Mittwoch, 07. Juli 2021

Klima Club Südtirol: Mit erneuerbaren Energien in die Zukunft

Politik und Gesellschaft müssen bereit sein, neue Wege zu gehen und alte, nicht klimafreundliche Gewohnheiten aufzugeben, schreibt der Klima Club in einer Aussendung.

Politik und Gesellschaft müssen  bereit sein, neue Wege zu gehen und alte, nicht klimafreundliche Gewohnheiten aufzugeben
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Politik und Gesellschaft müssen bereit sein, neue Wege zu gehen und alte, nicht klimafreundliche Gewohnheiten aufzugeben - Foto: © shutterstock
Wenn Südtirol die international verbindlich vereinbarten Klimaziele erreichen will, dann ist ein sofortiger Stop der Investitionen in Infrastrukturen für fossile Energien und eine breite gesellschaftliche Diskussion über einen massiven Ausbau von regenerativen Energien erforderlich, so heißt es in der Aussendung.

Verschiedene Studien zeigen, dass das Kohlenstoff-Budget auf der Erde nur mehr für ungefähr 7 Jahre reicht, wenn wir weiter Treibhausgase in diesem Tempo emittieren. Johann Rockström, einer der beiden wissenschaftlichen Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, schlug bereits im November 2019 Alarm: „Der Mensch sei im Begriff, jene kritische Grenze zu überschreiten, bei der das System Erde irreversibel aus dem Lot gerate.“ Rockström und eine Gruppe von Erdsystem- und Klimaforschern sind zum Schluss gekommen, dass es Indizien für einen planetaren Notstand gebe.

Laut den Wissenschaftlern spielen 2 Faktoren zusammen: das hohe Risiko für gravierende Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschheit und die knappe Zeit, in der man es schaffen müsse, die Treibhausgasemissionen drastisch zu senken. Noch in diesem Jahrzehnt müsse das Ruder herumgerissen werden: „Der Menschheit muss es gelingen, in jedem Jahrzehnt den Ausstoß an Treibhausgasen zu halbieren“, wird Rockström im Spiegel weiter zitiert. Die Wissenschaftler zeigten sich überrascht, dass sich das Klimasystem so schnell verändert. Einige äußerten die Besorgnis, dass die sich selbst verstärkenden Effekte (die sogenannten „Kippeffekte“) früher ausgelöst werden könnten, als bisher angenommen.

Die EU hat vor Kurzem die Klimaziele weiter verschärft, demnach müssen bis zum Jahr 2030 die Treibhausgasemissionen um 55 Prozent reduziert werden (bisher waren 40 Prozent bis 2030 vorgesehen). Der Weltgemeinschaft und vor allem den EU-Staaten scheint der Ernst der Lage langsam bewusst zu werden, so heißt es in der Aussendung weiter.

Was macht Südtirol?

Südtirol hat durch die hohe Produktion von erneuerbarem Strom aus Wasserkraft einen großen Vorteil. In unserem Land wird derzeit fast doppelt so viel CO2 neutraler Strom produziert, wie wir Südtiroler selbst verbrauchen. Schaut man sich jedoch den Anteil an erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch an, hat Südtirol bis 2030 noch einen enormen Aufholbedarf, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen.




Die EU-Vorgaben des sogenannten “Green Deal“ sehen vor, bis 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen um 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Der Anteil an regenerativen Energien in Südtirol am gesamten Energieverbrauch ist derzeit wegen der fossil betriebene Heizungen und dem Verkehr gering, muss aber bis spätestens 2050 auf 100 Prozent steigen. Es geht auch nicht allein um die Emissionen durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern. Die Landwirtschaft und speziell die Viehhaltung leisten laut dem Eurac Klimareport von 2018 mit 18 Prozent ebenso einen wesentlichen Beitrag an der Freisetzung von Treibhausgasen.

Südtirol setzt weiter massiv auf fossile Energien

Im Augenblick werden in mehreren Südtiroler Bergdörfern wieder neue Methangas-Leitungen verlegt, insgesamt 62 von 116 Südtiroler Gemeinden werden heute ganz oder teilweise mit Methangas versorgt. Diese Infrastrukturen werden nach wie vor zum Teil mit Steuergeldern oder Umlagen auf den Gaspreis finanziert. Eine Gas-Infrastruktur hat eine Lebensdauer von 40-50 Jahren, es ist also keineswegs nachvollziehbar, wieso diese Investitionen heute immer noch getätigt werden, wenn alle wissen, dass wir bis spätestens 2050 klimaneutral sein müssen, so schreibt der Klima Club Südtirol.




Um das zu erreichen sei ein sofortiger Stop der Investitionen in fossile Energieträger wie Methangas erforderlich. Derzeit werden in Südtirol aber immer noch jährlich ungefähr 300 Millionen Kubikmeter Methangas verbrannt und über 50 Prozent der Heizenergie in Südtirol aus Methangas erzeugt, Tendenz steigend. Das verursacht einen CO2 Ausstoß von mehr als 700.000 t pro Jahr. Das deutsche Umweltbundesamt hat errechnet, dass jede Tonne freigesetztes CO2 Folgekosten von 180 Euro verursacht. Damit werden allein durch die Verbrennung von Methangas in Südtirol jährliche Folgekosten von 126 Millionen Euro verursacht.

Südtirol hat viele Alternativen


Südtirol sei mit Ressourcen reich gesegnet, es gebe außer der genannten Wasserkraft noch viele weitere erneuerbare Energie-Quellen: So werden beispielsweise bereits jetzt jährlich über 300.000 t CO2 durch Fernwärme und Strom aus Biomasse eingespart, ein durchaus noch weiter ausbaufähiger Bereich. Große Möglichkeiten bietet auch die Photovoltaik mit potentiellen 1440 GWh auf Südtirols Dächern (Berechnungen EURAC-Institut für Erneuerbare Energie).

Der Bereich Agri-Photovoltaik hat in Südtirol ebenfalls großes Potential, handelt es sich doch um einen Sektor, der bislang fast gänzlich außer Acht gelassen wurde. Auf internationaler Ebene herrscht Konsens darüber, dass die Agri-Photovoltaik in naher Zukunft eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Klimaziele spielen wird.

Da die erneuerbaren Energieträger Wasserkraft und Biomasse in Südtirol bereits auf einem guten Weg sind, sollte Südtirol vermehrt auf Photovoltaik setzen, um seine CO2-Bilanz deutlich zu verbessern.

Alle erneuerbaren Energieträger benötigen Raum, deshalb bedarf es einer breiten Diskussion zum Thema Landnutzung für die Produktion erneuerbarer Energien beziehungsweise welche Flächen man hierzu in Zukunft nutzen könnte, so schreibt der Klima Club Südtirol abschließend.


stol