Freitag, 12. Februar 2021

Südtirol: 8,4 Prozent weniger Außenhandel wegen Coronakrise

Das Landesinstitut für Statistik (ASTAT) teilt mit, dass im 1. Halbjahr 2020 Waren im Wert von 2262,8 Millionen Euro aus Südtirol ausgeführt wurden. Dies entspricht einem Rückgang um 8,4 Prozent gegenüber demselben Zeitraum 2019 aufgrund des Covid-19-Notstands.

Due Ausfuhren aus Südtirol nahmen im 1. Halbjahr 2020 aufgrund der Pandemie deutlich ab.
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Due Ausfuhren aus Südtirol nahmen im 1. Halbjahr 2020 aufgrund der Pandemie deutlich ab. - Foto: © Shutterstock / shutterstock
Der Ausbruch der Covid-19-Pandemie hat zahlreiche und schwerwiegende Auswirkungen auf die Wirtschaft weltweit nach sich gezogen, von denen, wie erwartet, auch Südtirol nicht verschont blieb.

Die Ausfuhren aus Südtirol ins Ausland stellen dabei keine Ausnahme
dar. In dieser Mitteilung und der entsprechenden Tabellensammlung wird die Entwicklung der Ausfuhren von Südtirol ins Ausland im ersten Halbjahr 2020 untersucht. Dabei werden die ersten 6 Monate des Jahres analysiert und mit demselben Zeitraum des Vorjahres verglichen.


Einbruch der Exportzahlen im April

In den ersten 3 Monaten des Jahres 2020 entwickelten sich die Südtiroler Ausfuhren positiv: Im Jänner gab es ein Plus von 1,4 Prozent, dem ein Zuwachs von 12,1 Prozent im Februar folgte. Im März stiegen die Ausfuhren trotz erster Probleme infolge des Lockdowns noch um 4,3 Prozent an.

In den darauffolgenden 2 Monaten kam es zur unvermeidlichen und drastischen Trendumkehr. Dieser Zeitraum wurde deutlich stärker
von den Einschränkungen beeinflusst: Im April brachen die Ausfuhren um 34,3 Prozent gegenüber demselben Vorjahreszeitraum ein, während der Rückgang im Mai 24,8 Prozent gegenüber Mai 2019 betrug. Im Juni führte die schrittweise Rückkehr zur Normalität zu einem nur
geringen Rückgang der Ausfuhren um 2,3 Prozent gegenüber Juni 2019. Insgesamt wurde der Export im 1. Halbjahr 2020 im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum sehr stark eingebremst und verzeichnete einen Rückgang um 8,4 Prozent.

Die Folgen der Krise haben sich auf die Ausfuhren in die wichtigsten Staaten, in welche die Südtiroler Betriebe exportieren, sehr unterschiedlich ausgewirkt. Im März stiegen die Ausfuhren nach Deutschland (+13,9 März) und in die Schweiz (+7,6 Prozent) noch klar an, während jene nach Österreich (-23,7 Prozent) und in die Vereinigten Staaten (-9,0 Prozent) bereits rückläufig waren.

Im April brachen die Exporte in alle Zielgebiete ein. Die Ausfuhren in die Schweiz (-15,0 Prozent) und in die Vereinigten Staaten (-23,0 Przent) sanken jedoch weniger stark als jene nach Frankreich (-43,4 Prozent), Österreich (-43,3 Prozent) und Schweden (-40,5 Prozent).

Im Mai verzeichneten die Exporte in die Schweiz sogar ein Plus von
4,5 Prozent, während die größten Rückgänge die Ausfuhren nach Deutschland (-29,4 Prozent) und Österreich (-29,0 Prozent) betrafen.

Im Juni zogen die Exporte nach Schweden (+43,3 Prozent) und in die Schweiz (+17,1 Prozent) merklich an und auch jene nach Österreich (+6,6 Prozent) nahmen zu. Nach Frankreich (-5,0 Prozent) und Deutschland (-4,3 Prozent) wurde hingegen weiterhin weniger exportiert als im Vorjahr.

Insgesamt entwickelten sich die Exporte in die Schweiz während des ersten Halbjahres am besten (+5,8 Prozent) und verzeichneten die einzige Zunahme unter den wichtigsten Handelspartnern Südtirols. Geringere Rückgänge im Vergleich zum Durchschnitt verzeichneten die Ausfuhren nach Schweden (-0,9 Prozent) und Deutschland (-6,5 Prozent), während die beträchtlichsten Einbußen jene nach Österreich (-15,6 Prozent) und, etwas weniger stark, in die Vereinigten Staaten (-9,1 Prozent) und nach Frankreich (-8,7 Prozent) betrafen.


Die Untersuchung der Ausfuhren nach Kontinenten
ergibt, dass das Jahr 2020 in Bezug auf die Exporte in
die EU-28-Staaten verheißungsvoll begonnen hatte:
+1,7% im Jänner, +15,0% im Februar und +3,9% im
März. April (-35,2%) und Mai (-27,2%) verzeichneten
dagegen sehr deutliche Rückgänge. Im Juni 2020 erreichten die Ausfuhren die Werte von Juni 2019. Die
Exportzuwächse in die europäischen Nicht-EUStaaten fielen am Jahresanfang geringer aus (+0,5%,
+4,1% und +5,5%), aber auch die Rückgänge in den
drei Folgemonaten waren etwas moderater (-31,5%, -
17,5% und -8,5%). Insgesamt verzeichneten sowohl
die Ausfuhren in die EU-Staaten als auch jene in die
europäischen Nicht-EU-Staaten in den ersten sechs
Monaten 2020 einen Rückgang um 8,4%. Die Ausfuhren nach Asien, das als erstes von der Pandemie
betroffen war, sanken bereits im Jänner deutlich
(-18,8%) und im Februar etwas weniger (-1,2%). Im
März ergab sich ein Plus von 3,0%, während die
Exporte nach Asien im April (-38,4%), Mai (-10,8%)
und Juni (-24,8%) sehr stark zurückgingen. Der Gesamtsaldo des ersten Halbjahres betrug -15,0%. Die
Ausfuhren nach Amerika verzeichneten im Jänner
noch ein Plus von 11,0%, während sie in allen fünf
Folgemonaten rückläufig waren (Februar -14,1%,
März -2,3%, April -36,9%, Mai -26,6% und Juni
-6,2%). Einzig die Ausfuhren nach Afrika ergaben für
das gesamte 1. Halbjahr 2020 einen Zuwachs gegenüber 2019 (+13,3%), wobei jedoch die Exportwerte in
absoluten Zahlen relativ gering sind.


Exportzunahme bei den landwirtschaftlichen Erzeugnisse – großer Rückgang bei den Fahrzeugen

Die Auswirkungen der Krise infolge des Ausbruchs der Pandemie auf die Wirtschaftsbereiche, die am meisten zu den Südtiroler Ausfuhren beitragen, fielen sehr unterschiedlich aus. Es scheint, als ob der Landwirtschafts- und Lebensmittelsektor keine bzw. kaum
Einbußen hinnehmen mussten.

Die Erzeugnisse der
Land- und Forstwirtschaft und Fischerei verzeichneten in allen ersten 6 Monaten des Jahres 2020 gegenüber 2019 Zunahmen, auch im April (+7,8 Prozent) und Mai (+5,7 Prozent); im Juni betrug der Zuwachs sogar 32,3 Prozent.

Insgesamt verzeichnete dieser Bereich eine Zunahme um 9,3 Prozent im untersuchten Halbjahr. Eine positive Entwicklung wiesen auch die Ausfuhren der Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren auf: Die
Zunahmen in den ersten 3 Monaten waren zweistellig (+15,1 Prozent, +13,7 Prozent und +25,2Prozent) und die Rückgänge im April (-6,6 Prozent) und Mai (-15,9 Prozent) mäßig, während der Juni wieder ein Plus verzeichnete (+5,7 Prozent).

Gänzlich gegensätzlich sieht es bei den Fahrzeugen aus. Nach anfänglichen Zunahmen (+0,8 Prozent im Jänner und +7,8 Prozent im Februar) kam es im März zu einem Stopp (-4,2 Prozent) und ab April zu deutlichen Einbrüchen (April -80,8 Prozent, Mai -48,8 Prozent und Juni -32,9 Prozent).

Insgesamt verbuchte der Sektor einen Rückgang der Ausfuhren um 28,1 Prozent im 1. Halbjahr 2020. Nennenswerte Rückgänge gab es auch bei den Maschinen und Apparaten a.n.g. (a.n.g. - anderweitig nicht genannt): Nach -16,6 Prozent im Jänner, die von den +19,2 Prozent im Februar und +1,6 Prozent im März ausgeglichen wurden, gab es im April und Mai Exportrückgänge um 54,3 Prozent und 23,1 Prozent.

Sehr starke Exportrückgänge verzeichneten im April und Mai 2020 auch die Gummi- und Kunststoffwaren, andere Erzeugnisse aus der Verarbeitung von Steinen und Erden (-44,3 Prozent und -20,7 Prozent) sowie die Grundmetalle und Metallerzeugnisse, ausgenommen Maschinen und Anlagen (-33,1 Prozent und -17,9 Prozent).


lpa/stol

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