Donnerstag, 04. Juni 2020

Handelskammer fordert Österreich zu sofortiger Öffnung der Grenzen auf

Geschlossene Grenzen zu Österreich sind fatal für Südtirol, für den Südtiroler Tourismus und damit für die gesamte heimische Wirtschaft. Die Handelskammer Bozen setzt sich auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene für die sofortige Öffnung der Grenzen Österreichs zu Italien ein. Denn: Aufgrund der epidemiologischen Zahlen vor allem in Südtirol aber auch in anderen Regionen Italiens ist die Haltung Österreichs nicht nachzuvollziehen.

Aufgrund der epidemiologischen Zahlen vor allem in Südtirol aber auch in anderen Regionen Italiens ist die Haltung Österreichs nicht nachzuvollziehen.
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Aufgrund der epidemiologischen Zahlen vor allem in Südtirol aber auch in anderen Regionen Italiens ist die Haltung Österreichs nicht nachzuvollziehen. - Foto: © DLife/lo
Die Entscheidung der Österreichischen Regierung ab Donnerstag die Grenzen gegenüber Deutschland, Liechtenstein, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn - aber nicht Richtung Italien zu öffnen, ist deshalb für Südtirol ein harter und sachlich nicht verständlicher Schlag. Dass die Grenz- und Gesundheitskontrollen Österreichs zu Italien als einziges Nachbarland weiter bestehen bleiben, steht im Gegensatz zum koordinierten Vorgehen der Joint European Roadmap, die von der Europäischen Kommission vorgestellt wurde.

Zahlen in Wien und Bayern „schlechter“ als in Südtirol

Aufgrund der epidemiologischen Zahlen vor allem in Südtirol aber auch in anderen Regionen Italiens ist die Haltung Österreichs nicht nachzuvollziehen. In Südtirol beträgt die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner 0,9, das bedeutet, Südtirol hatte in den letzten 7 Tagen mit seinen knapp über 531.000 Einwohnern nur 5 Neuinfektionen. Zum Vergleich hat Wien mit fast 2 Millionen Einwohnern einen 7-Tage-Inzidenz-Wert von 7,4 (141 Neuinfektionen), also acht Mal mehr als Südtirol. Bayern liegt derzeit bei 3,4 (442 Neuinfektionen) und Baden-Württemberg bei 1,9 (214 Neuinfektionen).





„Die Handelskammer Bozen hat Eurochambres, den Dachverband der europäischen Handelskammern, der 20 Millionen Unternehmen aus 43 Ländern vertritt, um Intervention gebeten“, informiert Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen und Vizepräsident von Eurochambres.

Grenzöffnung bei objektiver Bewertung ab sofort möglich

Darüber hinaus hat die Handelskammer Bozen die österreichische und die deutsche Bundesregierung um Unterstützung gebeten, dass zumindest die Grenzen zu Südtirol sofort geöffnet werden, da unser Land ähnlich gute epidemiologische Zahlen aufweist wie Österreich und Deutschland. Die Reisefreiheit in grenznahen Gebieten, die einen guten Stand in der Bekämpfung der Corona-Pandemie aufweisen, sollte bei einem Mindestmaß an objektiver Bewertung dieser Zahlen sofort möglich sein.

Wie berichtet, hat am Donnerstag auch der italienische Konsumentenschutzverband Codacons Österreich beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) angezeigt. Der Vorwurf lautet auf Verletzung der EU-Verträge, nachdem Österreich beschlossen hat, die Grenzen zu Italien nicht zu öffnen.

stol