine Demonstration, nie zu müde, um im Nachtzug zu fahren, um mit Studierenden in Bari zu diskutieren, gegen Rassismus in Macerata zu protestieren“, schreiben die Grünen Frauen über Lidia Menapace (im Bild).
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„Nie war sie sich zu alt für eine Demonstration, nie zu müde, um im Nachtzug zu fahren, um mit Studierenden in Bari zu diskutieren, gegen Rassismus in Macerata zu protestieren“, schreiben die Grünen Frauen über Lidia Menapace (im Bild). - Foto: © ANSA / GIGLIA
Die 96-jährige Frauenrechtlerin und Politikerin war in der Nacht auf Montag im Krankenhaus Bozen nach einer Covid-Erkrankung gestorben.

Soziallandesrätin Waltraud Deeg nahm die Nachricht mit Bedauern auf: „Mit Lidia Menapace verliert Südtirol eine wichtige Kämpferin für demokratische Grundrechte und Frauenrechte sowie eine große politische Persönlichkeit. Das Leben Menapaces ist geprägt vom bedingungslosen Einsatz für die Verbesserung der Lebenssituation der Mitmenschen.“

Zeit ihres Lebens blieb Lidia Menapace eine Kämpferin für die Schwächsten in der Gesellschaft, erklärt Deeg: „Sie fand immer klare Worte gegen Unterdrückung jeglicher Art, gegen Aggression und war ihr ganzes Leben lang eine unerschrockene Vordenkerin und Aushängeschild der Frauenrechtsbewegung auch auf gesamtstaatlicher Ebene. Lidia Menapace war eine beeindruckende und sehr authentische Persönlichkeit, sie war Zeit ihres Lebens eine Kämpferin und als solche durfte ich sie auch vor 2 Jahren persönlich kennen und schätzen lernen. Leider hat sie nun ihren letzten Kampf gegen das Virus SARS-CoV-2 verloren. Südtirol wird ihr ein ehrendes Gedenken erhalten und sie als wichtige Vorkämpferin in bleibender Erinnerung behalten.“

Landtagspräsident Josef Noggler würdigt Lidia Menapace

„Lidia Menapace war, zusammen mit Waltraud Gebert Deeg, die erste Frau im Südtiroler Landtag und erste Landesrätin, zuständig für Soziales und Gesundheitswesen. Sie hat ein langes und bewegtes Leben hinter sich, dessen roten Faden man in ihrem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit sehen kann. Sie war Partisanin gegen den Faschismus, Leitfigur der Frauenbewegung in Italien und kämpferische Pazifistin, und sie hat sich nicht gescheut, für ihre Ideen auch auf die Straße zu gehen – auch vor dem Landtag. Ob als Landesrätin für die DC oder als Senatorin für Rifondazione Comunista – der beharrliche Einsatz für ihre Ideale war kennzeichnend für Lidia Menapaces politisches Leben. Auch sie ist Teil der Südtiroler Geschichte und hat einen Teil von ihr mitgeschrieben“, schreibt Noggler in seiner Aussendung,


Kompatscher: „Ihr Einsatz gegen Ungerechtigkeit war vorbildlich“

Landeshauptmann Arno Kompatscher unterstrich in einer Aussendung am Montag, Südtirol „verliert mit Lidia Menapace ein Stück Geschichte, eine Zeitzeugin und Kämpferin gegen die Ungerechtigkeit und für den kulturellen und moralischen Fortschritt unserer Gesellschaft.“

Diesen Einsatz habe sie nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl in Südtirol als auch auf nationaler Ebene in der Politik fortgeführt, und zwar auf ihre energische und kämpferische Art und Weise, so Kompatscher.

Grüne Frauen: „Ihr Leben ist Inspiration und Auftrag“

Auch die Frauen der Grünen und der Grünen Landtagsfraktion nahmen am Montag Abschied:

„Mit Lidia Menapace ist eine große kleine Frau des 20. Jahrhunderts, prägende Feministin und leidenschaftliche Politikerin der ersten Stunde von uns gegangen. Bis zuletzt war sie präsent, immer dabei, wenn es darum ging, die Freiheit der Menschen zu verteidigen. Nie war sie sich zu alt für eine Demonstration, nie zu müde, um im Nachtzug zu fahren, um mit Studierenden in Bari zu diskutieren, gegen Rassismus in Macerata zu protestieren. Gegen Diskriminierung, Rassismus und Frauenfeindlichkeit ein ganzes Leben. Aber vielleicht weniger gegen als für; für Frauen, Menschlichkeit, für ein Denken, das neues zulässt - und immer zum Gespräch bereit. Lidia Menapace hat alles und mehr für Frauen, Gerechtigkeit und Frieden geleistet, als in einem Leben eigentlich möglich ist. Wir werden ihre Anliegen weitertragen.“

Unterberger: „Auch über den Tod hinaus ein Vorbild“

SVP-Senatorin und Präsidentin der Autonomiegruppe im Senat Julia Unterberger fand ebenfalls Worte des Abschieds und der Wertschätzung für die politische Vorreiterin:

„Lidia Menapace hat sich zeitlebens für Demokratie, Frieden, Antifaschismus und Feminismus eingesetzt. Sie wird auch über ihren Tod hinaus Vorbild für all jene sein, die an jene demokratischen Werte glauben, für die sie selbst ein Leben lang gekämpft hat. Ihr großer politisches Verdienst besteht darin, den Kampf für die Rechte der Frauen als Grundelement ihrer politischen Tätigkeit verstanden zu haben und gleichzeitig sämtlichen Formen von Gewalt entgegengetreten zu sein.
Mein Beileid für den Verlust eines so wertvollen Menschen gilt ihren Angehörigen.“

Südtiroler Gesellschaft für Politikwissenschaft trauert um politische Persönlichkeit des Jahres 2018

Die Südtiroler Gesellschaft für Politikwissenschaft/Società di Scienza Politica dell’Alto Adige/Sozietà de Scienza Pulitica de Sudtirol hatte 2018 Frau Lidia Menapace zur Persönlichkeit des Jahres gewählt. Günther Pallaver, Präsident der Gesellschaft schrieb zum Tod der „Feministin und Mutter Courage der Südtiroler Autonomie“ in einer Aussendung:

„Frau Menapace wurde für ihr Lebenswerk geehrt, das sich ausdrückte in ihrem Einsatz für die Grund- und Menschenrechte, für die Demokratie, für soziale Randgruppen und Minderheiten, für die Benachteiligten, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, für die Rechte der Frauen, für die Gewaltlosigkeit und gegen den Krieg.

Lidia Menapace hatte sich bereits während des Zweiten Weltkriegs als Partisanin gegen den Faschismus und Nationalsozialismus eingesetzt und damit für die Menschenwürde und die Demokratie, für Gewaltlosigkeit und den Frieden in der Welt. Sie hat als junge Frau als Partisanin begonnen, sie hat diese Haltung und diesen Einsatz gegen Autoritarismus und Totalitarismus, gegen Militarismus und Krieg bis zu ihrem Tod nie mehr aufgegeben.

Sie hat sich stets für Minderheiten eingesetzt, für soziale Randgruppen, für die gesellschaftlich und ökonomisch Diskriminierten, denen die Menschenwürde vorenthalten wurde und nach wie vor vorenthalten wird. Sie war die Mutter Courage der Südtiroler Autonomie.
Lidia Menapace hat Zeit ihres Lebens für die Würde und die Rechte der Frauen gekämpft. Sie war für diese Würde und diese Rechte in zahlreichen Institutionen (Landtag, Regionalrat, Parlament), Vereinigungen und Bewegungen engagiert, mit ihren Schriften und mit ihrem Wort.

Sie war mit Waltraud Gebert-Deeg die erste Frau, die 1964 in den Südtiroler Landtag gewählt wurde und, immer mit ihrer Kollegin, die erste Frau in der Südtiroler Landesregierung, wo sie die Bereiche soziale Fürsorge und Gesundheit übernahm.

Lidia Menapace ist und bleibt ein Symbol und Vorbild für ein lebenslanges politisches Engagement, für politische Partizipation, für politische Einmischung, für politische Bildung, letztlich für die Demokratie, die auf den Grundprinzipien der Gleichheit, Freiheit, Solidarität und Menschenwürde aufbaut.“


Masera: „Menapace war eine unermessliche Frau“

„Mit dem Tod von Lidia Menapace starb nicht nur eine Partisanin, eine Lehrerin, eine Senatorin, eine Feministin, sondern auch eine immense, scharfsinnige und tiefgründige Frau“, schreibt die Sekretärin des AGB/CGIL, Cristina Masera.

Sie wies in einer Aussendung am Montag auf die vielen Facetten einer großartigen Frau hin, „die immer für die Werte und Rechte aller gekämpft hatte, die ein Beispiel für ihr tiefes Engagement für eine bessere und integrative Gesellschaft war und weiterhin sein wird.“

liz

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