Dienstag, 28. April 2020

Schutzhütten-Wirte fürchten um Existenz

Sie gehören zu Südtirol wie Knödel, Ortler und Törggelen: die Schutzhütten. Der heurige Sommer allerdings stellt die Betreiber vor Probleme, die nicht nur an die Nervensubstanz gehen, sondern auch an die Existenzgrundlage.

Die Sesvennahütte ist ein beliebtes Ausflugsziel, im Sommer und im Winter. Nun aber stellt sich für die Pächter der AVS-Hütte die Frage, wie sie die strengen Corona-Schutzauflagen einhalten sollen.
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Die Sesvennahütte ist ein beliebtes Ausflugsziel, im Sommer und im Winter. Nun aber stellt sich für die Pächter der AVS-Hütte die Frage, wie sie die strengen Corona-Schutzauflagen einhalten sollen. - Foto: © Privat
Die Gastbetriebe im Land werden sich auf allerlei Schwierigkeiten einstellen müssen: Das Coronavirus zwingt auch ihnen seinen Willen auf, da führt kein Weg daran vorbei. Zu den Leidtragenden gehören auch die Schutzhütten. Auch sie müssen – wollen sie die Türen überhaupt im Sommer öffnen – Auflagen einhalten, mit denen sie bislang höchstens in schlechten Träumen konfrontiert worden waren.

„Wir hängen völlig in der Luft“ fasst Michaela Abarth die Lage zusammen. Sie betreibt gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und Geschäftspartner Markus Waldner die Sesvennahütte im Schliniger Tal, eine der bekanntesten und beliebtesten Hütten weitum.

Gegen Mitte März musste die Hütte von einem Tag auf den anderen geschlossen werden, erklärt Abarth. Man habe noch ausländische Gäste gehabt, diese dann aber nach Hause schicken müssen. Seit damals „steht alles still“, wie die Pächterin sagt.

Viele Unsicherheiten

Das wäre noch irgendwie zu verkraften, wenn man nun mindestens wüsste, wie es jetzt weitergehen soll. Aber dem ist nicht so, die Unsicherheiten sind groß. Wie soll man im Sommer den Zugang zu den Toiletten regeln?, wie soll man die Nutzung der Schlaflager regeln?, müssen im Schankbereich Plexiglasscheiben montiert werden oder kann man es sich überhaupt leisten, Personal zu suchen und zu beschäftigen? Und was ist mit dem Zugang zu Essbereichen, Tischen und der Hütte allgemein?

Diese Fragen beschäftigen Michaela Abarth und ihre Familie bei Tag und bei Nacht, denn sie leben immerhin von der Schutzhütte. „Was ist, wenn es keine oder nur wenige Einnahmen gibt, was soll man dann tun?“, fragt sie sich.

So wie viele andere Pächter und Betreiber von Almen und Hütten im ganzen Alpenraum auch, haben sich auch die Sesvennahüttenwirte bereits ihre Corona-Gedanken gemacht. Aber da es noch keine verbindlichen Anweisungen gibt, sind diese derzeit nur Gedankenspiele. Man hofft außerdem auch, dass der Alpenverein Südtirol (AVS) die Hüttenwirte unterstützt, wo immer das möglich ist.

Michaela Abarth sagt offen, dass ihre Sesvennahütte noch vergleichsweise gut dastehe. Es gebe andere Hütten im Vinschgau, deren Ausgangslage schlechter sei und deren Betreiber nochmals mehr Probleme hätten als sie und ihre Familie. „Aber wenn wir den heurigen Sommer halbwegs schuldenfrei überstehen, müssen auch wir zufrieden sein“.

Bei aller Unsicherheit ist die Hüttenwirtin aus Mals aber nicht zur Gänze pessimistisch. Sie glaubt, dass auch Corona vorübergehen wird und dass die Südtirolerinnen und Südtiroler über längere Zeit vieles wieder wettmachen können, was jetzt den Bach runtergeht. „Wenn wir alle zusammenhalten und uns gegenseitig helfen, dann geht es auch wieder aufwärts“.

stol

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