Dienstag, 24. März 2020

Bauernbund: „Coronakrise trifft auch die Landwirtschaft“

Die Landwirtschaft ist von der Coronakrise betroffen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Während es in einigen Sektoren bisher kaum Auswirkungen gegeben hat, droht in anderen Bereichen ein katastrophales Jahr. Ein Dank richtet der Südtiroler Bauernbund an alle, die derzeit die Lebensmittelversorgung Tag für Tag sicherstellen.

Die verschiedenen Landwirtschaftssektoren sind unterschiedlich stark von der Coronakrise betroffen.
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Die verschiedenen Landwirtschaftssektoren sind unterschiedlich stark von der Coronakrise betroffen. - Foto: © SBB
Die neuesten Bestimmungen, die seit Montag in Kraft sind und weitere Einschränkungen für Betriebe und Arbeiter vorsehen, betreffen die Landwirtschaft nicht oder nur in geringem Maß.

„Bauern können weiter ihrer Arbeit auf den Feldern und in den Ställen nachgehen. Die Arbeit in der Landwirtschaft ist wichtig, weil die Versorgung mit Lebensmitteln sichergestellt werden muss. Zudem stehen viele notwendige Arbeiten an und die Vegetation bleibt auch in Zeiten von Corona nicht stehen. Die allgemeinen Schutzmaßnahmen sind natürlich einzuhalten“, sagt Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler. „Die Waldarbeit ist wie viele andere Produktionstätigkeiten auch bis zum 3. April aber untersagt.“

Sektoren sind unterschiedlich stark betroffen

In den Obstgenossenschaften und Milchhöfen geht die Arbeit derweil weiter. Die Nachfrage nach Äpfeln ist derzeit gut. Schwierigkeiten gibt es beim Transport. In den Genossenschaften selbst wurden die Sicherheitsmaßnahmen, wie genügend Abstand zu halten, frühzeitig umgesetzt.

In den Milchhöfen läuft die Verarbeitung ebenfalls. Milch und Milchprodukte werden auch in Krisenzeiten benötigt. Allerdings fehlt der Tourismus als Abnehmer. Ein Problem könnte die Verfügbarkeit an Verpackungsmaterial werden, sollte die Ausnahmesituation länger andauern.

Schwierige Zeiten erlebt derzeit die Weinwirtschaft. „Die geschlossenen Hotels, Restaurants, Gasthäuser und Weinhandlungen wirken sich deutlich auf den Absatz aus. Nachfrage gibt es derzeit nur noch durch den Großhandel und - eingeschränkt - aus dem Ausland“, erklärt Tiefenthaler.

Düster sieht es beim Zu- und Nebenerwerb aus. Alle Hof- und Buschenschankbetriebe sind geschlossen. „Damit fehlt das wichtige Frühjahrseinkommen“, so Tiefenthaler.

Hart trifft es den Urlaub auf dem Bauernhof, wo ebenfalls alle Betriebe geschlossen sind. Tiefenthaler sieht das Problem fehlender Umsätze: „Auch wenn sich die Situation normalisieren sollte, geht über 2.500 landwirtschaftlichen Betrieben eine wichtige Einnahme verloren, denn die fehlenden Umsätze können heuer nicht wieder aufgeholt werden.“

Die Direktvermarkter haben ebenso mit Problemen zu kämpfen, weil einige Bauernmärkte geschlossen sind. „Das ist unverständlich, denn die Direktvermarkter verkaufen Lebensmittel. Wenn die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden können – und das ist auf den Märkten oft sogar leichter als in Geschäften – sollten die Bauernmärkte eigentlich offen sein und zur Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln beitragen. Zudem wird in den nächsten Wochen die erste größere Menge an frischem Gemüse erwartet“, so Tiefenthaler.

Dramatisch ist die Situation in den Gärtnereien, wo der wichtige Frühjahrsverkauf auszufallen droht. „Das ist für viele Gärtnereien eine Katastrophe“, berichtet Tiefenthaler.

Erschwerte Suche nach Arbeitskräften

Eine Herausforderung ganz anderer Art könnte in den nächsten Wochen die Suche nach Arbeitskräften werden. Sollten die Grenzen weiter geschlossen bleiben, würde das bedeuten, dass die bewährten landwirtschaftlichen Arbeiter aus Osteuropa nicht kommen können. „In diesem Fall hoffen wir, rasch und unbürokratisch heimische Arbeitskräfte einstellen zu können“, so Tiefenthaler.

Dass trotz aller Schwierigkeiten die Versorgung mit Lebensmitteln fast lückenlos funktioniert, ist vielen Akteuren zu verdanken: Den Menschen in den Lebensmittelgeschäften, in den Genossenschaften sowie Verarbeitungs- und Vermarktungsbetrieben, den Transporteuren, den Bäuerinnen und Bauern, die weiter Lebensmittel und Rohstoffe herstellen, und den Angestellten in den Geschäften, die die für die Landwirtschaft notwendigen Betriebsmittel verkaufen.

„Ihnen möchten wir als Südtiroler Bauernbund besonders danken, neben all den Menschen, die etwa in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen derzeit großartiges leisten“, so Tiefenthaler.

stol