Freitag, 20. Dezember 2019

Neuer Vergleichsrechner für Arzneimittel online

Der Preis von Medikamenten hängt von vielen Faktoren ab und kann deutlich schwanken. Für ein und denselben Wirkstoff lassen sich auch Preisunterschiede von über 90% feststellen. Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) hat, im Rahmen des Projekts „all e-nclusive: Technologien - Beeinträchtigungen - Armut“, ein Preisvergleichs-Tool erstellt, welches einen kostenlosen Online-Vergleich der Preise erlaubt.

Preise von Arzneimitteln können ab sofort online verglichen werden.
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Preise von Arzneimitteln können ab sofort online verglichen werden. - Foto: © dpa-tmn / Andrea Warnecke
Wie viel kostet mich ein Medikament? Um die Frage zu beantworten, muss man zum einen zuerst prüfen, ob es sich tatsächlich um ein Medikament handelt. Dies kann man anhand der Buchstabenkombination „AIC n.“ gefolgt von einer Nummer, feststellen. Fehlt diese Angabe, handelt es sich nicht um ein Medikament, sondern um ein anderes Produkt (wie z.B. ein Nahrungsergänzungsmittel).

Danach muss man die „Art“ des Medikaments kennen. Die Medikamente werden in Klassen unterteilt. Es gibt, stark vereinfacht gesagt, rezeptpflichtige Medikamente verschiedenerer Klassen (A, H und C) sowie sogenannte OTC-Medikamente (aus dem englischen für over the counter, also „über den Ladentisch“, formell Klasse „C-bis“), für die es kein Rezept braucht. Je nach Art gibt es auf der Schachtel eine Preisangabe (z.B. Klasse C) oder keine (OTC-Medikamente).

Preise meist national einheitlich

Die Kosten für die Klassen A und H werden vom nationalen Sanitätsdienst übernommen. Bei den Medikamenten der Klasse C (rezeptpflichtig) gibt es einen einheitlichen nationalen Preis, der direkt von der Nationalen Agentur der Medikamente (Agenzia Italiana del Farmaco, AIFA) mit den Herstellern ausgehandelt wird, und der nur im Januar der ungeraden Jahre geändert werden darf. Auf diesen Preis kann dann die einzelne Apotheke einen Preisnachlass gewähren. Bei den OTC-Medikamenten hingegen legt die einzelne Apotheke, Para-Apotheke oder „Gesundheits-Ecke“ im Supermarkt den Preis fest (diese Mittel können auch außerhalb von Apotheken rezeptfrei verkauft werden und dürfen beworben werden).

Der dritte preis-relevante Faktor ist die Art der Verschreibung: Erfolgt die Verschreibung im Rahmen des Gesundheitsdienstes (erfolgte früher über die roten Rezepte), zahlen die Bürger nur den Ticketbetrag, sowie bei Vorhandensein eines „Generikums“ den Preisunterschied, falls sie trotzdem das Markenprodukt bevorzugen. In diesem Fall besteht für die Apotheker eine Informationspflicht.

Online-Tool kann beim Sparen helfen

Außerhalb davon (z.B. auf Verschreibung eines privat praktizierenden Arztes), tragen die Bürger die gesamten Kosten für die Medikamente. Und genau hier kann das Online-Tool der VZS beim Sparen helfen: eine Suche über Markennamen oder Wirkstoff zeigt eine Liste der erhältlichen Medikamente in der jeweils gewünschten Form und Dosierung, sowie den jeweiligen Höchstpreis und Preis pro Einheit. Solcher Art kann man erfahren, ob es eventuell günstigere Alternativen gibt.

Ein Beispiel, dass sich der Preisvergleich lohnen kann, ist der Entzündungshemmer Ibuprofen zu 400 mg gibt es im Preisintervall von 0,09 € bis 0,98 € pro Tablette, mit einem satten Preisunterschied von 91%.

Im Internet finden sich jede Menge Vergleichstools, die solche OTC-Preise wiedergeben. Teilweise kann man auch direkt vom Vergleich zum Online-Kauf des OTC-Medikaments gelangen. Zum einen gilt es bei Onlinekäufen zu überprüfen, ob es sich um eine zugelassene Online-Apotheke handelt (in Italien dürfen nur jene Apotheken online Medikamente verkaufen, die auch eine physische Geschäftsniederlassung haben), indem man auf das entsprechende Siegel klickt, um das Ok des Gesundheitsministeriums zu sehen.

Das neue Tool der VZS soll die Ziele des mehrjährigen nationalen Projekts, an dem die VZS mit 3 Partnervereinen (Assoutenti als Projekt-Leader, Adiconsum und Lega Consumatori) teilnimmt, der Umsetzung näher bringen: durch Anwendung der neuen Technologien Möglichkeiten schaffen, die Armutsfaktoren entgegenwirken können. „Gerade auch deshalb haben wir dort angesetzt, wo die Ausgabe nicht freiwillig ist: bei den verschriebenen Medikamenten, die der Gesundheitsdienst aber nicht trägt“ kommentiert VZS-Geschäftsführer Walther Andreaus.


Hier geht es zum Vergleichsrechner

stol

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