Mittwoch, 13. Oktober 2021

ASGB: Gesundheitssystem vor dem Kollaps – Pflegekräfte schlagen Alarm

Der Vorsitzende des Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbundes (ASGB), Tony Tschenett, und der Sekretär der Fachgewerkschaft Gesundheitswesen im ASGB, Andreas Dorigoni, warnen am Mittwoch vor einem Kollaps des Südtiroler Gesundheitssystems: „Schönfärbereien seien nicht mehr angebracht.“

Der berufliche Alltag des geimpften Pflegepersonals wird immer schlimmer.
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Der berufliche Alltag des geimpften Pflegepersonals wird immer schlimmer. - Foto: © shutterstock
Die beiden Gewerkschafter sind von vielen geimpften Pflegekräften kontaktiert worden, die ein düsteres Bild der Lage in den Krankenhäusern zeichnen:

„Während von den Führungskräften in Dauerschleife das Mantra, die Situation in den Spitälern und im Territorium sei unter Kontrolle, wiederholt wird, sieht die Situation aus der Warte der Pflegekräfte komplett anders aus“, so Tschnett und Dorigoni.

Es sei nicht nur der Fall, dass diese die suspendierten Arbeitskollegen ersetzen müssen: Covid-19-Patienten würden in den Abteilungen ziellos hin- und hergeschoben, auf Ärzte werde Druck ausgeübt, sie sollten schnellstmöglich Patienten mit anderen Pathologien als Covid-19 nach Hause schicken, um Betten freizumachen, und die Pflegekräfte selbst wüssten oft bis am Abend nicht, wie ihr Pflegeplan am nächsten Tag aussieht.

Das größte Problem sei die Planlosigkeit der zuständigen Stellen:

„Wie viele Pfleger werden noch suspendiert? Muss man Abteilungen schließen? Wie sieht meine Schicht aus? Auf all diese Fragen antworten die Verantwortungsträger erst unmittelbar, sobald die Situation eintritt und verstärken somit die Stresssituation für die Bediensteten zusätzlich.“

„Ihr könnt ja gehen“

Ein geregeltes Familienleben sei für die Pfleger aktuell nicht mehr drin und bei Beschwerden werde – wie effektiv geschehen – ein lapidares „Ihr könnt ja gehen!“ zur Antwort gegeben.

„Zudem ist bislang immer noch ungeklärt, wie man heuer bei geöffneten Skipisten die Verletzten versorgen will oder ob für die geplanten Testungen von Nicht-Geimpften für den Green Pass weiteres Personal abgezogen wird. Dies ist kein Umgang mit dem Personal.“

Aber auch die Patienten würden im Stich gelassen. „Die Wartezeiten für Visiten haben schon lange ein erträgliches Maß überschritten und viele Dienste sind in einigen Strukturen gar nicht mehr vormerkbar“, so Tschenett und Dorigoni unisono.

Sonst droht ein Streik

„Angesichts dieser Umstände fordern wir ein Aufwachen der Verantwortlichen. In erster Linie müssen mittelfristige Pläne geschmiedet werden, die für das Personal gelten und diesem auch die Planbarkeit des Privatlebens ermöglichen.“

Genauso wichtig sei es aber, über eine spürbare Aufwertung des Pflegeberufes zu sprechen.

„ Eine angemessene Lohnerhöhung für die Betroffenen ist unabdingbar, um eine wahrscheinliche Kündigungswelle zu verhindern und die Qualität des Südtiroler Sanitätssystems, die letzthin arg gelitten hat, weiter zu garantieren. Sollte auf diese Forderungen nicht reagiert werden, behalten wir uns in allerletzter Konsequenz auch den Ausruf eines Streiks vor“, so Tschenett und Dorigoni.

liz