Dienstag, 21. September 2021

Bitcoin & Co.: Was man über Krypto-Geld wissen sollte

Wie komme ich an Bitcoin? Was sind diese Coins überhaupt? Die Verbraucherzentrale Südtirol hat die wichtigsten Informationen zu Bitcoin zusammengefasst. Außerdem hat STOl die VZS-Geschäftsführerin Gunde Bauhofer gefragt, was sie Verbrauchern zu Bitcoin als Geldanlage rät.

Neuer Höhenflug für die Kryptowährung.Ws ist ein Bitcoin überhaupt? - Foto: © APA (AFP) / KAREN BLEIER

Das Wort Bitcoin setzt sich aus „bit“ und „coin“ zusammen. Coin steht auf Englisch für Münze, und „bit“ bezeichnet die kleinste Informationseinheit, die ein Computer verarbeiten kann. Gemeinhin ist Bitcoin eine Art digitales Geld, und wird auch als Kryptogeld oder Kryptowährung bezeichnet.

„Krypto“ kommt seinerseits von Kryptographie, womit man Verschlüsselung bezeichnet. Bevor wir jedoch den Bitcoin genauer definieren können, muss man erst noch ein anderes Konzept erläutern, das untrennbar mit dem Bitcoin verbunden ist.





Die Blockchain

Die Blockchain ist, wie der englische Name vermuten lässt, eine Kette aus Informations-Blöcken. Ihren Erfindern nach sind Informationen, die in der Blockchain (genauer im distributed public ledger, also „verteilten öffentlichen Journal“) gespeichert sind, fälschungssicher und chronologisch eindeutig zuordenbar. Dies weil jeder Block einen Verweis auf den vorhergehenden Block enthält.

Die Informationen in der Kette sind mittels Kryptographie verschlüsselt, wobei die Verbindung zwischen den Kettengliedern mittels Kryptographie gegen Fälschung (Austausch von Kettengliedern) geschützt sind. Auch die Transaktionen im öffentlichen Journal sind mittels Kryptographie gegen Fälschung geschützt, das Journal selbst (Inhalt und Reihenfolge) sind nicht verschlüsselt.

Anders als bei der Ausgabe neuer Banknoten durch eine Zentralbank werden neue Bitcoin-Einheiten durch die computerbasierte Lösung kryptographischer Aufgaben, das sogenannte Mining (Schürfen), geschaffen, wobei die Maximalmenge jedoch auf 21 Millionen Bitcoins beschränkt ist. Davon ist ein Großteil bereits erschaffen worden, erklärt die VZS in der Aussendung.

Wie erhalte ich sie und wie gebe ich sie aus?

Bitcoins werden normalerweise über ein elektronisches Wallet verwaltet, also eine elektronische Geldbörse. Wichtig ist vorab abzuklären, welche Kosten für welches Wallet anfallen. Auch die Zahlungen laufen über dieses Wallet. Alternativ dazu kann eine lokale Bitcoin-Software verwendet werden. Die Wallets sind bis dato nicht einheitlich reguliert, auch wenn in Europa Vorstöße zur Regulierung der Technologien stattfinden.

Kommerzielle Wallets unterliegen je nach Land also durchaus Vorschriften, wie beispielsweise zur Erfassung der Identität ihrer Kunden oder Meldung von Verdachtsfällen, und mit den in der EU geplanten Normen zur Bekämpfung der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung dürften sich diese Auflagen vervielfältigen (dies gilt im Fall von selbstgehosteten Wallets nicht).

Wofür kann man Bitcoin verwenden?

Es gibt eine ganze Reihe von Diensten und Waren, die mit Bitcoin erworben werden können– von Passwort-Manager-Programmen die auf absolute Anonymität setzen bis hin zu Pizza-Automaten werden Bitcoins akzeptiert. In die Kritik kommen Bitcoin immer wieder, weil sie – aufgrund ihrer Anonymität – für kriminelle Zwecke, beispielsweise für die Bezahlung von Lösegeld (sei es nun bei Entführungen oder bei der Sperre von Daten durch Ransomware), verwendet werden.

Wie viel sind Bitcoin wert?


Der Preis von Bitcoin definiert sich allein durch Angebot und Nachfrage, und kommt durch einen börsenähnlichen Mechanismus zustande. Da keine Zentral- oder Notenbank für das Kryptogeld garantiert, schwankt der Kurs beträchtlich. Die Bezeichnung „Kryptowährung“ ist daher auch irreführend – hinter Währungen stehen Staaten, Noten- oder Zentralbanken, hinter Kryptogeld stehen Informationskettenblöcke. Wie stark der Kurs schwanken kann, zeigt ein Blick auf den Kursverlauf der letzten Monate:



Durch diese Art der Kursfestlegung ist der Bitcoin-Kurs extrem anfällig für externe Einwirkungen; so war beispielsweise ein Twitterpost von Tesla-Chef Musk mit der Ankündigung, Tesla werde keine Zahlungen in Bitcoin mehr akzeptieren, ausreichend um den Kurs um 15 Prozent einbrechen zu lassen, schreibt die VZS weiter.

Bitcoin als Geldanlage

Diese Anfälligkeit für Schwankungen ist auch der Grund, warum Bitcoin als Geldanlage das Prädikat „hochspekulativ“ verdienen: eine Anlage in Bitcoin kann nur erwogen werden, wenn man auf das jeweilige Kapital auch verzichten kann. Für vorsichtige Anleger mit konkreten Spar- und Anlagezielen heißt die Devise also „Hände weg“. Bitcoin als Zahlungsmittel, kurz vor dem Ausgabedatum erworben, haben hingegen ein überschaubares (und somit in den meisten Fällen auch verkraftbares) Risiko.

Die Anderen: Doge-Coin & Co.

Bitcoin ist nicht das einzige Kryptogeld, es gibt mehrere davon, wie beispielsweise Ether, Ripple oder Doge-Coin, welche über die verschiedensten Handelsplattformen erhältlich sind. Gegen die Plattform „Binance“ hat die italienische Börsenaufsichtsbehörde Consob im Juli 2021 eine Warnung ausgesprochen, weil, laut Consob, alle investierten Beträge verloren gehen können. Diese Warnung lässt sich auf alle Krypto-Assets ausdehnen, unabhängig von der Handelsplattform, erklärt die VZS.

Achtung, Trittbrettfahrer!


Neben den tatsächlich existierenden Kryptogeldern gab und gibt es auch als Kryptgelder vermarktete Pyramidensysteme, wodurch noch mehr Anlass zur Vorsicht besteht. Aufsehenerregendstes unter diesen Systemen war sicherlich „OneCoin“, das laut diversen Staatsanwaltschaften weltweit über 4 Milliarden US-Doller verschwinden ließ (auch in Südtirol war das System tätig). In 20 Ländern laufen die Ermittlungen gegen die Spitzen des Systems. In Italien hat die Antitrustbehörde das System als illegales Pyramidensystem identifiziert und eine Strafe von 2,6 Millionen Euro verhängt.

Problematisch für die Umwelt?

Insbesondere Bitcoin kommen immer wieder in die Kritik, weil für deren Mining enorm viel Energie benötigt wird. Da dieses vielfach in Ländern erfolgt, in denen der Strom vor allem aus nicht erneuerbaren Rohstoffen gewonnen wird, haben die generierten Emissionen entsprechend große Auswirkungen auf das Klima. Eine Bitcoin-Transaktion brauchte im Mai 2021 durchschnittlich 1200 kWh elektrische Energie; hingegen benötigt eine Überweisung mit einer Kreditkarte durchschnittlich etwa 1,5 Wattstunden (0,0014863 kWh), teilt die VZS in der Aussendung mit.

Fazit

„Lassen Sie sich von den technischen Schlagworten und versprochenen Gewinnspannen nicht ins Bockshorn jagen – Kryptogeld ist ein hochspekulatives Anlageprodukt. Durch die extremen Kursschwankungen kann auch das gesamte angelegte Kapital praktisch über Nacht verpuffen. Krypotgeld als Zahlungsmittel, kurzfristig angekauft und dann wieder ausgegeben, hat dagegen überschaubare Risiken. Die Europäische Union arbeitet derzeit sowohl an einer einheitlichen Regulierung der verschiedenen Kryptogelder, Wallets und Plattformen als auch an der Einführung eines „digitalen Euro“, der als – geregelter - Ersatz der Coins dienen soll“, schreibt die VZS weiter.

Die aktuelle Lage

Der Bitcoin-Kurs ist schlecht in die Woche gestartet, mit einem Minus von 7 Prozent. Lag der Kurs Anfang September noch bei über 44.000 Euro, so pendelt er derzeit bei 36.000 Euro, mit einem Verlust von 8000 Euro, ein Minus für über 18 Prozent in 3 Wochen. Analysten gehen davon aus, dass es hierfür verschiedene Gründe geben dürfte: Regulierungsvorstöße der amerikanischen Behörden, ähnliche Vorhaben in Europa sowie die negative Auswirkung des Energieverbrauchs der Bitcoin (laut der Universität von Cambridge verbrauchen die Bitcoin aktuell circa 101 TWh pro Jahr, das liegt knapp unter dem Strombedarfs der Niederlande pro Jahr).

„Diese Kursschwankungen zeigen deutlich, dass Bitcoin als Geldanlage mit dem Prädikat „hochspekulativ“ zu versehen ist“ erklärt VZS-Geschäftsführerin Gunde Bauhofer.

STOL: Was sind die häufigsten Sorgen der Verbraucher?

Gunde Bauhofer: Bei den meisten Anfragen geht es darum, wie Verbraucher überhaupt Kryptowährungen erhalten können. Dabei muss man sich aber stets dessen bewusst sein, dass sich Kryptowährungen gut als kurzfristige Geldanlagen eignen, aber durchaus mit Risiken verbunden sind.

STOL: Was raten Sie den Verbrauchern?

Bauhofer: Investiertes Geld kann verlorengehen - das muss den Verbrauchern bewusst sein. Man sollte nie das ganze Eigenkapital investieren, sondern nur einen Teil davon, sodass man nicht gänzlich auf dem Trockenen sitzt, falls etwas schiefläuft. Wie viel Geld man investieren kann, hängt von den persönlichen Fixkosten, Sparzielen und Kapital-Sicherheiten ab. Sein Geld in Bicoin anlegen kann nur, wer auch damit klar kommt, dass das Geld praktisch „über Nacht“ verpuffen kann. Vorsichtige Anleger mit klaren Spar- und Anlagezielen sollten gut abwägen, ob sie in Krpytogeld investieren.

STOL: Wie viele Anfragen erreichen die Verbraucherzentrale zum Thema Kryptowährung?

Bauhofer:
Mal sind es mehr, mal weniger, die Anfragen kommen und gehen sehr wellenartig. Aber das Interesse an Kryptowährungen ist über die Jahre nie vollständig erloschen.



stol/lmn

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